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Wie ein Fähnchen im Wind

Richtig beherrscht sehen die Übungen an der Pole-Stange luftig-leicht aus.
 
Die Königsdisziplin: waagerecht in der Luft stehen. Dabei halten Arm- und Bauchmuskeln Tänzerin Tanja Beutler in Position. Fotos (3): T.A.

Neue inSport-Serie: nB-Mitarbeiter versuchen sich in ungewöhnlichen Sportarten – Heute: Fit durch Poledance.

Von Ann-Kathrin Ewald, 05.11.2016.

Braunschweig. „Pole-Dance kann jeder– auch du!“ Aufmunternde Worte, die Tanztrainerin Tanja Beutler in den Mund nimmt. Sie empfängt mich gut gelaunt und hochmotiviert zum Schnuppertraining, erzählt mir, was sie mir heute alles beibringen wird. Eines wird mir ganz schnell klar: Diese Herausforderung wird für mich keine leichte sein.

Fit durch Stangentanz

Aber erst einmal der Reihe nach. Trainerin Tanja meldete sich auf den Aufruf in der nB, uns zu ungewöhnlichen Sportarten herauszufordern. Sie besitzt das Tanzstudio „T-Tanzstück“ im Braunschweiger Norden, unterrichtet dort Poledance und Polefitness. Ursprünglich bekannt aus dem Rotlichtmilieu, findet der Stil in den letzten Jahren mehr und mehr Einzug in Tanz- und Fitnessstudios, wird als Leistungs- und Freizeitsport betrieben.

„Prinzipiell ist jeder geeignet, Pole zu tanzen“, sagt Tanja. In ihrem Studio trainieren sowohl blutige Anfänger als auch Profis in Gruppen miteinander. Kleine Erfolge könne man bereits nach dem ersten Training sehen, ist die ausgebildete Polefitness-Instructorin überzeugt und will das nun auch mir beweisen.
Zur Erklärung vorweg: Ich habe zwar in meiner Jugend- und Teenagerzeit Tanz- und Turnsport getrieben, bin aber seit Jahren eher Aktivposten im Couchsport. Konditions- und krafttechnisch muss Tanja bei mir also vom Schlimmsten ausgehen. Kurze Hose an und schon kann die Herausforderung Poledance beginnen.

Die ersten Bewegungen

Zunächst gibt Tanja mir eine theoretische Einweisung, das Pole-Ein-Mal-
Eins sozusagen. „Die Stange darf nie zu rutschig sein“, erklärt Tanja. Das natürliche Fett der menschlichen Haut sorgt dafür, dass die Stange glitschig werde, ihren „Grip“ verliere. Um das zu verhindern, schrubben wir die Pole mit einem Handtuch. Dann soll es in die Vollen gehen. Tanja hat ambitionierte Ziele mit mir, ich soll einen sogenannten „Spin“ erlernen – eine Drehung an der Stange ohne Bodenkontakt. Unabdingbar dafür: ein fester Griff mit den Händen und Körperspannung. Tanja macht den „Spin“ vor – man sieht den Profi. „Keine Sorge, ich zeige es dir Schritt für Schritt“, lacht sie gut gelaunt.

Nur: Das macht es nicht leichter. Was bei der erfahrenen Tänzerin wie eine natürliche Bewegung aussieht, ist harte Arbeit. Die Beine müssen konstant durchgestreckt werden, Arme und Bauchmuskeln tragen das Gewicht des Körpers. Ich habe ganz schön zu kämpfen – und das nicht nur, weil weder meine Arm- noch meine Bauchmuskeln den Anschein erwecken, mich halten zu können. Zudem bin ich nicht davon überzeugt, dass ich auch nur einen Millimeter vom Boden abheben kann.

Doch Tanja ist zuversichtlich, will mir Hilfestellung geben. Sicherheitshalber macht es die erfahrene Tänzerin noch einmal vor. Ich bin nervös. Um dies zu vertuschen, gehe ich lieber noch einmal mit dem Handtuch über die Stange. „Wegen des Grips“, sage ich scheinheilig. Doch Tanja erkennt meine Taktik, ermutigt mich, es zu versuchen.

Hände an die Stange und los geht’s: Gefühlt mache ich es genau so wie Tanja, dennoch ähneln meine Versuche wohl eher einer Robbe, die sich zum ersten Mal an Land bewegt. „Du schaffst das!“, motiviert mich die Tänzerin immer wieder, pusht mich weitezumachen.

Und dann passiert das Unerwartete: Ich fliege. Meine Füße verlassen den Boden, ich drehe mich um die Stange – zumindest für einen kurzen Moment. Tanja ist sichtlich stolz und ich bin es auch. Angetrieben vom ersten kleinen Erfolg werde ich leicht übermütig. „Jetzt zeig‘ mir doch etwas Schwieriges“, fordere ich sie heraus. Ein Fehler, wie sich später herausstellen wird.

Entspannung pur

Tanja beginnt die nächste Figur. Sie stützt sich ab und hängt plötzlich wie ein Fähnchen im Wind waagerecht an der Stange. Ich kann ihre Arm- und Bauchmuskeln durch ihre Haut arbeiten sehen. Eine der Königsdisziplinen, wie sie mir, wieder mit beiden Füßen auf den Boden, schmunzelnd erklärt. „Soll ich es Schritt für Schritt erklären?“
Resigniert winke ich ab, das wäre dann doch zu viel – für meine Muskeln und für Tanja, die mir gewiss mit einer Leiter Hilfestellung leisten müsste. Die Tanzlehrerin hat noch eine Idee: „Komm mal mit, ich zeige dir etwas, das wird dir Spaß machen.“ Ich bin skeptisch. Im Nebenraum stehen nicht nur Stangen, es hängen zudem lange Stoffbänder von der Decke.

Horrorbilder

Mir kommen Bilder von akrobatischen Turnern in den Sinn, die in luftiger Höhe in ein großes Tuch gehüllt, Pirouetten drehen. „Bitte keine Höchstleistungen mehr heute“, jammere ich. Doch Tanja hat andere Pläne: Sie benutzt diese Tücher für Aerial Yoga – eine Art des entspannenden Yogas. Und endlich habe auch ich meine Disziplin gefunden.

In der großen Stoffschlaufe kann ich mich hängen lassen und entspannen. „Auch hier kann man tolle Tricks machen“, beginnt Tanja schon wieder sportlich zu werden und schwingt sich sogleich in ihr eigenes Band. Doch ich bleibe relaxt liegen, gönne meinen Muskeln die Erholung und ziehe ein Fazit: Sich mit Pole-dance fit zu halten, sieht – wenn man es beherrscht – grazil aus und ist definitiv eine ungewöhnliche Art des Sports. Und auch wenn ich den morgigen Muskelkater schon fürchte, hatte ich jede Menge Spaß – sicherlich auch meiner netten und vor allem geduldigen Trainerin geschuldet.
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