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Befreiungsschlag aus dem Alltag

Viel gute Musik gab es im ersten Quartal. Foto: Pause

Pauses Plattenkiste: Die Qual der Wahl im ersten Quartal.

Von André Pause, 19.03.2014.

Braunschweig. Manchmal wissen die Ohren gar nicht, wo sie zuerst horchen sollen. So viele tolle Bands mit noch tolleren Alben ... Die ersten drei Monate des Jahres waren ein Fest für audiophile Menschen. Statt fünf Veröffentlichungen ließen sich wohl auch 50 vorstellen.

Broken Bells – After the Disco (VÖ 31. Januar, Sony Music).
Über James Mercer (The Shins) und Brian Burton (aka Danger Mouse) viele Worte zu verlieren, hieße Eulen nach Athen zu tragen. „After the Disco“, ihr zweites gemeinsames Album, ist eine Wanderung zwischen den Pop-Welten. Ob Abba, Bee Gees oder Pet Shop – hier taucht irgendwie alles auf.

Die Nerven – Fun (VÖ 7. Februar, Cargo Records)
Neulich spielten Die Nerven aus Stuttgart in Hamburg, vor ein paar Handvoll Menschen. Das Trio aus Schwaben macht Rockmusik – „Professionelle Rockmusik“, wie auf der Homepage sicherheitshalber spezifiziert wird. Das offiziell zweite Album „Fun“ ist nicht weniger als ein Befreiungsschlag aus der Gefangenschaft des Alltags.
Nur wenige Bands vermögen die quälenden Dinge des Lebens so krachig und treffend auf den Punkt zu bringen. Mutter aus Berlin vielleicht, aber das war es dann auch schon.

Wild Beasts – Present Tense (VÖ 21. Februar, Domino Records)
Die vier Deutschland-Gigs der Briten Wild Beasts stehen hingegen noch aus. Musikalisch gibt es hier wenig Veränderung. Nach beinahe drei Jahren Veröffentlichungspause gehen die Herren den mit „Smother“ eingeschlagenen Weg konsequent weiter. Das glockenklare Falsett von Hayden Thorpe löst die düster-melancholische Grundstimmung auch auf „Present Tense“, dem Longplayer Nummer vier, weitestgehend auf.
Der Spannungsbogen beginnt mit Dancefloor. Die Single „Wanderlust“ treibt den Hörer förmlich vor sich her, gönnt ihm kurzzeitig ein Kopfhörerpäuschen („Nature Boy“, „Mecca“) im Ohrensessel, holt ihn mit „Sweet Spot“ zum Elektro-Schwof zurück. Diese Wellenbewegung hält die Platte elf Stücke bis zum new-wavigen Rausschmeißer „Palace“ beinahe stoisch durch.

The Notwist – Close to the Glass (VÖ 21. Februar, City Slang)
Stoisch ist das Stichwort. Die Acher-Brüder aus Weilheim lassen gerne mal ein Weilchen verstreichen, bis ein neues Werk das Licht der Welt erblickt. Sechs Jahre sind seit dem gezügelten „The Devil, You + Me“ vergangen. Mit „Close to the Glass“ ist nun ein gut 47-minütiges Gefecht entstanden: Beats gegen hymnische, dreampoppige Songstruktur. Der Sieger ist das Resultat. Hits wie „Kong“, „Casino“ oder „7-Hour-Drive“ stehen der widerspenstigen Elektronik von Martin Gretschmann alias Console zwar gegenüber (unter anderem in „Signals“ und „Lineri“), haben aber letztlich den Schneid zum Shakehands. Wahre Größe.

The War on Drugs – Lost in the Dream (VÖ 14. März, Secretly Canad)
Auch wenn Sänger Adam Granduciel im Opener „Under the Pressure“ eine stimmliche Metamorphose von F.R. David zu Bruce Springsteen durchzumachen scheint: Die amerikanischen Indierock-Wurzeln lassen sich nicht verleugnen.
Entschiedener als die Vorgänger ist das dritte War-on-Drugs-Album ein entspannt und flächig instrumentiertes Ding aus der Vergangenheit, das sich auf einer Highway-Fahrt in den Sonnenaufgang ins Heute verirrt haben muss.
Und unterwegs haben die Kumpels Americana, Blues und Folk wohl noch ‘nen Tramper aufgelesen: New Wave. Verrückt.
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