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„Die Partner leiden mit, sind mittendrin und doch daneben“

Annette Rexrodt von Fircks spricht auf Einladung des Vereins Krebsnachsorge in der Stadthalle.

Von Alexandra Wolff, 24.10.2010.

Braunschweig. Chemotherapie, Bestrahlung und Operation helfen Krebspatienten wieder gesund zu werden. Aber ihrer Psyche nützen diese Maßnahmen nicht. Hier hilft der Verein Krebsnachsorge, der die Bücher von Annette Rexrodt von Fircks verleiht. nB-Mitarbeiterin Alexandra Wolff sprach mit der Autorin, die am 26. Oktober in Braunschweig ist.

?Welche Perspektive haben Sie für sich direkt nach der Diagnose gesehen? Was waren Ihre ersten Gedanken und Gefühle?

!Als ich die Diagnose erhielt, war ich paralysiert. Ich konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen. Es kamen keine Tränen. Für mich hörte die Erde auf, sich zu drehen. Meine Prognose war denkbar schlecht. Man „gab“ mir ganze 15 Prozent, die Erkrankung zu überleben. Erst als mir eine Psychologin sagte: „Entscheiden Sie sich für das Leben“, fing ich an zu hoffen und wurde aktiv.


?Hätten Sie im Nachhinein etwas an Ihrem Leben vor der Diagnose geändert?

!Sicherlich hätte ich meinen Hang zum Perfektionismus abgelegt und häufiger mal Fünfe gerade sein lassen. Und niemals mehr wäre ich am Montagmorgen aufgewacht, wünschend, es möge doch schon Freitag sein.

?Wie spricht man über die Diagnose „Krebs im fortgeschrittenen Stadium“ am besten mit seinem Partner?

!Klares Artikulieren im Schockzustand nach der Diagnose ist fast unmöglich. Jeder ist anders und reagiert daher auf Krisen auf unterschiedliche Art. Sicherlich ist es hilfreich, dass man füreinander da ist und sich Zeit nimmt. Für den einen ist es hilfreich zu weinen, für den anderen ist es besser, sofort Entscheidungen zu treffen und über die Krankheit so viel wie möglich in Erfahrung zu bringen. Die Partner leiden häufig unendlich mit. Sie sind mittendrin und doch daneben. Viel zu selten werden sie gefragt, wie es ihnen geht. Wichtig ist, dass sie auch an sich denken und um Unterstützung bitten.

?Was war für Sie der bedrückendste Moment nach der Diagnose?

!Als meine drei kleinen Kinder mich alle zugleich umarmten und mir sagten, wie lieb sie mich haben. Das waren für mich Augenblicke von unsäglicher Traurigkeit. Ich wollte doch noch lange Mutter sein und erleben dürfen, wie sie groß und erwachsen werden.

?Dieses Glück wurde Ihnen nicht genommen. Doch was hat Ihnen am meisten Mut gegeben?

!Ich habe wirklich viele Kraftquellen in mir selbst gefunden, aber auch meine Freundin war mir eine große Hilfe in dieser schweren Zeit. Sie hatte immer ein bisschen Normalität mit in das Krankenhaus gebracht. Mit ihr durfte ich authentisch sein. Meine Familie hingegen hatte Angst, mich zu verlieren und das wiederum belastete mich.

?Bitte geben Sie unseren Lesern zum Abschluss noch einen Wahlspruch oder ein Kraft gebendes Zitat auf den Weg.

!Leben ist, wenn man seinen vermeintlichen Fügungen so manchmal widerspricht.
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