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„Bremsen ist immer eine gute Idee“

Die Rüttelplatte versetzt den Hinterrädern einen ordentlichen Schlag. Jetzt gilt es, den Wagen durch Gegenlenken wieder aufzufangen und gerade an der Wassersäule vorbeizubekommen. Fotos (6): Konrad
 
Fahrtrainer Gernot Rothenberg.

NB-Redakteur im Selbstversuch – Heute: Pkw-Intensivtraining im ADAC Fahrsicherheitszentrum Hansa.

Von Andreas Konrad, 21.10.2017. L

üneburg. „Das ist der Plan“ knarzt es durch das Funkgerät, und könnte man Gernot Rothenberg während dieser Aussage ins Gesicht schauen, würde man sicher ein leicht schelmisches Grinsen erkennen. Der Fahrtrainer ist lange genug dabei, um zu wissen, dass die alleinige Erklärung der nächsten Fahraufgabe im ersten Versuch selten zu einer fehlerfreien Umsetzung führt.

So zeigt die Testwagenflotte, bestehend aus mehreren Renault Koleos und Kadjar, folgerichtig bestes Wasserballett: es wird sich gedreht und durch die von Wassersäulen simulierten Hindernisse gerauscht. Aber: Mit mehr Übung werden die Ergebnisse besser – und das ist ja auch das Tagesziel!
Wir sitzen auf Einladung des Autohauses Härtel früh morgens in einem Unterrichtsraum auf dem ADAC Fahrsicherheitszentrum Hansa in Lüneburg.

Rothenberg erläutert die drei Strategien, die es gibt, wenn überraschend ein Hindernis auftaucht: bremsen, ausweichen, bremsen und ausweichen. Klingt logisch, will aber auch gekonnt sein, und so geht es hinaus auf das Testgelände.
„Anhalten hätte geholfen“, schallt es über Kanal fünf, „wir wollen ja den Bremsweg messen.“ Widerworte zwecklos, der Funk geht nur in eine Richtung: Vom Trainer in unsere Autos. Also zurück zum Start und voll auf das Pedal, bis der Wagen steht. Und das geht schneller als gefühlt. In der Stadt oder bis zu einer Geschwindigkeit von 70 km/h in weniger als 20 Metern, wie der 58-Jährige verrät und wir live erleben. Daher sei es hier auch meist die beste Idee, einfach nur zu bremsen, bevor Ausweichversuche in fremde Vorgärten führten, rät Rothenberg.

Weiter geht´s, Lektion zwei: Ausweichen. Erst im Slalom, dann mit höherer Geschwindigkeit um nur ein Hindernis herum. Schrittweise bekommen wir immer mehr Gefühl für das Fahrzeug. Vor allem die richtige Sitzposition ist entscheidend: Aufrechte Rücklehne, richtiger Abstand zum Lenkrad, Handballen auf drei und neun Uhr, Daumen auf das Lenkrad gelegt. Es ist schön, wie schnell man das Auto besser kontrolliert, wenn man auf den Mann hört! Da sind wir uns alle einig.

So gerüstet können wir uns an die nächste Aufgabe wagen. Verlust der Haftung lautet der Plan. Auf einer Kreisbahn sollen wir die Geschwindigkeit so erhöhen, bis die Autos nach außen wegrutschen. Rothenberg lässt uns gewähren, wir rutschen und versuchen durch Gegenlenken und Gas wegnehmen gleiches zu kontrollieren. „Und jetzt der Trick“, kündigt der Fahrtrainer nach der ersten Rutschrunde an: „Einfach mal kräftige die Bremse treten.“ Wie bitte? Stark bremsen in der Kurve? Unser Fahrlehrer hätte uns aus Angst um sein Auto und sein Leben nie wieder ans Steuer gelassen.

Also los. Gas geben, rutschen und kurz, aber kräftig auf die Bremse. Und siehe da: Natürlich funktioniert der Tipp. „Die Erklärung ist relativ simpel. Der Bereich zwischen sicherer Kurvenfahrt und Rutschen umfasst nur wenige Stundenkilometer. Durch das Bremsen reduzieren wir unsere Geschwindigkeit genau um diese km/h.“ Den Rest macht heutzutage die Technik. Es ist erstaunlich, wie gutmütig die Autos in jeder Situation – dank ABS und ESP – auf das Bremsen reagieren, später sogar freihändig aus 50 km/h auf rechts und links unterschiedlich haftendem Fahrbahnbelag. Zwischendurch gibt Rothenberg immer wieder wertvolle Tipps, wie Kleinigkeiten das Fahrverhalten deutlich optimieren – etwa die Blickrichtung: „Wir fahren dorthin, wo wir hinschauen, und um entsprechend reagieren zu können, müssen wir weit vorausschauen, circa die Geschwindigkeit in Metern.“ Dieser Hinweis kommt allerdings erst richtig zum Tragen, wenn man nicht gerade mit dem Heck in Richtung Fahrziel steht. Das geht an der Rüttelplatte blitzschnell: Den Hinterrädern wird ein Schlag verpasst, der das Auto animiert sich zu drehen. Nur sehr schnelles Gegenlenken – mehr als eine Lenkradumdrehung hin und auch wieder zurück – bringt den Wagen wieder in die Spur. Und ja nicht zu weit zurücklenken. „Ihr kennt das von der Landstraße. Rechts Spuren im Gras und links ein neuer Zaun“, scherzt Rothenberg trocken.

Abschließend geht es am späten Nachmittag dann noch ins Gelände. Rothenberg kann auch Offroad, die SUV Renault Koleos und Kadjar sowieso. Hier ist Langsamkeit Trumpf. Im Unterrichtsraum folgt zum Abschluss die Bilanz. Alle Teilnehmer nehmen positive Eindrücke und eine Urkunde mit nach Hause. Das war der Plan.
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1 Kommentar
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Reinhard Manlik aus Braunschweig - Nordstadt | 21.10.2017 | 11:53  
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