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Azubis gesucht: Wenig Interesse

Berufsbörse: Angebot für Jugendliche mit Migrationshintergrund – Schulen sind gefordert.

Von Sebastian Walter, 15.09.10

Braunschweig. Weniger Interesse als erhofft: Die Berufsbörse für Jugendliche mit Einwanderungshintergrund war nicht wirklich gut besucht. Veranstalter Hans-Peter Lorenzen fordert deutlich mehr Engagement der Schulen.

„Händeringend“ werden Azubis gesucht und doch konnte Uwe Niederschelp nur „ein durchwachsenes Fazit“ der vierten Infoveranstaltung in der Alten Waage ziehen. Für das Finanzamt Braunschweig war er mit eigenem Stand auf der Suche nach neuen Auszubildenden für den mittleren und gehoben Dienst. „Höchstens ein Drittel aller Interessenten käme auf Grund der Noten überhaupt für uns in Frage“, lautete sein Einschätzung.
Knapp 20 Firmen präsentierten sich am Montag von zwölf bis 17 Uhr in den Räumen der Volkshochschule (VHS). Eigentlich – denn bereits eine Stunde früher als geplant konnten sie ihre Broschüren einpacken und die Aufsteller zusammenrollen: Es kam einfach keiner mehr vorbei. Nur während der Mittagszeit habe Andrang geherrscht, danach ebbte das Interesse ab. Im kommenden Jahr wolle man daher bereits früher anfangen, um mehr Klassen samt Lehrer zu begeistern.
Veranstaltet wird die Börse von der VHS. Deren Geschäftsführer Hans-Peter Lorenz zeigte sich zufrieden mit der Anzahl der rund 250 Besucher, forderte aber mehr Initiative der Schulen: „Es sollte dort selbstverständlich sein, so eine Veranstaltung mitzunehmen und auch im Unterricht weiter zu vertiefen.“ Lorenzen bemängelte den fehlenden Kontakt zwischen Schülern und Ausbildungsbetrieben. „Viele Jugendliche beschäftigen sich zu spät mit ihrer beruflichen Zukunft und haben keinen Plan, wissen weder was sie können, noch was sie nicht können.“
Es waren vor allem die großen Unternehmen wie Siemens, Deutsche Bahn, Bundeswehr oder das Städtische Klinikum, die sich vorstellten und um Auszubildende warben. Es seien gerade jene Firmen, die sich im Zuge der demografischen Entwicklung noch stärker gegenüber Jugendlichen mit Migrationshintergrund öffnen, hat Lorenzen beobachtet. Auf Vorurteile sei man im Zuge der Firmenaquise kaum gestoßen, auch habe die öffentliche Debatte um die Äußerungen von Thilo Sarrazin nicht zu mehr Publikumsinteresse geführt.
Das Angebot von Betriebswirt Reinhard Manke, Schüler für Bewerbungsgespräche fit zu machen, wurde von nur sieben Jugendlichen genutzt. Auch der BTEU, Bund Türkisch-Europäischer Unternehmer, beteiligte sich als Mitorganisator. Angeboten wurde ein Vortrag über duale Ausbildungssysteme in deutscher und türkischer Sprache. Dieser musste auf Grund des mangelnden Interesses jedoch kurzfristig abgesagt werden.
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