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Phil Hickey: „Wir sind keinen Schritt weiter gekommen“

Football: Der Lions-Cheftrainer macht zwei Problembereiche für die schlechte Saison aus.

Von Daniel Beutler, 14.10.2012

Braunschweig. Gestern haben die Schwäbisch Hall Unicorns ihren Titel gegen Kiel Baltic Hurricanes überraschend verteidigt. Durch das 56:53 klettern die Unicorns zum zweiten Mal auf den deutschen Football-Thron, auf dem eigentlich die New Yorker Lions wieder Platz nehmen wollten.

Vor der Saison waren die Hoffnungen groß, dass der Rekordmeister aus Braunschweig nach drei Spielzeiten voller Frust wieder eine gute Titelchance haben würde. Mit einem starken Namenssponsor im Rücken, einem erfahrenen Trainergespann und einem augenscheinlich starken Kader und wuchsen die Hoffnungen – die sich allesamt nicht erfüllten.
„Meine Erwartungen waren so groß, wie meine Enttäuschung jetzt nach der Saison ist“, sagt Lions-Cheftrainer Phil Hickey, der als starker Mann bei den Lions maßgeblich verantwortlich zeichnet. Und da will Hickey sich auch nicht rausreden, wenn er den Saisonverlauf rekapituliert, und es eine Geschichte voller „hätte“, „wenn“ und „aber“ wird.
Am offensichtlichsten sind die Fehlgriffe bei den Importspielern. Laut Hickey das erste von zwei Kernproblemen, um die herum zusätzlich viele Kleinigkeiten zu der verkorksten Saison führten. Drei Spieler aus dem Mutterland des American Footballs kamen vor der Saison, keiner blieb bis zum Ende. Safety Ronald Sears musste als Erster gehen, weil er die Erwartungen nicht erfüllte.
Schwerwiegender war aber der Verlust von Linebacker Reid Worthington und die Wahl von Michael Herrick als Quarterback. Wobei Worthingtons Rückkehr in die USA noch verständlich sei. „Er hatte sich im Trainingslager in Mailand am Knie verletzt und auf die Zähne gebissen. Zudem hatte er Probleme mit Defense Coordinator Dave Easley, die beiden verstanden sich nicht. Aber Reid war wenigstens ehrlich zu uns“, berichtet Hickey und sagt zur Causa Herrick nur: „Michael hat uns verarscht.“
Vor der Saison hat er in den drei US-Spielern die gesehen, die das Potenzial haben, die Mannschaft zu tragen. Insbesondere Herrick habe da enttäuscht. „Er hat insgesamt nicht schlecht gespielt. Aber er war nicht der Leader, den wir gebraucht hätten. Das erwarte ich aber von einem Quarterback.“
Auch die Arbeit von Abwehr-Trainer Easley sieht Hickey kritisch. „Ich habe zu sehr auf die Meinung eines Freundes vertraut. Letztlich war Dave die falsche Wahl, er hat für zu viel Verwirrung in der Abwehr gesorgt. Manchmal wollte er noch am Spieltag die Defense ändern, und er war nicht bereit, auf die Situationen während des Spiels einzugehen und die Taktik anzupassen“, erzählt Hickey. Das erkläre zu einem großen Teil die schlechterwerdende Leistung der Lions-Abwehr unter Easleys Regie.
Das zweite Kernproblem sieht Hickey bei sich. „Ich war nicht streng genug. Ich setze auf die Eigenverantwortlichkeit der Spieler, aber so weit sind wir noch nicht. Und bis das so ist, muss ich mich da stärker einsetzen“, sagt der Headcoach. Damit verbunden sieht er auch die mentale Schwäche seiner Spieler auf dem Platz. In Schlüsselsituationen versagten den Lions zu oft die Nerven. „Das macht einen großen Teil davon aus, warum die Saison ihren Lauf nahm“, sagt Hickey und stellt ernüchtert fest: „Wir sind im Vergleich zum Vorjahr keinen Schritt weitergekommen.“
Mit den Transfers zur Sommerpause kam dann mehr Qualität in den Kader der Lions, und Hickey ist daher auch darauf bedacht, die Spieler, die neu kamen, zu halten. Nächstes Jahr, nur das schwirrt mittlerweile noch im Kopf des Headcoaches, muss es besser werden. „Dafür werden wir alle Energie ins Team stecken“, kündigt Hickey an.
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