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Spieler meiden gewaltbereite Fans

Dietmar Schilff. Foto: T.A.

Kontakt der Polizeigewerkschaft mit den Vereinen, um Gewalt zu verhindern.

Von Ingeborg Obi-Preuß, 06.04.2014.

Braunschweig. Dietmar Schilff hat bei dem Einsatz heute rund um das Fußball-Derby naturgemäß besonders das Wohl seiner Kollegen im Blick. Der Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP) ist bekennender Eintracht-Fan und liebt auch die Fankultur: „Singen, tanzen, brüllen – das gehört dazu“, sagt er, „aber Gewalt dürfen wir in keiner Form tolerieren.“

„Auspfeifen“, rät er den Zuschauern als Reaktion auf mögliche Ausschreitungen oder das Abbrennen der sogenannten Bengalos. „Das funktioniert schon ziemlich gut“, weiß er aus Erfahrung, „die meisten der Fans wollen ja einfach nur ein spannendes Spiel und ein schönes Fest erleben.“

Aber für heute rechnet Schilff mit rund 2000 gewaltbereiten Fans beider Seiten, „eine schwierige Situation“, sagt er. Nach dem Hinspiel in Hannover hatte die Polizeigewerkschaft an die Klubpräsidenten geschrieben und gebeten, sich zukünftig eindeutig von gewaltbereiten Fans zu distanzieren. „Es kann doch nicht sein, dass Pyrotechnik in der Fankurve abgebrannt wird, und nach Spielabpfiff gehen die Spieler in die Kurve und feiern genau mit diesen Leuten“, sagt Schilff. „Hannover-96-Präsident Martin Kind hat inzwischen schriftlich zugesagt, dass seine Spieler nicht mehr in ihre Fankurve gehen, wenn von dort Gewalt ausging oder eben Feuerwerkskörper abgebrannt wurden“, erzählt Schilff. Braunschweig und Wolfsburg wollen in die gleiche Richtung gehen, „aber sie setzen dabei auf Appelle, nicht auf Verbote“, sagt Schilff.

Das Abbrennen von Feuerwerkskörpern werde häufig verharmlost, bemängelt er, „aber ein Kollege in Osnabrück hat sein Gehör verloren, als so ein Geschoss neben ihm explodierte, und ein Polizist in Wolfsburg wurde dadurch schwer verletzt“, sagt der Gewerkschaftsmann.

Insgesamt sei die Lage für die Polizei bei Fußballspielen schwieriger geworden. „Fanforscher haben festgestellt, dass die Polizeibeamten immer stärker zur Zielscheibe werden“, erzählt Schilff, „mit ihrer Wut auf was auch immer greifen diese Chaoten die Beamten an.“

Gerade habe eine neue Studie zur Gewalt gegen Polizisten gezeigt, dass die Hemmschwelle immer weiter sinke. Dazu zähle auch die verbale Gewalt. „Besonders unsere Kolleginnen müssen sich mitunter Schimpfworte anhören, die kann ich gar nicht wiederholen“, berichtet Schilff. Häufig würden die Kolleginnen und Kollegen gar keine Anzeige mehr schreiben, weil es kaum Konsequenzen gäbe. „Entweder wird die Anzeige erst gar nicht an die Justiz weitergegeben, und wenn ja, dann wird in den meisten Fällen eingestellt“, beklagt Schilff. Seit Jahren würde die Gewerkschaft einen eigenen Straftatbestand fordern: „Angriff auf Vollstreckungsbeamte.“ Bisher gebe es nur „Widerstand gegen die Staatsgewalt“. „Ein Angriff geschieht erst mal im rechtsfreien Raum“, beklagt Schilff.

Und diese Angriffe seien im vergangenen Jahr landesweit von 874 auf über 900 Fälle angestiegen. „Wir fordern ein Machtwort der Justiz, hier muss etwas passieren“, sagt der Gewerkschafter.
Denn die Entgleisungen seien nicht nur ein Thema rund um Fußball, sondern ein Problem der gesamten Gesellschaft. Deshalb hält die Polizeigewerkschaft auch nichts davon, dass die Vereine nach Krawallen zur Verantwortung gezogen werden. „Das müssten wir ja dann bei allen anderen Großevents auch machen“, merkt er an.

Nein, die Sicherung solcher Großereignisse sei nun mal die ureigenste Aufgabe der Polizei, Dietmar Schilff setzt auf die Vernunft der überwiegenden Zahl der Besucher und appelliert an Respekt, Wertschätzung und Umgangsformen. Und er wünscht sich wieder ein stärkeres Miteinander zwischen Fußballfans und Polizei. „Früher standen hinter jedem Tor ein paar Reihen Bänke, da haben wir gesessen“, blickt er auf seine aktive Polizeilaufbahn zurück. Auch wenn dieses „Mittendrin“ vermutlich nicht mehr geht, ein Miteinander sollte möglich sein, wünscht sich Dietmar Schilff. Und für heute einen Sieg „seiner Eintracht.“
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