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Schiedsrichter schockt Eintracht

Regte sich über den Elfmeterpfiff mächtig auf: Eintracht-Trainer Torsten Lieberknecht. Foto: SH

Fußball: Löwen verlieren erste Relegationspartie beim VfL – Montag Rückspiel im Stadion.

Von Elmar von Cramon, 26.05.2017.

Braunschweig. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge verließen Eintrachts Zweitliga-Fußballer am Donnerstagabend die Volkswagen Arena. Einen falschen Elfmeterpfiff von Schiedsrichter Sascha Stegemann nutze Ex-Nationalspieler Mario Gomez zum Tor des Tages (35.) und sicherte den Wölfen vor dem Rückspiel im restlos ausverkauften Eintracht-Stadion am Montagabend (Anstoß 20.30 Uhr) eine gute Ausgangsposition.

Ken Reichel & Co. konnten stolz auf ihr Auftreten sein. Mit gut organisierter Defensivleistung hatten sie dem Starensemble der Grün-Weißen das Leben schwergemacht. „Wir haben alles abgerufen, was wir die ganze Saison schon gut gemacht haben. Wir stehen stabil und die Abstände passen, so dass es dem Gegner schwerfällt, in seinen Rhythmus zu kommen. Das Umschaltspiel hätte noch etwas besser klappen können, trotzdem war es eine Topleistung“, war Marc Arnold sehr zufrieden.
Marc Arnold freut sich schon auf das Rückspiel: „Die Europapokal-Arythmetik ist allen bekannt. Wir müssen mit zwei Toren Unterschied gewinnen, das werden wir versuchen umzusetzen.“
Ein Auswärtstor hätte den Löwen deshalb gut zu Gesicht gestanden, doch Mirko Boland ließ die Gelegenheit, seine Mannschaft in Führung zu köpfen, nach 22 Minuten ungenutzt: „Ein Tor für uns wäre möglich gewesen, das 0:1 ist sicherlich nicht unser Wunschergebnis gewesen, letztlich aber noch OK.“
Die spielbestimmende Fehlentscheidung tat den Löwen dann richtig weh: Gomez legte den Ball im Luftduell mit Saulo Decarli per Hand an die Strafraumgrenze ab, wo Yunus Malli Gustav Valsvik die Kugel aus kurzer Distanz an die Hand schoss. Stegemann bewertete jedoch nur das für den Norweger kaum zu verhindernde Handspiel, das Gomez letztlich zur Führung nutze (35.).
„Vorher hätte man Freistoß für uns pfeifen müssen, weil Gomez den Ball klar mit der Hand spielt“, kritisiert der sportliche Leiter der Blau-Gelben und setzt große Stücke auf den Videobeweis: „Wir können es nicht ändern und müssen es sportlich nehmen, bis eines Tages der Fernsehbeweis kommt, wo diese Szene sicherlich in ihrer Gesamtheit bewertet worden wäre.“
Anschließend hätte es auch für die Wolfsburger einen Strafstoß geben können, als Jan Hochscheidt Daniel Didavi im Strafraum umrannte (41.), doch auch hier blieb Stegemanns Pfeife stumm.
Keeper Jasmin Fejzic hielt die Löwen zu Beginn der zweiten Hälfte mehrfach im Spiel, während die Löwen kaum zu Torchancen kamen. Zudem hatte Eintracht Pech, dass der eingewechselte Domi Kumbela schon nach zwölf Minuten mit muskulären Problemen wieder vom Feld musste. „Domis Oberschenkel ist zugegangen, deshalb wollten wir mit Blick auf das Rückspiel am Montag nichts riskieren. Julius Biada war vor der Partie ja ebenfalls schon mit muskulären Beschwerden ausgefallen“, erklärt der 46-Jährige, der anschließend mit ansehen musste, wie Schiedsrichter Stegemann Eintracht in der Nachspielzeit einen Elfmeter versagte: Valsvik wurde von Philipp Wollscheid in Catcher-Manier zu Boden gerissen, um VfL-Keeper Koen Casteels freie Sicht zu verschaffen, der den anschließenden Schuss von Ken Reichel so parieren konnte.
Trotz der auf fragwürdige Art und Weise zustandegekommenen Niederlage sprach Arnold verdientermaßen ein großes Lob für die Mannschaft aus: „Insgesamt können wir stolz sein auf die Leistung der Mannschaft, nicht nur gegen Wolfsburg, sondern darauf, was sie die ganze Saison über abgeliefert hat.“
So könnten sie spielen: Fejzic - Reichel, Valsvik, Decarli, Sauer (Baffo) - Boland, Moll (Schönfeld) - Hernandez, Omladic, Hochscheidt (Khelifi) - Nyman (Abdullahi).
Stimmen zum Hinspiel: "Deswegen mag ich die Relegation nicht; so eine Entscheidung kostet vielleicht die ganze Saison", lautete die Meinung von Torsten Lieberknecht in Bezug auf den Elfmeter-Fehlpfiff von Schiedsrichter Sascha Stegemann. Insgesamt beurteilte der Eintracht-Trainer die Ausgangslage vor dem Rückspiel am Montag aber positiv: "Für uns war es wichtig, mit einem guten Ergebnis ins Rückspiel zu gehen, das ist uns gelungen wie ich finde."
Angesichts der Brisanz rechnet der 43-Jährige mit einem blau-gelben Hexenkessel, der es den Wolfsburger so schwer wie möglich machen wird, ins Spiel zu kommen: "Montagabend in Braunschweig, da weißt du, was los ist! Wir werden nichts herschenken und noch mal Gas geben."
Als störend empfand der Eintracht-Trainer vor Spielbeginn die Tatsache, dass die Spieler ihre bereits am Vormittag in der Dusche der Kabine aufgestellten Schuhe bei Ankunft im Stadion durchnässt vorgefunden hatten: "Irgendwas ist falsch gelaufen in der Kabine", so Lieberknecht über das vermeintliche Störfeuer, dass von Wolfsburger Seite mit sich gelegentlich selbst auslösenden Duschen erklärt worden war.
Die Gefühlslage von Jasmin Fejzic schwankte nach der Partie zwischen Verärgerung und Zuversicht: "Die Bilder sprechen für sich, das war ein klares Handspiel von Gomez", ärgerte sich Jasmin Fejzic über die spielentscheidende Szene, gab sich mit Blick auf das Rückspiel aber sofort wieder kämpferisch: "Wir können stolz darauf sein, was wir heute hier geleistet haben. Wir haben alles gegeben und uns in jeden Zweikampf geworfen. Wir wissen was wir können und haben zu Hause fast immer gepunktet. Wir werden die Zuschauer im Stadion und ganz Braunschweig im Rücken haben."
Statistik
Eintracht: Fejzic (2) - Reichel (3), Valsvik (3), Decarli (2,5), Sauer (2,5) - Boland (2,5), Moll (3,5) - Hochscheidt (3), Omladic (2,5) - Hernandez (3,5) Nyman (3).
Eingewechselt: 60. Schönfeld (3,5) und Kumbela (-) für Moll und Nyman; 72. Zuck (-) für Kumbela
Tor: 1:0 (35.) Gomez(Handelfmeter Valsvik)
Zuschauer: 29100
Chancenverhältnis: 6:3
Eckballverhältnis: 2:1
Gelbe Karten: Sauer, Valsvik, Reichel
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