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Pfeilhagel im Eichtal: Zu Besuch bei den Koalas

Verbandsliga-Spieler Capelle (rechts) erklärt mir Wissenswertes über das Dart-Board und die Regeln. Fotos (4): André Pause
 
Shorty hat das Board fest im Visier.
 
Nachdem meine ersten Wurfversuche noch relativ ziellos auf dem Board eingeschlagen sind, werden die Ergebnisse mit jedem Anlauf besser.

inSport-Serie: nB-Mitarbeiter versuchen sich in ungewöhnlichen Sportarten – Heute: Steeldart, ein Präzisionssport, der immer beliebter wird.

Von Christoph Matthies, 17.12.2016.

Braunschweig. Eigentlich ist es ja ein Volkssport. Hat nicht fast jeder eine Dart-Scheibe zu Hause oder zumindest als Kind regelmäßig mit den windschnittigen Pfeilen auf das bunte Board geworfen? Oder es irgendwann einmal in der Kneipe versucht, mit mehr oder weniger befriedigenden Ergebnissen, je nach Zustand?
Beinahe jeder weiß heute allerdings auch, dass Dart außerdem ein Wettkampfsport ist, der viele Millionen Menschen begeistert und echte Stars hervorbringt. Ikonen der Sportart wie der Engländer Phil Taylor sind heutzutage regelmäßig im Sportfernsehen zu bewundern. Und nicht nur dort: Die „Promi-Darts-WM“, die ein großer deutscher Privatsender im Januar 2017 ausstrahlen wird, sagt viel aus über das neu entstandene Interesse an dem althergebrachten Spiel.

Um einen Eindruck zu gewinnen, wie es um den Dart-Sport in der Löwenstadt bestellt ist, besuche ich den DC Koala, Braunschweigs zweitgrößten Dart-Club, bei seinem wöchentlichen Training. Freundlich begrüßt mich Angelika Capellmann („Geli“), die Präsidentin des Vereins, der im kommenden Jahr seinen zehnten Geburtstag feiert. Obwohl sie selber kaum spielt, hat sie die „Koalas“ einst gegründet. Als gute Seele und „Mädchen für alles“ ist sie ganz entscheidend verantwortlich für die überaus familiäre Atmosphäre, die ich hier sofort bemerke.
Doch nicht lang schnacken und ran an die Darts! Gelis Gatte Klaus-Dieter, auch Capelle genannt, hat Spaß daran, mir die Geheimnisse dieses Sports näherzubringen. Der Dart-Spieler alter Schule pfeffert zum Auftakt einfach mal drei Pfeile auf das Board. Obwohl es aussieht, als würde er die Wurfgeschosse einfach wegwerfen, trifft er die „Triple 20“, das wertvollste Feld auf dem Board, mit erstaunlicher Präzision. „Jeden Tag so um die zwei Stunden“ trainiere er zu Hause, erzählt mir Capelle. Früher seien es täglich sechs Stunden oder mehr gewesen, ergänzt Geli. Die Bandscheiben lassen das heute nicht mehr zu. Für die Verbandsliga, wo das beste der vier Koala-Teams antritt, reiche es aber noch locker.

Das Board lügt nicht

Nun will ich aber mein Glück versuchen. Eine bestimmte Haltung zum Board oder eine universelle Wurftechnik gibt es nicht, erfahre ich von Capelle, jeder wirft so, wie es sich für ihn am besten anfühlt. „Jeder hat eine andere Art zu werfen und ein anderes Ritual“, erklärt mir Pete. Der freundliche Engländer ist mit seinen 55 Jahren einer der ältesten Koalas. „Am Anfang ist es wichtig, einen erfahrenen Mentor zu haben“, weiß der Mann aus dem Mutterland des Darts. „Mein Auge, die Spitze des Darts und das angepeilte Ziel bilden bei mir eine Linie“, ermutigt mich Pete, es einmal mit seiner Technik zu versuchen.

Nachdem meine ersten Wurfversuche noch relativ ziellos auf dem Board eingeschlagen sind, werden die Ergebnisse mit jedem Anlauf besser. Wie in jeder Sportart machen Anfänger auch beim Dart die schnellsten Fortschritte. „Das Wurfbild sieht schon ganz gut aus“, lobt mich Capelle mit Kennerblick, als meine drei Pfeile erneut in den Sisalfasern des Boards gelandet sind – alle drei zumindest in der Nähe des gerade mal acht Millimeter breiten „Triple 20“-Feldes. Geht doch!
Dass der Sport mit den Steeldarts, also mit den Pfeilen mit Stahlspitze, der beim DC Koala gespielt wird, eine Wissenschaft für sich ist, erfahre ich von Shorty. Claus, wie der Sohn von Capelle eigentlich heißt, ist nicht nur begeisterter Spieler, sondern hat auch selbst als Verkäufer in einem Darts-Shop gearbeitet. Er verrät mir etwas über die Unterschiede bei den Darts. Länge oder Gewicht, Form des Hecks („Flight“) oder Beschaffenheit der Grifffläche („Barrel“): Für jede Vorliebe gibt es die richtigen Pfeile, die auch schon mal, wie in Shortys Fall, 125 Euro kosten können.

Jennys Darts waren deutlich günstiger, liegen aber auch gut in der Hand. Die rosafarbenen Flights wären vielleicht nicht meine erste Wahl gewesen, aber die Geschmäcker sind ja verschieden. Jenny ist die Kapitänin des B-Teams, das in der Bezirksklasse 2 antritt, und eine von immerhin drei jungen Frauen, die in den vier Wettkampf-Mannschaften des DC Koala mitwerfen. Wie zu erwarten ist Dart eine Sportart, die von Männern dominiert wird, bei den Profis ebenso wie bei den Amateuren. Das hat allerdings eher mit der Anzahl der männlichen Spieler zu tun als mit dem Talent der Sportlerinnen – die Ergebnisse der Koala-Damen können sich jedenfalls durchaus sehen lassen.

„Früher war es lustiger“

Die Dart-Turniere, die im Fernsehen gezeigt werden, ähneln Volksfesten. Das Publikum trinkt, jubelt und feiert sich selbst und seine Helden. Es ist erstaunlich, welch große Begeisterung dieser eigentlich unspektakuläre Präzisionssport hervorrufen kann.

Der Boom hat Folgen, zumeist positive. Gerade junge Leute interessieren sich heute verstärkt für die Ausübung der Sportart auf Wettbewerbsebene. Dadurch sei auch das sportliche Niveau deutlich gestiegen. „Die Jugend, die heute nachkommt, ist wirklich gut“, berichtet Capelle von seinen Erfahrungen mit dem Dart-Nachwuchs. „Die hauen dir richtig was um die Ohren.“

Mit der Kommerzialisierung geht allerdings auch eine gewisse Ernsthaftigkeit einher, die nicht jedem unbedingt gefällt. „Früher war es lustiger. Heute ist alles ein bisschen ernster geworden“, bedauert Capelle, dass an Spieltagen oft nicht mehr so viel gelacht werde. „Aber wir wollen unseren Spaß am Dart nicht verlieren, denn wenn du keinen Spaß mehr hast, kannst du aufhören.“

Beim Training der Koalas geht es jedenfalls noch immer sehr gesellig zu, Lachen gehört hier ebenso dazu wie das eine oder andere Pils für das „ruhige Händchen“. Dem Erfolg schadet das ganz offensichtlich nicht: In der zehn Teams umfassenden Verbandsliga 2 liegen die Braunschweiger zur Winterpause auf einem ordentlichen vierten Platz und dürfen weiterhin vom Aufstieg in die zweithöchste Spielklasse träumen.

Die internationale Dart-Community träumt nicht nur im Geheimen davon, dass ihr Sport irgendwann einmal olympisch wird. „Das wäre toll“, sagt auch Capelle, der früher Luftpistole geschossen hat, bevor er die Munition durch Pfeile ersetzte. Die Tatsache, dass Dart heutzutage eine breite Öffentlichkeit erreicht, lässt den Gedanken keineswegs abwegig erscheinen. Für die Koalas würde es wohl auch die Suche nach Sponsoren erleichtern. „Im Moment finanzieren wir uns durch die Mitgliedsbeiträge komplett selbst“, sagt Geli. Und das sei nicht immer ganz einfach, betont die Präsidentin und gute Seele des DC Koala.

STEELDART

Steeldart erlebt derzeit einen Boom wie nie zuvor. Phil Taylor, Michael van Gerwen oder Gary Anderson heißen die internationalen Helden des Sports, der die besten von ihnen zu Millionären macht. Größtes Talent im deutschen Dart ist Max Hopp. Der 20-Jährige aus dem hessischen Idstein steht derzeit auf Rang 38 der PDC-Weltrangliste.

Auch in der Löwenstadt haben sich Dart-Spieler in mehreren Clubs organisiert. Der zweitgrößte Club ist der DC Koala, dessen 26 Mitglieder sich immer donnerstags um 18.30 Uhr im Vereinsheim des Kleingärtnervereins Eichtal (Varrentrappstraße 25) zum Training treffen.

Mit vier Mannschaften nimmt der DC Koala am Ligabetrieb teil, in dem die Variante „501 Double Out“ gespielt wird. Außerdem gibt es einmal im Monat das „Heiermann-Turnier“ sowie weitere Events. Mehr Informationen erhalten Sie online unter www.dc-koala.de.
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