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Vuvuzelas übertönen Fliegerstaffel

Fußball-WM: Erste Eindrücke aus Afrika – Europäische Probleme und einheimische Freude.

Von Robin Koppelmann, 13.06.2010.

Pretoria. Die südafrikanische Lebensfreude springt uns regelrecht entgegen, zigtausend Fans der südafrikanischen „Bafana Bafana“ in knallgelben Trikots jubeln, als ihr beliebter Präsident Jacob Zuma die 19. Fußballweltmeisterschaft im Johannesburger Soccer City-Stadion eröffnet. Und unsere Eindrücke vor Ort bestätigen, was viele Einheimische schon lange sagen: Afrika ist reif für ein Turnier dieser Größenordnung.

Wir Deutsche konnten unter den 84 490 Zuschauern in dem gewaltigen Rund nur staunen und uns von dem Trubel mitreißen lassen.
Dabei war auch unser Weg zum Ziel alles andere als einfach: Untergebracht im offiziellen „Fan-Village” des Deutschen Fußball Bundes wurden wir vor Ort zwar Zeuge einer Pressekonferenz mit Oliver Bierhoff, doch auch der konnte an der teilweise eklatanten Planlosigkeit der DFB-Mitarbeiter auf afrikanischem Boden wenig ändern. Ein Taxi zu bestellen ist für die Fankoordinatoren vor Ort ein größeres Hindernis als gedacht, und so wurden wir halt selbst aktiv und bekamen über einheimische Mitarbeiter Kontakt mit Eric. Der 48-jährige Familienvater mit Zulu-Abstammung ist seit Ankunft unser Ansprechpartner Nummer eins, denn nicht nur der DFB zeigte Organisationsprobleme, auch die FIFA ist in Südafrika bei weitem nicht fehlerfrei.
Sämtliche Matchtickets müssen in Einkaufsläden abgeholt werden, doch da die Automaten seit Tagen das „Out of order”-Schild tragen, mussten für die Ticketabholung sage und schreibe drei Stunden eingeplant werden.
Auch der Erwerb von Fanartikeln am Stadion scheiterte fast an den defekten Kartenlesegeräten – ein schlechter Umstand, wenn die FIFA doch damit wirbt, dass ausschließlich Kredit- oder Prepaidkarten eines Sponsors als Zahlungsmittel dienen könnten.
Die Schuld an diesen kleinen und großen Problemen ist aber in keinem Fall bei der einheimischen Bevölkerung zu suchen: Wir wurden überall ausgesprochen herzlich aufgenommen, die Hilfsbereitschaft der Menschen ist sensationell. Wie weggeblasen die warnenden Geschichten im Vorfeld über Kriminalität – wir fühlen uns sicher und gut aufgehoben, sind aber auch vorsichtig.
Wir werden auf den Straßen freundlich begrüßt und beantworten viele ganz banale Fragen, zum Beispiel nach der deutschen Esskultur.
Im Gegenzug bekommen wir einen Einblick in die bewegte Geschichte des Landes am Kap der Guten Hoffnung. Und insbesondere die schwarze Bevölkerung steckt uns an mit großer Feierlaune und ihrer ganz eigenen Lebensart: Trikots und Fahnen gehören zur Alltagskleidung, wir in unserem „zivilen“ Outfit kamen uns im Stadion direkt wie Fremdkörper vor. Das könnte wohl auch an den uns fehlenden Vuvuzelas gelegen haben, denn, wie angenommen, steht und fällt der heimische Fansupport mit der Benutzung dieser Tröten. Das ging sogar soweit, dass die südafrikanische Fliegerstaffel bei der Eröffnungszeremonie zwar gesehen, nicht aber gehört wurde.
Beinahe hätte es sogar für einen Sieg zum Auftakt gereicht, doch auch nach dem 1:1 gegen Mexiko überwiegt der Stolz im Land.
Heute ist die deutsche Mannschaft erstmals gefordert und für uns geht es im Bus in die Urlaubsstadt Durban. Und vielleicht ist sogar ein Bad im Indischen Ozean möglich – als Feier nach dem hoffentlich positiven Turnierstart.
Mehr von mir aus Südafrika in der nB am Mittwoch.
Ihr Robin (zur Zeit in Pretoria).
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