Anzeige

„Werden aus der aktuellen Situation gestärkt herauskommen“

Eintracht-Präsident Sebastian Ebel. Foto: Susanne Hübner

Eintracht-Präsident Sebastian Ebel spricht im Interview mit der NB über die Zweitliga-Mannschaft, die Fans und positive Überraschungen.

Von Elmar von Cramon, 10.10.2017.

Braunschweig. Nach dem 9. Spieltag in der 2. Fußball-Bundesliga spricht Eintracht-Präsident Sebastian Ebel im NB-Interview über die aktuelle Situation, die Fanversammlung und die zunehmende Kommerzialisierung.

?Herr Ebel, der Saisonstart für Eintracht verlief durchwachsen, wie stellt sich die sportliche Situation aus Ihrer Sicht dar?

!Ich hatte schon befürchtet, dass wir nach dem sehr unglücklichen Verlauf der Aufstiegsrelegationsspiele und einer sehr kurzen Regenerationsphase Anlaufschwierigkeiten haben könnten. Insofern war ich trotz der vielen Unentschieden nicht ganz unzufrieden. Sehr bitter waren da natürlich die beiden letzten Niederlagen. Gerade wenn man sieht, wie herausragend wir über eine Stunde gegen St. Pauli gespielt haben, um dann noch zu verlieren, dann tut das sehr weh. Da hilft nur, dass wir alle noch enger zusammenrücken, um das Glück wieder zu erarbeiten beziehungsweise zu erzwingen.

?Die Niederlagen gegen Regensburg und St. Pauli ließen Eintracht ins Tabellenmittelfeld rutschen. Kann man Mannschaft und Trainer angesichts der unglücklichen Begleitumstände irgendeinen Vorwurf machen?

!Wir machen niemandem einen Vorwurf. Es trifft ja keiner mit Absicht nicht ins Tor. Solange wir uns genügend Torchancen erarbeiten, werden die Tore zwangsläufig wieder fallen. Ich bin davon fest überzeugt, dass wir eine sehr gute Mannschaft haben. Zusätzlich sind wir ja auch noch vom Verletzungspech gebeutelt.

?Die Diskussion um die Stimmung bei den Heimspielen war neben dem Platz das beherrschende Thema der vergangenen Wochen. Wie sehen Sie die Situation?

!Auf die herausragende Unterstützung aus Teilen des Blocks 9 verzichten zu müssen, hilft in der aktuellen Situation nicht. Die damit zum Ausdruck kommende Kritik trifft mit der Mannschaft die Falschen. Sie hat die totale Unterstützung verdient. Viele Spiele haben wir in der vergangenen Saison gerade in den letzten Minuten gewonnen. So hoffe ich sehr, dass wir bald wieder die komplette Unterstützung des Blocks 9 haben werden. Bedanken möchte ich mich bei denen, die in der Zwischenzeit versuchen, das Stimmungsvakuum zu füllen.

?Wie haben Sie die Fanversammlung erlebt und wie gehen Sie mit Vorwürfen wie zum Beispiel „mangelnder Fannähe“ um?

!Es gibt sicherlich Schöneres, als sich so einer vehementen Kritik stellen zu müssen. Es war gut, die Kritikpunkte persönlich aufnehmen zu können und ein Forum dafür zu bieten. Die Punkte, die wir lösen können, werden wir lösen. Bei einigen wird sicherlich ein Dissens bleiben. Wer mich kennt, weiß, dass ich immer die Nähe zu unseren Fans suche und keine Berührungsängste habe. Das gilt auch für unser gesamtes Team.
Gerade auch bei den unschönen Vorkommnissen um unsere Hannover-Spiele habe ich mich immer vor die breite Masse unserer Ultras gestellt, die unsere Mannschaft in der Vergangenheit bedingungslos und toll unterstützt hatten. Die unakzeptablen Verfehlungen einiger sind die Verfehlungen Einzelner. Allerdings haben wir auch alle eine Verantwortung die Verfehlungen Einzelner zu bekämpfen.

?Sind unter den von einem Teil der Fanszene geäußerten Vorwürfe Punkte, bei denen Sie vereinsseitig Versäumnisse oder Nachholbedarf sehen?

!Sicherlich hätten wir insbesondere nach dem Abstieg mit einigen Themen transparenter umgehen können und das Gespräch mit den Fanvertretern früher suchen können. Dazu gibt es einige Punkte, die für mich neu waren, nämlich der angesprochene Verlust eines identitätsstiftenden Platzes, an dem Nähe zu uns als Verantwortlichen und auch zu den Spielern möglich ist. Da werden wir schauen, was möglich ist. Allerdings gab es auch Vorwürfe, die jeder Substanz entbehrten, nämlich dass wir als Ehrenamtliche finanzielle Zahlungen bekämen oder, dass wir als Eintracht nach dem Platzsturm beim Relegationsrückspiel Anzeigen gestellt hätten. In erster Linie machen wir unsere Arbeit gerne als Fans und erst in zweiter Linie als Funktionäre. Allerdings darf es auch nicht sein, dass wir, wie in den letzten Jahren geschehen, fast 300 000 Euro an Strafgeldern bezahlen müssen.

?Bereiten die aktuelle Tabellensituation und die überall in der Kritik stehende Überkommerzialisierung des Profifußballs latent vorhandener Negativstimmung einen zusätzlichen Nährboden?

!Der aktuelle Trend der Kommerzialisierung ist erschreckend. Wenn die breite Masse der Fans sich nicht mehr mit dem Fußball identifizieren kann, wird er dauerhaft verlieren. Vielleicht stehen wir schon aktuell vor so einer Krise.
Wir haben ja bei der Eintracht immer schon einen eigenen Weg gesucht, in dem wir uns für die Beibehaltung der 50+1-Regel ausgesprochen haben, das alte Wappen zurück geholt haben und für den Namen Eintracht-Stadion gekämpft haben. Um wirtschaftlich zu überleben und langfristig auch sportlich erfolgreich zu sein, stecken wir viel Geld in unsere Nachwuchsarbeit in unserem Nachwuchsleistungszentrum.
Wir müssen natürlich auch eine feste wirtschaftliche Basis sicherstellen, aber wir müssen nicht jeden Unsinn mitmachen. Aber gerade deshalb ist uns eine enge Bindung zu unseren Fans sehr wichtig.

?Gibt es trotz allem Dinge, die Sie in dieser Spielzeit positiv überrascht haben?

!Die Entwicklung einzelner Spieler. Ich bin mir sicher, dass wir noch ganz viel Freude an unseren Neuverpflichtungen und insbesondere an unseren jungen Spielern haben werden. Und ich spüre, dass durch den Außendruck wir alle dicht zusammenrücken.
So werden wir aus der aktuellen Situation gestärkt herauskommen.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.