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Den Spieß einfach herumdrehen

Die

Verbraucherzentrale

+ gibt Ratschläge

Von Birgit Leute

Braunschweig. Telefonwerbung ist – wenn nicht zuvor ausdrücklich vom Angerufenen gewünscht – illegal und voller Fallstricke. Gabriele Peters von der Verbraucherzentrale Niedersachsen in Hannover erklärt warum:

?Verbraucherumfragen, Angebote von Versicherungs- oder Telefonunternehmen – praktisch alles läuft doch heute übers Telefon. Wann wird es denn gefährlich?

!Wenn das Callcenter absichtlich die Rufnummer unterdrückt, sich der Agent nicht richtig vorstellt und dem Angerufenen Verträge unterschiebt, aus denen dieser später nur schwer wieder herauskommt. Was viele nämlich nicht wissen: Auch am Telefon abgeschlossene Vereinbarungen – egal ob ein neuer Internettarif oder die Teilnahme an einem Gewinnspiel – sind rechtlich gültig. Wer dann noch die Widerspruchsfrist von 14 Tagen verstreichen lässt, steckt schon in der Patsche.

?Aber wie schaffen es die Agenten immer wieder, ihre Opfer zu überrumpeln?

!Weil sie mit geschickten Tricks arbeiten. Besonders beliebt sind zum Beispiel Suggestivfragen, nach Art von „Sie sind doch Herr Bauer? Sie wollen doch Geld gewinnen?“. Meist antwortet der Angerufene dann mit „Ja“. Kommt es später zum Streit, heißt es von den Callcentern: „Wir verstehen den Ärger nicht. Herr Bauer hat doch immer zugestimmt.“

?Was hat Edith Müller, die Seniorin aus unserem Beispiel, falsch gemacht?

!Sie hätte sich vorher die vielen Prospekte für Gewinnspielteilnahmen besser durchlesen sollen. Oft gibt es einen Vermerk, in dem der Anbieter darauf hinweist, dass die Daten zu Werbezwecken weitergegeben werden können. Das hat Frau Müller offensichtlich nicht abgelehnt und dadurch den Anrufern Tür und Tor geöffnet. Vor allem Senioren tappen schnell in die Falle unerwünschter Werbeanrufer.

?Warum?

!Weil sie das Kleingedruckte häufig nur schlecht lesen können. Und weil sie gewohnt sind, höflich am Telefon zu sein, statt dem Anrufer das Wort abzuschneiden und einfach aufzulegen.

?Ist das der beste Weg, die lästigen Anrufer loszuwerden?

!Ja. Man kann den Spieß aber auch herumdrehen und versuchen, so viel wie möglich über das Callcenter herauszufinden. Im März diesen Jahres hat der Bundestag einen Gesetzentwurf verabschiedet, der die sogenannte telefonische „Kaltaquise“ oder auch „Cold Calls“ verbietet. Wer als gewerblicher Anrufer zum Beispiel seine Rufnummer unterdrückt, zahlt ein Bußgeld von 10 000 Euro. Die Bundesnetzagentur sammelt alle unseriösen Anbieter und schreitet gegen diese ein.

?Zeigt das Gesetz schon Wirkung?

!Fakt ist, dass die Zahl der Anrufe schon zurückgegangen ist. Dennoch ist die Höhe der Strafe nach Ansicht der Verbraucherzentralen nicht wirklich ausreichend. 10 000 Euro zahlen diese Anbieter aus der „Portokasse“.
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