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„Talente für Eintracht begeistern“

Fußball: Interview mit Eintracht-Trainer Torsten Lieberknecht zum Thema Nachwuchsarbeit.

Braunschweig. 29.05.2011

Über das Thema Fußball-Nachwuchs sprach nB-Mitarbeiter Elmar von Cramon mit Eintracht-Trainer Torsten Lieberknecht.

?Wie war es um den Eintracht-Nachwuchs bestellt, als Sie 2007 als A-Jugendcoach und Jugendkoordinator angefangen haben?

!Jede Jugendmannschaft hat für sich gearbeitet, sodass die größte Herausforderung war, ein „Miteinander“ zu schaffen. Außerdem war eine große Skepsis bei anderen Vereinen in der Region oder auch beim NFV deutlich spürbar. In diese Richtung mussten und müssen wir eine Menge Überzeugungsarbeit leisten.

?Woraus resultierten diese Vorbehalte und Probleme?

!Es bringt nichts, in Jugendteams jedes Jahr zahlreiche Spieler auszuwechseln, um eine E-Jugendkreismeisterschaft zu gewinnen. Das ist Möchtegern-Profitum auf extremsten Amateurniveau. Wir wollen eine „Eintracht-Familie“ sein und das im Jugendbereich umsetzen. Wichtig ist es, klar zu definieren, ab wann der Leistungsgedanke maßgeblich ist. Meines Erachtens reicht es, wenn dies ab der D- oder erst der C-Jugend der Fall ist. Dringend notwendig ist zudem eine enge Zusammenarbeit zwischen allen Eintracht-Jugendtrainern.

?Mit Robin Knoche oder Daniel Reiche haben sich in der Vergangenheit zwei gebürtige Braunschweiger frühzeitig für den VfL Wolfsburg entschieden. Wie kann man ähnlich talentierte Spieler für blau-gelb begeistern?

!Ich würde mir wünschen, dass man talentierten Spielern in den hiesigen NFV-Stützpunkten auch rät, zu Eintracht zu wechseln, auch wenn wir kein Budget wie ein Bundesligist haben. Ich selber bin mit meinen Trainerkollegen auf den Sportplätzen der Region unterwegs und halte nach Talenten Ausschau. Der Sprung zum Profi ist bei Eintracht eher möglich als anderswo, davon würde ich in Zukunft gerne möglichst viele talentierte Kicker überzeugen. Unser Ziel ist es, Spieler aus der eigenen Jugend bis zur ersten Mannschaft „durchzubringen“. Manchmal entwickeln sich Dinge aber relativ spät: Karim Bellarabi haben wir erst in der A-Jugend in Oberneuland entdeckt; Kingsley Onuegbu hat nie im organisierten Jugendfußball gespielt.

?Das Nachwuchsleistungszentrum soll realisiert werden, was geht damit einher?

!Ein Nachwuchsleistungszentrum bedeutet, dass man eine gute Infrastruktur hat. Am wichtigsten ist aber, nicht nur ein Gebäude zu haben sondern talentierte Trainer, möglichst mit B-Lizenz. Mit Sven Gartung, den Duda-Zwillingen und Goran Barjaktarevic haben wir Topleute gefunden und wollen Jugendliche so für blau-gelb begeistern. Unser Vizepräsident Fußball, Andreas Becker, hat sich zuletzt enorm aufgeschlossen gezeigt, den eingeschlagenen Weg mitzugehen. Es soll zudem eine gute Balance zwischen ehrenamtlicher Tätigkeit und durchlässigen, professionellen Strukturen geben.

?Worauf sollten ambitionierte Jugendkicker achten, welche Tipps können Sie Eltern geben, um ihre Kinder für Fußball zu begeistern?

!Für Spieler ist es wichtig, im Leben eine klare Struktur zu haben. Dazu gehört, Schule oder Ausbildung mit dem fußballerischen Fortkommen in Einklang zu bringen. Eltern sollten dem Trainer Vertrauen schenken, und nicht durch „kluge“ Ratschläge den Druck erhöhen. Mein Sohn Finn hat gerade mit Fußball im Verein begonnen. Ich würde mir jedoch nie anmaßen, seinen Trainer zu kritisieren. Mein Respekt, wie er mit einer „Meute“ Sechsjähriger umgeht, ist viel zu groß. Enorm wichtig ist, Kindern die Faszination Fußball näherzubringen und sie diese dann selbst entdecken zu lassen. Die wollen einfach nur kicken und freuen sich, wenn sie nach dem Spiel eine bunte Tüte bekommen (lacht).
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