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Sensation in München: Löwen bezwingen die Bayern

Auch gegen die Bayern bester Löwe: Tim Abromaitis. Foto (Archiv): T.A.

Basketball-Bundesliga: Braunschweig bleibt nach 80:76-Sieg erster Playoff-Verfolger.

Von Christoph Matthies, 14.03.2015.

Braunschweig. Damit haben wohl nicht einmal die allergrößten Optimisten unter den Löwenfans gerechnet. Mit einem 80:76 (35:40)-Erfolg in München konnte das Team von Trainer Raoul Korner ganz wichtige im Kampf um die Playoff-Teilnahme entführen – und brachte dem amtierenden Deutschen Meister die erste Niederlage nach acht BBL-Siegen in Folge bei.

Eines ist im Basketball kaum anders als im Fußball: Am Ende einer Partie setzt sich meist die höhere individuelle Klasse des FC Bayern München durch. Eine Ausnahme von dieser Regel gelang am Samstagabend den Löwen-Basketballern, die, wie jeder Gegner, der nicht Berlin oder Bamberg heißt, als krasser Außenseiter an die Isar reiste. Erst eine BBL-Begegnung hatten die Bayern bis dahin in dieser Saison im heimischen Audi-Dome verloren.

Die Löwen wirkten von Anfang an gewillt, es den Göttingern gleichzutun, die den Bayern im Oktober sensationell eine Heimniederlage beigebracht hatten. Die ersten Minuten gehörten den Gästen, bei denen Tim Abromaitis schon nach eineinhalb Minuten zeigte, was eine „Stretch Four“ auszeichnet: Der Power Forward mit dem guten Distanzwurf schenkte den Bayern zum ersten Mal von außen ein (2:5). Mitte des Viertels stand es ausgeglichen 9:9, die Braunschweiger spielten ordentlich mit. Und schalteten, gerade auch in der Defensive, noch einen Gang höher. Auch weil sie den Deutschen Meister zu zahlreichen Ballverlusten zwangen, führten sie nach den ersten zehn Minuten mit 24:14. Und allmählich durfte die Frage gestellt werden, ob an diesem Abend vielleicht sogar etwas ginge in München.

Doch es war klar, dass die Bayern im zweiten Viertel zurückschlagen würden. Zwei Körbe von Doppellizenzspieler Maurice Pluskota und ein Alley-Oop-Dunking von Trent Lockett nach tollem Anspiel von Dru Joyce schraubten die Führung zunächst aber auf 14 Punkte (30:16). Das schien besonders Münchens Jan Jagla zu stinken, der jetzt heiß lief und sein Team mit drei Dreiern in Folge und einem Korb nach Offensivrebound zurück ins Spiel brachte (30:30). Erst ein Korbleger des an beiden Enden des Spielfeldes wieder einmal exzellent aufgelegten Tim Abromaitis stoppte den 14:0-Lauf der Gastgeber. In die Pause gingen die Münchener dann aber trotzdem mit einer 40:35-Führung.

Würden die Bayern nach einer unmissverständlichen Pausenansprache ihrer Trainer-Legende Svetislav Pesic aus der Kabine kommen und mit ihrem Gegner kurzen Prozess machen, wie in so vielen Spielen zuvor? Nicht an diesem Abend, denn die Löwen hatten sich festgebissen und ließen einfach nicht locker. In einem Spiel, dass in dieser Phase von vielen Fouls und Fehlwürfen geprägt war, suchte das Korner-Team die einfachen Punkte im Schnellangriff. Ausgerechnet die „Senioren“ im Braunschweiger Team, Derrick Allen und Immanuel McElroy, hielten die Gäste mit Fastbreak-Korblegern in Schlagdistanz. Vor dem Schlussviertel führten die Bayern nur knapp mit 56:54.

Das größte Problem der Braunschweiger am Samstagabend lag am defensiven Brett. „Dass wir mit den Bayern im Rebound nicht mithalten können, ist offensichtlich“, sagte Löwen-Coach Raoul Korner nach der Partie, „man muss sich nur die Mannschaftsfotos anschauen.“ Tatsächlich hatten es die Münchener vor allem ihren 20 Offensivrebounds und den daraus resultierenden zweiten Chancen zu verdanken, dass sie 94 Sekunden vor Spielende mit 76:72 in Führung lagen. Doch nun präsentierten sich die Löwen cool wie ein Champion. Zwei aufeinanderfolgende, abgezockte Dreier von Tim Abromaitis und Trent Lockett bedeuteten die 78:76-Gästeführung, während Ex-Braunschweiger Heiko Schaffartzik auf der Gegenseite etwas überhastet von außen vergab. 25 Sekunden vor Schluss mussten die Bayern foulen, und Dru Joyce stellte an der Freiwurflinie den Endstand her. Dem Pesic-Team gelang nichts zählbares mehr, und einmal mehr war die Ausnahme von der Regel gelungen: Die Bayern hatten gegen ein gut aufgelegtes und mental erstklassig eingestelltes Braunschweiger Team am Ende das Nachsehen.
Die Löwen sind als Neunter der BBL-Tabelle punktgleich mit Playoff-Rang acht, den momentan die Skyliners Frankfurt belegen.

Für die Löwen punkteten: Abromaitis 24 (7 Steals, 2 Blocks), Lockett 13 (10 Rebounds), Simon 10, McElroy 9 (6 Assists), Joyce 7 (7 Assists), Allen 7, Pluskota 6, Visser 4.
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