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Die „Isola verde“, Capris entspannte Schwester

Dass Ischia als die „Grüne Insel“ im Golf von Neapel bezeichnet wird, liegt an Aussichten wie dieser. Egal, aus welcher Richtung man blickt: Hinter den Küstenorten (im Vordergrund Ischia Ponte) bauen sich die bewaldeten Gebirgshänge auf. Fotos (7): Matthies
 
Der Weg auf den Monte Epomeo ist in der Hitze Süditaliens nicht ohne. Die lauschigen Pfade und der Blick vom Gipfel entschädigen für die Mühen.

Als Grüne Insel im Golf von Neapel steht Ischia zu Unrecht im Schatten der berühmten Zitroneninsel – Thermenparadies ganz ohne Bettenburgen.

Von Christoph Matthies, 19.08.2016.

Lacco Ameno/Italien. Eigentlich gilt es, Radioaktivität möglichst aus dem Weg zu gehen. Auf Ischia ticken nicht nur in dieser Hinsicht die Uhren etwas anders.
Allenfalls zu Ostern taucht die grüne Insel mit ihrem radioaktiven Thermalwasser in den deutschen Medien auf. Dann nämlich, wenn die Bundeskanzlerin dort, wie fast jedes Jahr, ihren Urlaub verbringt. Angela Merkel ist nicht die erste bekannte Physikerin, die es nach Ischia zog. Es heißt, dass selbst Marie Curie, die zweifache Nobelpreisträgerin, hier Untersuchungen des radonhaltigen Wassers der vulkanischen Insel vor der Westküste Italiens vornahm.

Die zahlreichen Bäder mit ihrem Thermalwasser, dem eine heilende Wirkung zugeschrieben wird, haben schon in der Antike viele Besucher auf das größte Eiland (46 km²) im Golf von Neapel gelockt. Diese Thermen sind heute allerdings auch ein Grund, warum Ischia mit dem Ruf eines „Rentnerparadieses“ leben muss.
Tatsächlich macht die Insel, außer vielleicht im Juli und August, wenn in Italien Sommerferien sind, manchmal einen etwas verschlafenen Eindruck. Entspannt ist vielleicht das bessere Wort, denn von dem Gefühl, ausschließlich von Touristen umgeben zu sein, wie es etwa im Süden Teneriffas oder gar auf Mallorca der Fall ist, ist Ischia so weit entfernt wie von den verregneten Sommern Südostniedersachsens.

Badebucht San Montano

Bettenburgen sucht man hier vergeblich, kleine, aber oft feine, durchaus aber auch preisgünstige Hotels und immer mehr Privatvermieter – Airbnb lässt grüßen – teilen sich die Touristen auf. Auch die zeitweise Hektik der berühmten (obwohl deutlich kleineren) Nachbarinsel Capri mit ihren vielen Tagestouristen bleibt einem hier glücklicherweise erspart.
Zu sehen und entdecken gibt es auf Ischia dennoch viel. Klar, da sind zum einen die schönen Strände, der lange Maronti Beach etwa, der zum vielleicht hübschesten Ort der Insel, nach Sant’Angelo, führt. Gemütlicher kann man in der kleinen Bucht San Montano, unweit von Lacco Ameno im Nordwesten baden. Der Sandstrand und die felsigen Hänge sind hier ganz wunderbar, und wem das nicht reicht, der hat mit dem Negombo-Park auch noch eines der schönsten Thermalbäder der Insel direkt vor Ort.

Doch nicht nur Badelustige, sondern auch Geschichts- und Kulturinteressierte kommen auf ihre Kosten. Wahrzeichen Ischias ist das Castello Aragonese, eine beeindruckende mittelalterliche Burganlage auf einem vor der Ostküste der Insel liegenden Felsen. Mit seinen verwunschenen Gängen, idyllischen Terrassen und sage und schreibe 13 Kirchen und Kapellen gehört das Castello mit seiner bewegten Geschichte zum Pflichtprogramm einer jeden Ischia-Reise.

Wandern zum Epomeo

Zu den Highlights der Insel gehört außerdem der botanische Garten „La Mortella“, den der britische Komponist William Walton ab Mitte des 20. Jahrhunderts anlegen ließ. Mehr als 500 seltene mediterrane und exotische Pflanzen findet man hier, im Nordwesten der Insel. Die klassischen Konzerte unter Sternenhimmel, die hier im Sommer jede Woche stattfinden, sind ein Genuss für die Sinne.
Höchster Berg Ischias ist der recht zentral gelegene Monte Epomeo, der mit seinen 789 Metern nicht nur einen atemberaubende Blick vom Gipfel, sondern auch einige schöne Wanderungen durch die artenreiche Flora bereithält. Wanderfreunde seien allerdings gewarnt: Mit dem gut ausgeschilderten Wegenetz im Harz sind die meisten Pfade der Insel kaum zu vergleichen.

In den 50er Jahren lockte der Verleger Angelo Rizzoli den internationalen Jetset nach Ischia, die Insel galt als trendy. Diese Zeiten sind lange vorbei, doch besonders italienische und viele deutsche Urlauber lieben die „Isola verde“ noch immer. Flaniert man durch Lacco Ameno, ist der Glanz vergangener Tage noch zu spüren. Mondäne Hotels wie das Regina Isabella erinnern an verblassten Ruhm. Heute ist Entschleunigung angesagt, egal ob auf den Promenaden oder in den Thermen. Es scheint, als tickten die Uhren auf Ischia etwas langsamer.
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