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Bioprodukte zu kaufen, ist immer eine bewusste Entscheidung

Tanja Bolm von der Verbraucherzentrale Niedersachsen. Foto: oh
 
Alle in Europa erzeugten Bioprodukte müssen mit dem EU-Logo versehen werden und die Vorgaben der EU-Öko-Verordnung erfüllen.

Worauf man achten sollte – Wirrwarr um verschiedene Ökosiegel – Bio beim Discounter – Billig oder teuer.

Von Martina Jurk, 10.10.2015.

Bio ist gut, aber teuer. Biosiegel sind eh nur Etikettenschwindel – bei der Frage Bio oder nicht scheiden sich die Geister. An Begriffen wie „Öko“ und „Bio“ klebt der Makel der Vorurteile. Wir wollen etwas Licht ins Dunkel bringen und fragen die Haushalts- und Ernährungswissenschaftlerin Tanja Bolm von der Verbraucherzentrale Niedersachsen.

?Worauf sollte man beim Kauf von Bioprodukten ganz allgemein achten?

!Man sollte nach regionalen, saisonalen und unverarbeiteten Produkten schauen. Orientieren kann man sich auch an den Biosiegeln. Klar sollte dem Verbraucher sein, was ihm wichtig ist beim Kauf von Bioprodukten. Für eine ausgewogene Ernährung sind die unverarbeiteten Produkte besser als verarbeitete. Im Hofladen werden vor allem Produkte regionaler Erzeuger angeboten. Bioprodukte zu kaufen, ist immer eine bewusste Entscheidung.

?In welche Fallen kann man tappen? Ist überall Bio drin, wo Bio draufsteht?

!Bio ist ein EU-weit geschützter Begriff. Der Verbraucher kann sich sicher sein, dass auf allen Stufen der Herstellung nach den Richtlinien der EU-Ökoverordnung produziert wird. Sie schreibt vor, welche E-Nummern in Lebensmitteln enthalten sein, und wie Obst und Gemüse angebaut werden dürfen. Sie gibt mehr Platz und Grünauslauf für Legehennen vor, Gentechnik und chemisch-synthetische Pestizide werden ausgeschlossen, deutlich weniger Farb- oder Süßstoffe in Fertigprodukten dürfen enthalten sein. Selbst bei verarbeiteten Produkten müssen 95 Prozent der Zutaten aus ökologischer Herstellung kommen. Aufpassen sollte man bei Bezeichnungen wie „naturnah“, „unbehandelt“, „ungespritzt“. Das sind keine Hinweise auf biologische Herstellung.

?Für etliche Menschen sind Biosiegel reiner Etikettenschwindel. Was sagen Sie dazu?

!Seit den 1990er-Jahren gibt es die Ökoverordnung, die relativ hohe Standards setzt. Ob sie eingehalten werden, kontrollieren staatlich zugelassene Stellen. Der Lebensmitteleinzelhandel prüft zusätzlich. Bioproduzenten kontrollieren sich zudem gegenseitig. Natürlich gibt es „schwarze Schafe“, die aber deutlich seltener werden. Auch die Bioprodukte, die aus Drittländern importiert werden, müssen die gesetzlichen Vorgaben der EU erfüllen.

?Es gibt viele Biosiegel. Sind sie alle „echt“? Welchen kann man vertrauen?

!Am 1. Juli 2012 wurde das EU-weit einheitliche Ökosiegel (Grünes Blatt) eingeführt. Übrigens hatte der deutsche Entwurf den Gestaltungswettbewerb für das Logo gewonnen. Daneben darf der Handel oder der Hersteller eigene Siegel verwenden. So gibt es acht Anbauverbände mit einem eigenen Siegel. Deutsche Bioverbände wie Demeter oder Bioland haben einen noch höheren Anspruch an die Produktion. Eigenmarken verwenden inzwischen auch die Lebensmitteldiscounter. Denen kann man vertrauen, wenn neben dem Eigensiegel das EU-Ökolabel und eine Kontrollstellennummer stehen.

?Welchen Unterschied gibt es zwischen Bio und Öko?

!Keinen.

?Sind billigere Bioprodukte beim Discounter genauso gut wie die teuren in Bioläden?

!Die gesetzlichen Mindestanforderungen muss jedes Biolebensmittel – auch beim Discounter – erfüllen. Supermärkte können aber anders kalkulieren. Beispielsweise ist der Biokaffee dort teuer, dafür können die Möhren preiswerter angeboten werden als im Bioladen. Auch größere Abnahmemengen schlagen sich auf die Preise nieder. Negativ beim Discounter ist oft ein hoher Verpackungsaufwand der Produkte, die zudem auf weit entfernten Märkten eingekauft werden. Allerdings ist die Schwelle, Bioprodukte im Supermarkt einzukaufen, für viele Menschen niedriger als in einen Bioladen zu gehen.

?Oft hört man das Argument, dass sich viele Menschen Bio gar nicht leisten können, zum Beispiel Familien. Muss Bio immer teuer sein?

!Nicht unbedingt. Das ist eine Frage der Auswahl. Ich empfehle, Obst und Gemüse jahreszeitlich einzukaufen, weil es dabei deutlich geringere Preisunterschiede gibt. Bioproduziertes Fleisch wird dagegen immer teurer sein. Das lässt sich aber wieder ausgleichen, indem man weniger Fleisch isst.
Wichtig ist, gut zu haushalten. Lieber weniger einkaufen als zu viel. Mehr als 80 Kilogramm Lebensmittel pro Kopf und Jahr werden weggeschmissen.
Man muss vielleicht auch nicht gleich alle Einkaufsgewohnheiten von heute auf morgen über den Haufen werfen. Aber man kann Akzente setzen, indem man sich für ein Lebensmittel entscheidet, wie zum Beispiel Milch, das man immer bio kauft. Auch der bessere Geschmack von Bioprodukten kann die Kaufentscheidung beeinflussen.

Fakten + Infos

• Für 62 Prozent der Biokonsumenten gehört der Discounter zu den bevorzugten Einkaufsstätten für Bioware, so das Öko-Barometer – eine regelmäßige Untersuchung im Auftrag des Bundeslandwirtschaftsministeriums. Neben den klassischen Biomarken hätten sich längst auch Eigenmarken wie BioBio (Plus/Netto Marken-Discount), Gut Bio (Aldi Nord) oder Bio Sonne (Norma) etabliert. (Quelle Ökotest).

Nützliche Adressen: www.aktionstage-ökolandbau.de ,
www.bundesprogramm.de (Demobetriebe) ,
www.bioeinkaufen.de (Einkaufsführer) .
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