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„Nicht mehr auf derselben Wellenlänge“

Basketball-Bundesliga: Der Grieche Kostas Flevarakis, Ex-Cheftrainer der New Yorker Phantoms, im nB-Interview.

Von Christoph Matthies, 02.06.2013

Braunschweig. Nach nur einem Jahr gehen die Phantoms-Basketballer und ihr Cheftrainer Kostas Flevarakis wieder getrennte Wege, die Entscheidung fiel in beiderseitigem Einvernehmen. Vor seinem Abschied aus Braunschweig in etwa einer Woche unterhielt sich die nB mit dem 44-Jährigen.

?Herr Flevarakis, Sie betrachten ein Basketballteam wie eine Familie. Sind Sie enttäuscht, dass Ihre Ehe mit den Phantoms nur eine Saison überdauert hat?

!Nach so vielen Jahren im Geschäft muss ich nichts tun, wenn es sich für mich nicht richtig anfühlt. Du gibst dein Bestes, und einige Leute verstehen, was du tust, andere nicht. Einige Leute schätzen, was du machst, andere vielleicht nicht so, wie sie sollten. Aber da ist keine Enttäuschung.
Ich kam hierher, um länger als zwei Jahre zu bleiben. Tatsächlich bin ich der Meinung, dass man in Deutschland nach drei Jahren mit jedem Team um den Titel kämpfen kann, sogar mit einem niedrigen Etat. In der ersten Saison kann man allerdings noch keine großen Ziele erreichen, da gibt es noch zu viel zu korrigieren. Deswegen habe ich dem Vorstand von Anfang an gesagt, dass wir zu Beginn unserer gemeinsamen Reise nicht so hoch stehen würden wie am Ende der vorherigen. Aber auch, dass wir am Ende deutlich besser dastehen würden.

?Wann kamen Sie zu der Einsicht, dass Ihre Zukunft nicht bei den Phantoms liegt?

!Irgendwann im Februar habe ich erstmals gespürt, dass einige Dinge nicht so waren, wie sie sein sollten. Ich habe hier bis zur letzten Sekunde mein Bestes gegeben, habe meinen Leib und meine Seele für dieses Team, für diese Familie gegeben. Denn für mich war es eine Familie – mit allen Problemen, die eine Familie nun mal hat. Aber um eine Familie aufzubauen, brauchst du Charaktere, brauchst du Zeit und jemanden über dir, der das unterstützt. Aber um 100 Prozent du selbst zu sein, muss alles so sein, wie du es dir vorstellst. Wenn das nicht so ist, musst du es nicht machen. Selbst wenn ich hier einen Fünfjahresvertrag unterschrieben hätte, wäre jetzt das Gleiche passiert. Wenn die Beziehung zu bestimmten Personen kaputt ist, wenn man mit Leuten, mit denen man zusammenarbeiten muss, nicht mehr auf derselben Wellenlänge ist, dann gibt es keinen Grund weiterzumachen.

?Zu den Fans hatten Sie dagegen eine sehr gute Beziehung, oder?

!Den Fans, besonders dem Fanclub, der uns überallhin gefolgt ist, möchte ich danken. Dafür, dass sie den Verein, aber auch dafür, dass sie mich unterstützt haben. Das werde ich sicher nie vergessen. Und ich werde gewiss auch immer ein Freund der Phantoms bleiben und verfolgen, wie sie sich in der Zukunft schlagen werden. Vielleicht sieht man sich ja auch mal wieder.

?Wo lagen die Gründe für den – mit Tabellenplatz 13 – eher bescheidenen sportlichen Erfolg in der vergangenen Saison?
!Zunächst muss man Erfolg definieren. Die Frage ist: Was konnte man mit einem Team erreichen, und was hat man schließlich erreicht? Unsere Rückrunde war besser als die Hinrunde, nach zunächst sechs Siegen konnten wir da acht Siege einfahren. Dann hatten wir diese Phase, als Nana sich verletzte, Jermaine Anderson nur 50 Prozent des Trainings mitmachen konnte und wir neue Spieler ins Team integrieren mussten. Dazu die Situation um Dennis Schröder. Das war eine ganz schwierige Phase, und wenn wir da zwei Siege mehr geholt hätten, würden wir – mit zehn Siegen – über eine perfekte Rückrunde sprechen. Aber die Probleme begannen schon vor der Saison. Etwa, dass wir auf den Positionen eins und fünf nicht unsere ersten Optionen bekommen haben. Ich möchte jetzt gar nicht über die Höhe des Etats reden. Der Aufsichtsratsvorsitzende hat ja bereits geäußert, dass ein Teil des Budgets erst später kam. Gleichzeitig sind andere Teams deutlich stärker geworden.

?Wäre es dann nicht ratsam gewesen, das vom Verein gesetzte Ziel Playoffs öffentlich zu korrigieren?

!Wahrscheinlich hätte ich das machen sollen. Aber wenn man neu ist und mit viel Begeisterung an die Arbeit geht, aber feststellt, dass es mit den Playoffs sehr schwierig wird, dann ist es schwer, sich in den ersten Wochen hinzustellen und zu sagen: „Vergesst, was ihr bisher gewohnt wart!“ Gerade wenn die Leute einen noch nicht kennen.

?Sie haben die Entwicklung von Dennis Schröder sehr gefördert. Ist das Ihr Vermächtnis hier: den ersten Braunschweiger überhaupt an die NBA herangeführt zu haben?

!Ich bin sehr glücklich darüber, was mit Dennis in dieser Saison passiert ist, auch wenn es manchmal nicht einfach oder das Beste für das Team war. Ich habe oft junge Spieler auf dieser Position installiert, und es wurde immer gewürdigt. Obwohl diese Spieler nie in die NBA gedraftet worden sind, wurde es mehr gewürdigt, als es hier glaube ich der Fall war. Dennis hat sehr viel dafür gearbeitet. Als ich mir im vergangenen Juni die Spiele der Vorsaison angesehen habe, in denen Dennis nur sehr wenig gespielt hatte, habe ich bereits gesehen, dass er hundertprozentig in der BBL spielen kann. Das haben nicht viele Beobachter, mit denen ich gesprochen habe, so gesehen, aber ich habe dran geglaubt. Und Dennis hat bewiesen, dass ich richtig lag. Ich freue mich für ihn und wäre froh, wenn er eine tolle Karriere in der NBA machen könnte.
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