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Reichlich Punkte und ganz viel Gänsehaut

Kugelstoßer David Storl landete mit 21,20 Meter ganz vorne. Foto: T.A.

Leichtathletik: Am ersten Tag der Team-EM können die Deutschen überzeugen – Storl, Gabius und Reif holen erste Plätze.

Von Christoph Matthies, 22.06.2014.

Braunschweig. Eine solche Stimmung gibt es nur bei der Leichtathletik: Rund 12 000 Zuschauer im Eintracht-Stadion trieben die europäische Elite gestern lautstark nach vorne. Die Sportler zahlten es mit tollen Leistungen zurück.

Dritter Versuch von Christian Reif im Weitsprung, alles oder nichts: Als Neunter muss der 29-Jährige nun schon einen richtigen Satz hinlegen, um unter die besten Vier zu kommen und sich einen vierten Versuch zu verdienen. Wie ein gutes Omen bricht die Sonne erstmals durch das dichte Wolken-Gewölbe über der Arena.

Angetrieben von der prall gefüllten Osttribüne läuft der Europameister von 2010 an, erwischt den Balken perfekt – und lässt im Anschluss seinen Emotionen freien Lauf. 8,13 Meter, 14 Zentimeter weiter als der Brite Greg Rutherford, der Gold in London holte. Das Publikum tobt, am Ende reicht die Weite für Platz eins und zwölf Punkte – der zweite „Zwölfer“ für Deutschland nach Kugelstoß-Weltmeister David Storl, der sich ein packendes Duell mit dem polnischen Olympiasieger Tomasz Majewski lieferte.

Gänsehautmomente wie diesen gab es viele am gestrigen Nachmittag, als Europas zwölf beste Leichtathletik-Nationen am ersten Tag der Team-EM um Punkte kämpften. Den Höhepunkt auf der Lautstärkeskala erreichte das weite Rund kurz nach Christian Reifs Sprung. Als die 5000-Meter-Läufer auf die Zielgerade einbogen, lag der Hamburger Arne Gabius noch einige Schritte hinter seinem härtesten Konkurrenten, Jesus Espana aus Spanien. „Es war ein tolles Gefühl, mit diesem Publikum im Rücken auf den letzten 30 Metern noch mal richtig durchzuziehen“, erklärte der Langstreckenläufer hinterher seinen beeindruckenden Schlussspurt samt Fotofinish, der ihn noch auf den ersten Platz katapultierte. Da war für den sympathischen Gabius – seine Freundin ist übrigens Braunschweigerin – eine umjubelte Ehrenrunde selbstverständlich.

Auch wenn es nicht die erhofften 20 000 waren, und auch das Wetter nicht so richtig mitspielen wollte, waren Zuschauer wie Sportler am ersten Wettkampftag richtig gut drauf. „Es ist tierisch laut geworden, das ist mir in einem Rennen noch nie so aufgefallen. Das hat noch mal unheimlich gepusht“, lobte der deutsche 400-Meter-Läufer Kamghe Gaba den Heimvorteil im Eintracht-Stadion, als die komplette Gegengerade aufsprang, um ihn auf der Zielgeraden nach vorne zu peitschen. Am Ende reichte es für Gaba dennoch nur für die sechstbeste Zeit, weil ihm nach zu schnellem Start auf den letzten 100 Metern die Luft ausging.

Laut wurde es aber auch, als Deutschlands 1500-Meter-Hoffung Homiyu Tesfaye im Endspurt vom Tschechen Jakub Holusa scheinbar unsportlich per Ellenbogen vom ersten Platz verdrängt wurde. „Das war ganz klar meine Schuld“, verteidigte Tesfaye den Sieger gegen Pfiffe und Buhrufe: Fairer Sport, den wir auch heute wieder sehen wollen.
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