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Spazieren statt Playstation – Radfahren statt Computer

Michael Ullrich über Reizüberflutung und falsche Prioritäten im leistungsorientierten Sport.

Von Jonas Smidt
und Daniel Beutler, 19.06.2011

Braunschweig. In einer Serie stellte die nB Jugendtrainer aus verschiedenen Sportarten vor. Sie erzählen, was sie an dem Job, den viele nicht begehrenswert finden, schätzen. Heute Michael Ullrich, Fußball-Trainer der B-Junioren des BSC Acosta.

? Wie lange Sie jetzt schon Trainer und was gibt Ihnen die Motivation dazu?

! Ich trainiere seit circa fünf Jahren und bin seit zwei Jahren beim BSC Acosta. Die Arbeit als Übungsleiter ist ein absoluter Traumjob für mich. Am meisten motiviert mich, zu sehen, wie sich einzelne Spieler und auch das Team weiterentwickeln. Aber nicht nur die Spieler sondern auch ich entwickele mich Saison für Saison weiter.

? Warum haben Sie sich für Jugendmannschaften entschieden und was für Probleme hängen damit zusammen?

! Ein mal aus dem zuvor genannten Grund der sportlichen Entwicklung. Aber nicht nur auf diese sportliche Entwicklung kommt es mir an. Die Jugendlichen sollen an Persönlichkeit gewinnen und Dinge wie Pünktlichkeit, Disziplin und Fleiß lernen. Zu den Jungs sage ich immer: „Das was ihr lernt, auch wenn es nicht unbedingt mit Sport zu tun hat, ist nicht nur für euer nächstes Spiel sondern für euer Leben wichtig“. Probleme gibt es hauptsächlich bei der Einstellung. Wenn man leistungsorientiert spielt, wie wir das tun, muss man als Spieler Prioritäten setzen. Schule geht klar vor, direkt danach sollte aber Fußball stehen. So ist es bei vielen leider nicht, es gibt immer Sachen, die wichtiger sind. Außerdem müssen die Eltern mehr mit den Übungsleitern zusammen arbeiten und sich dessen bewusst sein was es bedeutet, wenn ihr Kind leistungsorientierten Sport betreibt.
? War die Einsatzbereitschaft vor zehn Jahren höher als jetzt?

! Ja, die Jugendlichen sind heutzutage zu vielen Reizen, wie Iphone, Playstation und Computern ausgesetzt. Eine echte Reizüberflutung. Ich finde es enorm wichtig, dass wir Trainer auch mit den Jungs spazieren gehen oder eine Fahrradtour machen.

? BSC Acosta ist oft nur zweite Wahl bei Spielern, die leistungsorientierten Fußball spielen wollen. Warum ist das Ihrer Meinung nach so?
! Der BSC Acosta wird oft als zweitrangig abgestempelt, weil der große Name fehlt. Zu unrecht. Und selbst wenn wir nur als Sprungbrett zu größeren Vereinen dienen, muss jeder sein bestes geben. Nur will das nicht jeder.

? Was bewegt sie dazu, ihr Amt als Trainer jetzt niederzulegen?

! Es war eine schöne, aber extreme Saison mit Höhen und Tiefen und es ist jetzt Zeit, erst mal eine Pause einzulegen. Danach mache ich aber weiter!
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