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Segeln ist keine Dampferfahrt

Die nB war beim Frauensporttag dabei: eine Reportage – Zukunft der Veranstaltung ungewiss.

Von Martina Jurk, 16.09.2009.

Braunschweig. An Segeln und Hawaiianischen Tanz hätte ich mich nie herangewagt. Zwei „exotische“ Workshops, die bei der dritten Auflage des Frauensporttags angeboten wurden, unterzog ich der sportlichen Alltagstauglichkeit.

Mit 349 Gleichgesinnten, die sich auf 24 Kurse und 17 Orte verteilten, ließ ich mich abermals auf das Experiment, neue Sportarten auszuprobieren, ein. Am Südsee war alles klar zur Wende. Drei Boote lagen am Steg des Segler-Vereins Braunschweig für uns bereit, das Wasser glitzerte in der Sonne, leichte Brise. „Ideales Wetter für Anfänger“, meinte Kursleiterin Kerstin Blankenburg. „Je zwei Frauen in ein Boot“, lautete das Kommando.
Nach dem Anlegen der Schwimmwesten ging es los. Eine als Vorschoter, die andere als Steuerfrau. Begriffe wie Bug, Heck, Tackelage flogen uns um die Ohren. Leine ziehen, Kopf einziehen, das Segel blähte zur anderen Seite. Jetzt war ich dran mit Steuern. Du meine Güte, mir war ganz mulmig, als ich merkte, wie schnell „Dagobert“ reagierte. Wie würde das bei einer steifen Brise aussehen, fragte ich mich. „Segeln ist keine Dampferfahrt“, meinte Kerstin. Wende, auf einen Punkt zusteuern – mehr war in einer halben Stunde nicht möglich. Die Bootsbesatzungen wechselten. Der Schritt vom Steg ins Boot konnte schwerer sein als gedacht. Wo festhalten? Am Mast, an einem Seil? Plötzlich ein Platschen – es war passiert. Eine Teilnehmerin fiel ins Wasser.
Im zweiten Teil des Kurses ging es um Theorie. „Für einen Segelschein muss man eine Menge büffeln“, sagte Kerstin. Sie wollte im vergangenen Jahr beim Frauensporttag den Segelworkshop mitmachen. „Der war ganz schnell ausgebucht, und da habe ich mich einfach beim Verein angemeldet und den Schein gemacht.“ Spätestens bei der Erklärung, dass auch das Kentern und Wiederaufrichten des Bootes erlernt und geübt werden muss, kamen nicht nur mir Zweifel, ob das wirklich die richtige Sportart ist. Seemannsknoten – eine weitere Herausforderung an diesem Morgen. Aber mit etwas mehr Übung würde ich zumindest das hinbekommen. Was bleibt? Es hat Spaß gemacht, ist aber für mich keine Alternative zu Aerobic und Bauch-Peine-Po.
Hawaiianischer Tanz vielleicht schon eher. Vorstellung und Praxis gingen allerdings auch bei diesem Workshop weit auseinander. Einfach nur mit den Hüften schwingen, ist nicht. Wir erfuhren von Tina Schwarzfeld, die die Tanzgruppe Kea la Hula in Lengede leitet, dass Hula (Tanz des Lebens) zu einer Zeit entstand, als es noch keine Schrift auf Hawaii gab. „Jede Bewegung, jede Geste hat eine Bedeutung, die auch heute noch verstanden wird“, erklärte Tina. Eine Art Gebärdensprache also. Eine Choreographie erzählt eine Geschichte.
Eine Stunde Zeit, eine solche zu erlernen. Ungewohnte Bewegungen, unbekannte Musik, noch unbekannter die Geschichte der Insel und ihrer Bewohner. Tina hatte den Workshop liebevoll vorbereitet, Fotos, Bücher und traditionelle Instrumente mitgebracht. Ich spürte Muskeln, von denen ich nicht wusste, dass ich sie habe. Respekt den Frauen der Kea-la-Hula-Tanzgruppe, die uns etwas vorführten. Am Ende das Resümee: Einige der Teilnehmerinnen können sich vorstellen, weiterzumachen.
Das trifft auch auf die Zukunft des Frauensporttags zu. Ob es die letzte Veranstaltung war oder ob es irgendwann eine Fortsetzung gibt, ist unklar. Sie war von Anfang an auf drei Jahre begrenzt – zwei Jahre lang vom Landessportbund gefördert, in diesem Jahr von den Veranstaltern (Gleichstellungsbeauftragte der Stadt und Stadtsportbund) mit Hilfe von Sponsoren selbst getragen. Das Projekt war vor allem dank des ehrenamtlichen Engagements vieler Helfer erfolgreich.
„Die Nachfrage nach einer Fortsetzung ist groß. Wir haben viele positive Rückmeldungen erhalten. Wenn es weitergehen soll, müsste die Initiative von den Vereinen ausgehen“, meint Ulrike Adam vom Organisationsteam. Die Idee des Frauensporttags bliebe bestehen, aber ob und in welcher Form sie realisiert werde, sei ungewiss.
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