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„Wir sind ein Gesicht der 2. Liga geworden“

Torsten Lieberknecht. Foto: SH

Fußball: Eintracht-Trainer Torsten Lieberknecht spricht in der nB über die abgelaufene Saison und blickt auf die kommende Spielzeit.

Von Elmar von Cramon, 17.05.2016.

Braunschweig. Nach dem letzten Zweitliga-Punktspiel spricht Eintracht-Trainer Torsten Lieberknecht in der nB über die abgelaufene Saison und die kommende Spielzeit.

?Mit welchen Gefühlen blicken Sie auf die abgelaufene Saison zurück?

!Unter dem Strich ist die Spielzeit zufriedenstellend verlaufen. Mit der Einführung eines neuen Spielsystems und dem größten personellen Umbruch während meiner Amtszeit wurden Ideen umgesetzt, die wir uns zu Saisonbeginn vorgenommen hatten. Wir verfügen nun über eine Mannschaft, die gute sportliche Perspektive besitzt.
Allerdings mussten wir während der Saison auch realisieren, welche Leistungsschwankungen ein solcher Umbruch mit der Einbeziehung vieler junger Spieler nach sich ziehen kann. Trotzdem steht am Ende das drittbeste Zweitliga-Ergebnis seit unserem Aufstieg 2011. Es war also eine normale und ordentliche Zweitligasaison.

?Die Leistungsschwankungen waren das Handicap, was eine bessere Platzierung verhinderte. Worin lagen diese Schwankungen begründet?

!In der Hinrunde hatten wir eine sehr gute Phase, in der sich eine Mannschaft herauskristallisiert hat. Doch mit der Verletzung von Mirko Boland im Spiel gegen Union Berlin begann eine Verletzungsproblematik, die sich mit den Ausfällen wichtiger Kräfte wie Emil Berggreen, Marcel Correia oder zuletzt Joe Baffo als roter Faden durch die gesamte Spielzeit zog. Zum anderen war die Mannschaftsleistung insgesamt nicht konstant genug. Gleiches gilt für die individuellen Leistungskurven, vor allem die der erfahreneren Akteure.
Bei unseren jungen Spielern musste man mit Leistungsschwankungen rechnen. Betrachtet man jedoch die tolle Entwicklung eines Gerrit Holtmann oder von Salim Khelifi, können wir in dieser Hinsicht aber sehr zufrieden sein.

?Was lief aus Ihrer Sicht positiv und was soll künftig verbessert werden?

!Sehr positiv war über die gesamte Spielzeit hinweg unser Auftreten. In den meisten Spielen haben wir den nötigen Willen gezeigt und waren nahe dran, als Gewinner vom Platz gehen zu können. Ärgerlich waren die unglücklichen Ergebnisse in der englischen Woche, die in den darauffolgenden Spielen gegen Fürth und Union Berlin Spuren hinterließen und zu einer „Ergebniskrise“ geführt haben.
Augenscheinlich war unsere Schwäche bei Defensivstandards. Das ist besonders ärgerlich, da sich viele Mannschaften aus dem Spiel heraus schwer getan haben, Lösungen gegen uns zu finden.

?Gibt es einen Moment, der Ihnen besonders in Erinnerung bleiben wird, wenn Sie diese Spielzeit nochmals Revue passieren lassen?

!Das 1:2 in Nürnberg ist für mich sowohl für die Saison als auch für das Potenzial, das die Mannschaft besitzt, ein Spiegelbild: Wir waren gegen eines der Topteams lange Zeit spielbestimmend, ließen aber viele Torchancen liegen und gerieten kurz vor Schluss durch eine Standardsituation auf die Verliererstraße. In der Folge entwickelten sich beide Mannschaften in komplett verschiedene Richtungen: Nürnberg erreichte mit einer Wahnsinnsserie den dritten Platz, während wir die Nähe zu den Aufstiegsrängen nicht halten konnten.

?Welche Schlüsse werden vor dem Hintergrund der Ausrichtung auf die neue Spielzeit gezogen?

!Der Fall Emil Berggreen hat gezeigt, was das Wegbrechen eines wichtigen Spielers auf einer zentralen Position nach sich ziehen kann. Darum wird es für uns von großer Bedeutung sein, auf dieser Position einen guten Transfer zu tätigen. Ein weiterer Schluss, den man ziehen kann, ist, dass wir nach dem Erstligaabstieg in Sachen Kaderplanung weitestgehend die richtigen Schlüsse gezogen haben. Speziell, wenn man sich das Schicksal von Paderborn anschaut. Wir können uns freuen, dass wir dabei sind, eine Mannschaft zu entwickeln, die ein „Gesicht“ besitzt und im Kern gefestigt ist. Diese Mannschaft gilt es, nun punktuell zu verstärken.

?Neben den durchgereichten Paderbornern blieben auch andere Aufstiegsfavoriten deutlich hinter den Erwartungen zurück. Durch Ab- und Aufstieg sind künftig noch weitere klangvolle Namen in der 2. Liga vertreten. Wird es noch schwerer, oben reinzurutschen?

!90 Prozent der Leute im Stadion sind realistisch und freuen sich, dass wir sechs Jahre hintereinander im Profifußball vertreten sind. Das hat es seit dem Bundesligaabstieg 1985 nicht mehr gegeben. Wir sind ein Gesicht der 2. Liga geworden und haben uns fantastisch entwickelt.
Künftig braucht es wohl keine Superlative mehr, um die 2. Liga aufzuwerten, die klangvollen Namen sprechen für sich. Viele Vereine waren noch vor wenigen Jahren fester Bestandteil der 1. Liga, dementsprechend wissen wir, dass es in der kommenden Saison eine wahnsinnige Herausforderung wird, sich dort zu behaupten.
Die Liga wird ähnlich unberechenbar wie in der abgelaufenen Spielzeit, darum wird es auch künftig nicht einfacher, die Aufstiegsfavoriten vorauszusagen. Fakt ist jedoch, dass mit Stuttgart und Hannover zwei Klubs in die Liga kommen, die in wirtschaftlicher Hinsicht alles dafür tun werden, um sofort wieder aufzusteigen. Unser Anspruch ist es, jedes Jahr aufs Neue unter den Top 25 aller Profiteams zu landen.
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