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„Wir sind in der Lage, gegen alle Mannschaften Punkte zu holen“

Hat mit seiner Mannschaft 34 Punkte geholt: Eintracht-Trainer Torsten Lieberknecht. Foto: SH

Interview mit Eintracht-Trainer Torsten Lieberknecht – Teil zwei.

Von Elmar von Cramon, 27.12.2016.

Braunschweig. Nach der erfolgreich absolvierten Hinrunde in der 2. Fußball-Bundesliga spricht Eintracht-Trainer Torsten Lieberknecht in der nB über die späten Gegentore, die Torhüter, wechselwillige Spieler und über das Umfeld.

?Es fiel auf, dass Eintrachts Gegentore zuletzt oft in der Schlussphase fielen. Gab es dafür aus Ihrer Sicht einen bestimmten Grund?

!Eigentlich nicht, außer, dass der Gegner in dieser Phase sehr viel machen muss, um eine Niederlage abzuwenden. Oft war es dann einfach so, dass das Spiel auf des Messers Schneide stand und wir einige unglückliche Momente hatten. Machen wir gegen Dresden oder Hannover das dritte Tor, gehen wir wahrscheinlich als Sieger vom Platz.
Allerdings habe ich vor dem einen oder anderen Gegentor identische Abläufe erkannt, an denen wir bereits arbeiten. Das wird auch in der anstehenden Vorbereitung weiterhin zu thematisieren sein.

?Gegen die vier Verfolger gelang kein Sieg, tut sich Ihre Mannschaft gegen die Spitzenteams schwerer als gegen die Mannschaften dahinter?

!Das Wichtigste war für mich, in diesen Spielen zu sehen, wie weit wir von diesen Mannschaften leistungsmäßig weg waren. In all diesen Begegnungen habe ich Chancen gesehen, die Partie für uns zu entscheiden. In Heidenheim muss man erst mal bestehen und gegen Hannover hätten wir definitiv gewinnen können. In Stuttgart bekommen wir extrem ärgerliche Gegentore, waren in der zweiten Halbzeit aber die bessere Mannschaft. Wir sind definitiv in der Lage, gegen alle Mannschaften Punkte zu holen, wissen aber auch, dass uns gleich zum Rückrundenauftakt in Würzburg ein echtes Brett erwartet.

?Weshalb hat sich der Verein schon frühzeitig festgelegt, in diesem Jahr auf Neuverpflichtungen im Winter zu verzichten?

!Die Mannschaft hat 34 Punkte eingespielt, wir vertrauen ihr deshalb und sehen keine Notwendigkeit, neue Kräfte hinzuzuholen. Vielmehr sind wir der Meinung, dass manche Spieler noch gar nicht an ihrem Limit angekommen sind, deren Weiterentwicklung wollen wir nicht durch zusätzliche Spieler bremsen. Mit Niko Kijewski haben wir zum Beispiel einen jungen Akteur, der momentan daran zu knabbern hat und sich mit der bestehenden Konkurrenzsituation auseinandersetzen muss. Weitere Neuzugänge wären also kontraproduktiv. Dennoch halten wir fortwährend die Augen offen, um Spieler zu finden, die uns weiterhelfen, damit wir im Bedarfsfall reagieren können.

?Wie sehen Sie die Situation bei den Torhütern?

!Ich bin auf der Torhüterposition superzufrieden mit Jasmin Fejzic, der uns keinen einzigen Punkt gekostet hat, sondern im Gegenteil einige Spiele gerettet hat. Er hat eine tolle Entwicklung genommen und enorm an Profil gewonnen, Gleiches gilt für Marcel Engelhardt.

?Viele Spieler, die zuletzt auf Bank oder Tribüne Platz nehmen mussten, wären anderswo wahrscheinlich Stammkräfte. Was bedeutet das für den Konkurrenzkampf?

!Die Mannschaft muss den Nutzen dieser Situation erkennen, das ist nicht ganz einfach, weil natürlich jeder spielen möchte. Für mich genießen die Akteure aus der zweiten Reihe jedoch eine extrem hohe Wertschätzung und sind extrem wichtig für das Team. Sie brennen in jedem Training, um beim nächsten Mal auf dem Platz zu stehen. Bis auf Adam Matuschyk, Marcel Engelhardt und Phillip Tietz hat auch jeder seine Einsatzzeiten bekommen. Alle haben dazu beigetragen, dass wir diese 34 Punkte erreicht haben.

?Ist der Verein gesprächsbereit, wenn ein Akteur von sich aus im Winter einen Wechselwunsch äußert?

!Natürlich kann es passieren, dass ein Spieler etwas anderes über seine Identifikation mit unserem gemeinsamen Ziel, etwas Großes zu erreichen, stellt. In diesem Fall sollten wir uns kompromissbereit zeigen, sofern es sich nicht um einen Spieler handelt, der bei uns einen langfristigen Vertrag besitzt. Unsererseits gehen die Gedanken nicht in eine solche Richtung, weil wir allen Akteuren, die momentan dabei sind, auch weiterhin das Vertrauen schenken.

?Zuletzt äußerten Sie sich über fehlende Euphorie im Umfeld, was genau war damit gemeint?

!Damit meine ich, dass trotz des Erreichten, das nicht selbstverständlich ist, ein gewisses „Knistern“ fehlt. Die Fans machen momentan einen Entwicklungsprozess durch und finden sich neu. Manche reiben sich an der Erwartungshaltung, es gibt unterschiedliche Meinungen darüber, wie sich der Verein präsentieren soll. Hat man allerdings gesehen, wie die Leute für die Rückrundendauerkarte Schlange gestanden haben, glaube ich aber, dass eine große Mehrheit der Fans mehr als positiv denkt. Die Restlichen wollen wir natürlich auch noch begeistern, damit es auch bei ihnen richtig zu „knistern“ beginnt.
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