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Das Leben in „Krone City“ beginnt früh

Das größte rollende Zirkuszelt der Welt wird bei Regenwetter aufgebaut.
 

Die größte Zeltstadt Europas wird an einem Tag auf dem Schützenplatz aufgebaut – Mittwoch ist Premiere.

Von Martina Jurk, 06.08.2014.

Braunschweig. Es regnet in Strömen. Die zirkuseigene Feuerwehr pumpt das Wasser von dem Platz ab, auf dem das Besucher-Café aufgebaut werden soll. „Eine Stunde Verzug“, sagt Nikolai Tovarich. Der Ringmeister, der aussieht wie ein Ranger, verfolgt das Treiben am Zelt – sein Arbeitsplatz während der Vorstellungen. Aufbautag des Circus Krone. In 24 Stunden ist Premiere.

„Wir brechen uns die Beine, aber wir sind immer pünktlich fertig“, erzählt der Engländer. Heute stapft er im langen Lodenmantel und Krempelhut über den Schützenplatz, einen Tag später steht der stattliche Mann im Frack in der Manege. Er ist für den Ablauf der Vorstellungen verantwortlich, ist der Chef der Requisite und überhaupt der wichtigste Mann im Zelt.
Noch sieht alles chaotisch aus. 60 Mann arbeiten wie die Berserker am Zeltaufbau unter der Leitung von Zeltmeister Andon Kirov. Ein Vorkommando hat bereits am Freitag die riesigen 23 Meter hohen Hauptmasten aufgebaut, Anker geschlagen und das gesamte Areal vermessen. 20 Planen, von denen jede eine Tonne wiegt, werden miteinander verbunden – und erreichen die Größe eines Fußballfelds. Die Männer arbeiten fast geräuschlos. Jeder Handgriff sitzt. Erst in der Nacht zuvor haben sie das blaue Monstrum in Minden abgebaut. Jetzt in Braunschweig wird wieder aufgebaut – so geht das 30 Mal im Jahr. Der Regen tropft von ihren Jacken und Mützen. Bis zu den Knöcheln stehen sie im Wasser. Das Riesendach wird hochgezogen, die Rundleinwand eingehängt, Sturm- und Rondellstangen werden fixiert und die vielen Hundert Eisenanker fachgerecht eingeschlagen. Stück für Stück wächst die Kuppel in die Höhe. Auf die Hauptmasten werden die Kronen aufgesetzt. Die 1200 Lämpchen des Schriftzugs „Krone“ leuchten. Der Einbau der Sitze kann beginnen. Sechs Stunden später ist jedem klar: Der Zirkus ist in der Stadt.
Für die Männer ist das ein 6000-Kalorien-Tag. Pause. Koch Szögi Arpad und seine Mitarbeiter der „Betriebskantine“ haben Gulasch mit Spätzle gekocht. Es riecht lecker und deftig. Bei dem Wetter genau richtig. Die beiden Köche und zwei Mitarbeiter kochen jeden Tag dreimal warmes Essen für 180 Leute. 400 Brötchen und 28 Kilogramm Brot verarbeitet die Küchenmannschaft täglich.
Nach und nach füllt sich die größte Zeltstadt Europas mit Leben. Und „Krone City“ hat auch einen Bürgermeister. Der heißt Claus Lehnert. Nach seinem Plan entsteht die Kommune, in der fast 400 Einwohner und 200 Tiere leben, die 330 Wohn-, Pack- und Gerätewagen beherbergt, die Restaurant, Stromaggregat, Grund- und Hauptschule, Feuerwehr, Büros und Werkstätten hat. Alle Stallungen stehen auf Hügeln, um den Tieren Schutz vor Nässe zu bieten. Die Löwen haben immer den gleichen Platz, weil sie durch einen Tunnel in die Manege laufen. Auch das Nashorn Tsavo nimmt immer denselben Weg – es ist ein „Geradeausgeher“. Claus Lehnert muss schauen, wo es auf dem Platz Gullys gibt, wo Gras für die Tiere wächst.
Die Seelöwen-Crew ist angekommen. Lehnert weist ihr einen Platz für den Wohnwagen zu. Die Mähnenrobben Chico, Tino, Joe und Charlie, die bereits vorher angekommen sind, scheinen sich zu freuen. Ihre Laute sind über den ganzen Platz zu hören.
Der Zirkus ist ein beachtlicher Faktor für die heimische Wirtschaft. 1000 Kilogramm Fleisch, 500 Kilo Fisch, 400 Kilo Äpfel und Möhren, 3,5 Tonnen Stroh für die Tiere in der Woche, 40 000 Liter Wasser am Tag, davon 70 Prozent für die Tiere, 2000 Liter Diesel am Tag – werden vor Ort bezogen. 16 Tonnen Mist fallen in der Woche an, die ein regionaler Bauer abnimmt.
Das Leben in „Krone City“ beginnt früh: Um 5 Uhr beginnen die Arbeiten in der Küche, um 7 Uhr in den Stallungen, um 8 Uhr in den Werkstätten, um 9 Uhr in den Büros. Um 10 Uhr öffnen Zoo und Kassen. Die Artisten machen sich bereit. Um 15.30 Uhr beginnt die erste Vorstellung, um 20 Uhr die zweite – jeweils 180 Minuten. Danach arbeiten Artisten an der Verfeinerung ihrer Shows. Ab Mitternacht streift nur noch der Nachtwächter durch die Zeltstadt. Die Stallwachen treten ihren Dienst an.
Das Besucher-Café steht inzwischen – auf trockenem Untergrund. Parkettboden wird verlegt. Es hat aufgehört zu regnen. Das Zelt, auch blauer Dom genannt, bietet 4000 Zuschauern Platz. In ein paar Stunden heißt es „Manege frei!“.
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4 Kommentare
153
Elisa Gallus aus Südstadt-Rautheim-Mascherode | 06.08.2014 | 15:05  
75
Emma Paulsen aus Braunschweig - Innenstadt | 07.08.2014 | 17:47  
24
Bettina Wegner aus Heidberg-Melverode | 07.08.2014 | 19:29  
8
Werner Michalk aus Wendeburg | 08.08.2014 | 11:47  
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