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Auswege aus der Zukunftsangst

Weltsuizidpräventionstag am 10. September.

Von Marion Korth, 09.09.2015.

Braunschweig. In akuten Lebenskrisen, wenn nichts mehr geht oder zu gehen scheint, ist die Telefonseelsorge eine gute Wahl, um die Isolation zu durchbrechen. Einmal im Jahr verlassen die Telefonseelsorge und mit ihr lauter andere Beratungsstellen die Anonymität, um beim Weltsuizidpräventionstag auf ihre Angebote aufmerksam zu machen.

Wie wichtig das ist, belegen Zahlen: „Zwischen 10 000 und 11 000 Menschen nehmen sich jedes Jahr in der Bundesrepublik das Leben – mehr als die Menschen zusammengenommen, die durch Drogenkonsum, Gewalt oder Verkehrsunfälle ums Leben kommen“, sagt Pfarrer Christian Kohn, der seit etwas mehr als einem Jahr die Telefonseelsorge leitet.

Die jungen Menschen und die älteren stehen diesmal im Mittelpunkt. Sie sind es, die sich gegenseitig das Bild und das Versprechen auf Zukunft geben: Die Jüngeren, indem sie das Lebenswerk der Älteren fortführen, die Älteren, indem sie ein lebendiges Beispiel dafür geben, wie viel der Mensch ertragen und überleben kann.

Vorgefertigte Lösungen haben auch die Profis nicht. „Aber bei uns kann man probedenken, -sprechen und -planen“, sagt Kohn. Die Isolation aufzubrechen und den Tunnelblick zu öffnen, darum gehe es. Und im privaten Umfeld reichen oft schon Aufmerksamkeit und Bereitschaft zum Zuhören.
Die Gründe, die ins gefühlte Abseits führen, sind vielschichtig: Da ist die Zukunftsangst, die einem die Zuversicht nimmt, dass es morgen weitergeht, da sind Überforderung und Versagensängste, da sind Vereinsamung, schwere Krankheiten und der Verlust des Lebenssinns. „Wir alle kommen an Krisenpunkte, an denen wir Entwicklungsschritte machen müssen, um sie zu überwinden“, sagt Diplom-Psychologe Klaus Dörmann.

Idealisieren will er nichts, aber die räumliche Nähe zur Familie, wie es sie früher gab, sei den Menschen abhandengekommen. Das Entgleiten, die Sprachlosigkeit entstehen, ohne dass es jemand merkt. Die Veränderungsaufgaben hätten indes in unserer modernen Welt zugenommen. Gerade aber bei jüngeren Menschen sei zu beobachten, dass ihre Fähigkeiten, diese zu bewältigen, abnähmen.

„Das Leben spielt sich für sie zwischen Smartphone und Facebook ab“, sagt Kohn. Soziale Kontakte und auch wesentliche Lebenserfahrungen würden jungen Menschen fehlen.
Suizid sei keine Privatangelegenheit, es gebe auch die soziale Verantwortung gegenüber Angehörigen und Freunden. Beim Weltsuizidpräventionstag am 10. September werden dafür lebensbejahende Beispiele gegeben.
Der Verein Anti-Rost wird ebenso dabei sein wie der Seniorenrockchor, „Seniors at School“ und die Aktiven des Reparaturcafés. Auf dem Platz der deutschen Einheit werden die verschiedenen psycho-sozialen Beratungsstellen mit ihren Ständen vertreten sein. Zwischen 12.05 Uhr (nach dem Domgeläut) und 16.50 Uhr (vor der Andacht im Dom mit anschließendem Gedenkgottesdienst) stehen die Mitarbeiter für Gespräche bereit.
Die Telefonseelsorge ist übrigens das ganze Jahr über rund um die Uhr unter Telefon 08 00/ 1 11 01 11 oder unter 0800/ 1 11 02 22 anonym und kostenfrei zu erreichen.
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