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Alle Räder stehen still

Bombenentschärfung in Melverode bis 13 Uhr.

Von Birgit Leute, 21.07.2013

Braunschweig. „Sperrung – Bombenräumung“: Richtung Melverode und den angrenzenden Stadtteilen gibt es heute kein Durchkommen. Bis voraussichtlich 13 Uhr wird dort eine Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg entschärft.

Entsprechende Straßensperren halten Autofahrer bereits an den Ortseingängen auf. Auch Busse und Bahnen werden zwischen 10 und 13 Uhr umgeleitet. Die A 39 zwischen dem Autobahnkreuz Süd-West und der Abfahrt Südstadt, sowie die A 395 sind ebenfalls „dicht“.
Für drei Stunden herrscht in Melverode der Ausnahmezustand, wenn die Experten des Kampfmittelbeseitigungsdienstes die geschätzt rund 220 Kilogramm schwere Bombe freilegen. Doch von Panik bei den Betroffenen keine Spur: „Es wird alles gutgehen“, ist sich Professor Dr. Karl-Dieter Heller, Chefarzt der orthopädischen Klinik im Herzogin-Elisabeth-Hospital sicher. Neben den rund 6000 Anwohnern muss auch die Klinik besonders geschützt werden.
Timing ist alles: Für das Herzogin-Elisabeth-Hospital ist es die erste Bombenräumung. Bereits vor längerer Zeit begannen sich Ärzte und Pfleger deshalb, auf den Tag X vorzubereiten. „Eigentlich stand ziemlich schnell fest: Eine komplette Evakuierung der Patienten konnte es nicht geben – der Stress bei dem zweimaligen Transport wäre viel zu groß gewesen“, erklärt Professor Dr. Karl-Dieter Heller von der orthopädischen Klinik. Auch sein Bereich auf der Südwestseite des Klinikums ist unter anderem von der aktuellen Bombenräumung betroffen: Nur 500 Meter entfernt wird der explosive Fund vom Kampfmittelbeseitigungsdienst vorsichtig entschärft. Nicht benutzt werden können außerdem drei Operationssäle, das Ärztehaus, das Verwaltungsgebäude und das Schwesternwohnheim.
„Die Klinik hat sich mit den Kampfmittelexperten und der Feuerwehr beraten und schließlich entschieden, die Patienten weg von der Gefahrenseite in den sichereren Nordflügel zu verlegen“, so Heller. So weit so gut. Doch auch ein solcher Umzug lässt sich nicht mal eben aus dem Handgelenk schütteln. Denn wenn sechs Etagen in einem Krankenhaus plötzlich leer stehen müssen, erhebt sich die Frage: Wohin mit den Patienten? „Auch das haben wir natürlich vorgeplant“, sagt Heller. Um Platz zu schaffen, wurden Operationen so gelegt, dass rund 70 Patienten im Laufe der Woche bereits nach Hause gehen konnten. Bei 25 war das nicht möglich. „Das sind die frisch operierten Fälle“, sagt Heller.
Fälle, wie Max Wetzel zum Beispiel. Bereits am Donnerstag bezog der 86-Jährige mit Hilfe von Pflegedienstleiterin Heide Cavar und Stationsleiter Henning Schrader sein Refugium auf Zeit im anderen Flügel. Angst hat er keine. „Ich habe schon ganz andere Bomben erlebt“, winkt der ausgeglichene Senior mit Blick auf den letzten Weltkrieg trocken ab. Wer mobil ist, bekommt heute in der Cafeteria einen Film gezeigt, natürlich gibt es auch zur gewohnten Zeit Essen. „Alles soll so normal wie möglich ablaufen“, betont Heide Cavar. „In der Zeit, wo das Haus weder verlassen noch betreten werden kann, soll keiner das Gefühl haben, er sei eingesperrt.“
Und für die Ärzte? Für sie ist es nicht ganz so Normalität. Alle, die heute Rufbereitschaft haben, sind im Haus, um sofort zur Stelle zu sein, wenn doch mal ein Notfall eintritt und etwa jemand schnell an der Bandscheibe operiert werden muss. „Die Vorplanung war schon eine Menge Arbeit, aber wir konnten den Ablauf jetzt in unsere Zertifizierung aufnehmen und sind fürs nächste Mal gewappnet“, sagt Cavar und ist darauf ein bisschen stolz.
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