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Panikmache hilft nicht weiter

„Sport verhindert Gewalt – Sport fördert Gewalt?“ – „Braunschweiger Dialog“ in der Stadthalle.

Von Christoph Matthies, 03.06.2012

Braunschweig. Über Sport und Gewalt wurde am Donnerstag im Vortragssaal der Stadthalle diskutiert. In einem waren sich alle Teilnehmer einig: Der hitzig geführten Debatte über Sicherheit im Fußball würde etwas mehr Gelassenheit nicht schaden.

Als UN-Sonderbeauftragter für Sport im Dienst von Entwicklung und Frieden war auch Willi Lemke der Einladung der Friedrich-Ebert-Stiftung gefolgt. Der langjährige Werder-Manager referierte anregend und informativ über seine Rolle als Sportbotschafter der Vereinten Nationen, in der er seit vier Jahren voll aufgeht. „Herr Lemke, Sie müssen sich vor allem um Afrika kümmern!“, habe sein Chef, Generalsekretär Ban Ki-moon, zu ihm gesagt und damit eines der Hauptaktionsfelder umrissen. Seitdem kümmert sich Lemke, der aus Angola in die Löwenstadt gereist war, besonders auf dem schwarzen Kontinent um die Unterstützung von Sozialarbeitern oder die Förderung von Frauen- und Behindertensport.
Kontroverser wurde es danach bei der Podiumsdiskussion, bei der Moderatorin Carola Reimann vor allem der jüngsten Diskussion um Sicherheit in deutschen Fußballstadien viel Raum gab. „Wenn wir die Ultras mit Repressionen treffen, wird es nicht besser, sondern noch schlimmer“, sprach sich Karsten König, Koordinator der Fanprojekte Braunschweig, unmissverständlich gegen die harschen Forderungen der Politik aus. Insbesondere Niedersachsens Innenminister Schünemann, derzeit einer der lautesten Rufer nach einem härteren Vorgehen, hätte zunächst das Gespräch mit den Fanprojekten suchen sollen.
Auch Polizeigewerkschafter Dietmar Schilff distanzierte sich von „populistischer Panikmache“, wies aber darauf hin, dass Gewalttaten gegen Polizisten in den vergangenen Jahren rapide angestiegen seien. Zudem stellte er eindringlich klar: „Pyrotechnik ist eine gefährliche Geschichte, und ich bin bekennender Gegner von Pyrotechnik in den Stadien.“ Das sahen auch Teile des munter und fachkundig zur Diskussion beitragenden Publikums so: „Die Choreos sind auch ohne Pyrotechnik super. Unterstützung geht auch ohne dieses Gefackel!“ Seinen Eindruck, dass sich die Fansituation in den Stadien deutlich verbessert habe, äußerte Lions-Trainer Phil Hickey, der seit 22 Jahren in Deutschland lebt und gerne mal ein Fußballspiel besucht. Der US-Amerikaner regte zudem an, mehr Gewicht auf den Schulsport zu legen, wie es etwa in seiner Heimat praktiziert werde.
Sozialdezernent Ulrich Markurth lobte die bestehenden Fanprojekte und ihre wichtige Scharnierfunktion zwischen Fans und Vereinen und verband dies mit der Hoffnung, zukünftig mehr öffentliche Mittel für diese Art der präventiven sozialen Arbeit zur Verfügung stellen zu können. Weiterhin betonte der SPD-Politiker den wichtigen Vorbildcharakter von Profisportlern.
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