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Blackout nach der Partynacht

Das Plakat zur Aktion.

K-.o.-Tropfen sind in den Clubs immer noch ein Thema – Breit angelegte Infoaktion.

Von Birgit Leute, 13.03.2015.

Braunschweig. Es fängt als harmlose Partynacht an und endet mit einem Filmriss: Auch wenn nur wenige Fälle öffentlich werden – K.-o.-Tropfen sind in den Clubs nach wie vor ein Thema. Mit der breit angelegten Aktion „Ich lass mich nicht k.o.-Tropfen“ wollen die Frauen- und Mädchenberatung bei sexueller Gewalt und Pro Familia noch einmal wachrütteln.

„Vor allem Frauen laufen Gefahr, Opfer des gefährlichen Chemiecocktails zu werden: Die Täter nutzen die Orientierungslosigkeit eiskalt für Raub oder Vergewaltigungen aus“, warnt Rona Kiekeben von der Frauen- und Mädchenberatung. Ganz besonders gefährlich ist es, wenn man sein Glas offen herumstehen lässt, denn für die Täter ist es ganz einfach, ein paar Tropfen in eine Cola oder alkoholische Getränke zu mischen, „und der spätere Nachweis ist fast unmöglich“, sagt Kriminalhauptkommissarin Liane Jäger.

Feiern, tanzen, Spaß haben und plötzlich – ein Filmriss. Man wacht auf in einem fremden Bett oder stellt fest, dass die Brieftasche samt Papieren weg ist.
Schon vor 25 Jahren tauchten erstmals in den Clubs sogenannte K.-o.-Tropfen auf – die Warnung davor ist immer noch aktuell. Pro Familia und die Frauen- und Mädchenberatung bei sexueller Gewalt haben jetzt die großangelegte Kampagne „Ich lass mich nicht k.o.-Tropfen“ gestartet und weisen in den kommenden Wochen mit Plakaten und City-Cards in Bussen, Bahnen, Cafés und Schulen auf die Gefahren hin.

„Offizielle Zahlen gibt es nicht, doch es ist erschreckend, wie häufig es immer noch passiert, dass Frauen die Tropfen verabreicht werden“, erzählt Sigrid Korfhage von Pro Familia. Für den oder die Täter ist es denkbar einfach: Ein offenes Glas, ein paar Tropfen, die weder riechen noch stark schmecken und in den oft alkoholischen Getränken nicht weiter auffallen – und fertig ist ein hoch wirksamer Drogencocktail, der das Opfer wehr- und willenlos macht.
„Frauen, denen so etwas passiert, schämen sich später oder sind nach der Tat zutiefst verunsichert“, erzählt Rona Kiekeben von der Frauen- und Mädchenberatung aus ihrer Arbeit. Wer war der Täter? Jemand aus dem eigenen Bekanntenkreis? Jemand, der sich als hilfsbereit ausgab und dann die Schwäche ausnutzte? „Diese Fragen nagen – auch noch lange nach der Partynacht“, sagt Kiekeben. Und sie hat auch noch gravierendere Beispiele. „Eine Frau, die bei uns Rat suchte, wurde jahrelang vom eigenen Ehemann mit K.-o.-Tropfen betäubt und dann vergewaltigt“, erzählt sie. Pro Familia zählte im vergangenen Jahr drei Fälle, bei denen die Tropfen verabreicht wurden. Eine Frau sei nach einer Vergewaltigung ungewollt schwanger geworden, so Korfhage.

Das Thema brennt auf den Nägeln: Das beweist das Interesse der Schülerinnen, die die Plakate entworfen haben. Die zwölf angehenden Gestaltungstechnischen Assistentinnen der Johannes-Selenka-Schule mussten nicht lange überredet werden. „Fast alle besuchen Diskotheken, hatten schon einmal von K.-o.-Tropfen gehört oder kannten sogar Fällen, in denen ganz offensichtlich mehr im Spiel war, als nur Alkohol“, erzählt Lehrer Björn Koeppen.
Finanziell unterstützt wurde die Aktion vom Zonta-Club und dem Paritätischen Wohlfahrtsverband Braunschweig. Alle Infos: www-trau-dich-bs.de .

Tropfen, Badesalz und Co.

Aufputschmittel tauchen in der Club-Szene immer wieder auf. K.-o.-Tropfen, auch unter dem Namen „Liquid Exstasy“ genannt, sind dabei nur eines von vielen.
Problematisch ist, nach Petra Bunke von der Jugend- und Drogenberatung Braunschweig (Drobs), auch das sogenannte „Badesalz“. Die Designerdroge kommt in harmlosen bunten Tüten daher und putscht ordentlich auf, kann aber auch schwere Psychosen nach sich ziehen. „Die Konsumenten haben Ängste und fühlen sich bedroht“, beschreibt Bunke die fatale Wirkung.
Ebenso gefährlich: die Modedroge „Spice“. Was harmlos auch als „Kräutermischung“ bezeichnet wird, ist in Wahrheit eine Droge mit einem synthetischen Wirkstoff, der viermal stärker wirkt als das bekannte Cannabis.
„Der Effekt ist langanhaltend und dramatisch“, sagt die Leiterin von Drobs und warnt: „Das Fatale an den neuen Designerdrogen ist: Sie tauchen unter immer neuen Namen auf, variieren in ihrer Zusammensetzung und sind dazu noch preiswert .“
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