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Von der „Bahnschranke“ zum Meisterkeeper

Horst Wolter bei der Löwenrunde im BZV Medienhaus im April. Foto: Susanne Hübner

Erst Libero dann Stammtorwart – Horst „Luffe“ Wolter holte 1967 den Titel mit den Löwen.

Von Jonas Dräger, 02.06.2017.

Braunschweig. 13 Länderspiele für die deutsche Nationalmannschaft. Auf so viele Begegnungen kommt kein anderer Kicker der Braunschweiger Eintracht. Horst „Luffe“ Wolter verdrängte in der Meistersaison Johannes „Hennes“ Jäcker aus dem Tor.

Dabei war die Karriere zwischen den Pfosten nicht vorgezeichnet. „Meine Mutter bemängelte damals, dass ich durch den Fußball und die Arbeit in der Bäckerei immer dünner wurde. Damals spielte ich noch linker Verteidiger und sie riet mir, eine Position zu wählen, wo man weniger laufen muss“, erläuterte Horst Wolter seinen Werdegang vom Libero zum Torhüter. Der Spitzname „Luffe“ – so nannten die Braunschweiger früher ihre Brötchen – entstand durch die Bäckerlehre, die der gebürtige Berliner damals absolvierte.
Mit 1,82 Meter war Wolter beim SC Charlottenburg keine Option für den Kasten. Als Verteidiger wurde er eingesetzt. Auch als er 1959 zur Eintracht wechselte, war die Defensive sein Areal. Erst in der Folgesaison wurde er in der A-Jugend der Löwen erstmals im Tor eingesetzt. Die Reaktionsfähigkeit einer „Bahnschranke“ attestierte ihm Löwen-Keeper „Hennes“ Jäcker damals.
Doch Wolter lernte schnell, verbesserte sich durch Jäcker stetig und avancierte pünktlich zur Meistersaison zum ersten Torhüter im Team. 32 Spiele bestritt er in der Saison, musste lediglich 23 Mal hinter sich greifen. Vier weitere Gegentore kassierte Hennes Jäcker – ausgerechnet im Derby gegen Hannover 96. Die 27 Gegentore in einer Saison blieben ein schier unschlagbarer Ligarekord. Bis 1988 Werder Bremen mit 22 Treffern einen weiteren Fabelrekord aufstellte.
Mit Sepp Maier verhinderte ein Münchner eine größere Karriere des Braunschweigers im Nationalteam. Immerhin stand er 1970 bei der WM im Spiel um Platz 3 gegen Uruguay im Tor und hielt den Kasten sauber. Die Deutschen siegten mit 1:0. Es war zugleich sein letztes Länderspiel. Einen Groll auf Maier hatte Wolter nie, akzeptierte ihn als „etwas besseren Torhüter“.
Bis heute bleibt „Luffe“ bei vielen aber aufgrund der Weltmeisterschaft 1974 in Erinnerung. Zwar war er da bereits nicht mehr im Nationalteam, doch die Post brachte eine 30-Pfennig-Sondermarke heraus, die ihn bei einer Parade zeigte. Eine Besonderheit: Denn in Deutschland zieren nach einem ungeschriebenen Gesetz lebende Persönlichkeiten mit Ausnahme der Staatsoberhäupter nie Briefmarken. 1972 beendete der damals 30-Jährige seine Karriere bei der Eintracht und ging zurück in die Heimat zu Hertha BSC. Dort blieb er bis 1977 und hängte die Fußballschuhe nach einer weiteren Saison beim VfL Seesen an den Nagel.
50 Jahre nach dem Titelgewinn ist Wolter wieder in aller Munde. Am 34. Spieltag nach der Partie zwischen Eintracht und dem KSC traf Horst „Luffe“ Wolter auf NB-Mediaberater Frank „Luffe“ Wolter. Verwandt sind die beiden nicht, zu erzählen hatten sie trotzdem eine Menge.
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