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Mit Vollgas durchs Wochenende

Auf der Rennstrecke fühlt sich Tim Opitz zu Hause – 18-Jähriger Schüler hat ein teures Hobby.

Von Marion Korth, 23.03.2011.

Braunschweig. Wer körperlich aus dem letzten Loch pfeift, bekommt Stress. Drei Mal in der Woche rackert sich Tim Opitz (18) deshalb im Fitnessstudio ab. Am Wochenende ist er dann startklar für seinen eigentlichen Sport, den Rundstrecken-Motorsport. Tim Opitz ist Rennfahrer.

Mit Motorkraft allein ist nichts getan, um vorn dabei zu sein. 10 oder sogar 20 Runden Stoßstange an Stoßstange zu fahren, das erfordert höchste Konzentration. Dann der Lärm und im Sommer Temperaturen, die im Wageninneren auf 50 oder sogar 60 Grad ansteigen können. Die feuerfeste Unterwäsche ist Pflicht. „Konzentrieren kann ich mich nur, wenn der Körper funktioniert“, sagt der 18-Jährige. Also Fitnesscenter und Laufen. Er macht das gern.
Ehrgeiz und Fleiß haben den Schüler weit gebracht: 2008 wird er Vierter bei den Deutschen Meisterschaften und erhielt eine Einladung zum Sichtungslehrgang für den Scirocco-Cup. „Aber teilnehmen konnte ich nicht, es hat am Geld gehapert“, sagt er. Um eine Rennserie wie bei diesem Cup komplett mitfahren zu können, müsste er rund 60 000 Euro für Startgelder und Autounterhaltung mitbringen.
Der Motorrennsport ist ihm nicht erst in die Wiege gelegt worden. Tims Mutter habe erst damit aufgehört, als sie wusste, dass er unterwegs war. Sein Vater ist ebenso begeisterter Rennfahrer. Als Kleinkind verbrachte Tim viel Zeit entlang der Strecken. Als er 15 war, saß er selbst zum ersten Mal hinter dem Steuer. „Ich habe mich im Slalom wohl ganz gut angestellt“, meint Tim. Mittlerweile macht er es als Amateur auf der Rundstrecke Schumacher und Vettel nach.
Der Chevrolet hat 150 PS, fährt 210 Spitze. Vor allem aber kommt das Auto schnell um Kurven ’rum. Es geht um Schnelligkeit und um Strategie. Die Boxenstopps müssen klug geplant werden, das bringt viel. Wenn er jetzt mit seinem Team, seinem Chef, Kollegen und Mechanikern, das Wochenende in Oschersleben und anderswo verbringt, dann fühlt sich das für ihn wie Familie an. „Das macht Spaß, ich mag den Teamgeist, das ist kein Stress für mich“, sagt er. In der Woche besucht er die Fachoberschule, beruflich kann er sich etwas mit Autos vorstellen, aber nicht in einer Werkstatt, so wie sein Vater.
Wenn nur das Thema Geld nicht wäre. Nach einem Renntag in seinem „Chevy“ sind zwei Reifensätze durch. Ein Reifen kostet 240 Euro. Zwei bis drei Leute fahren abwechselnd in einem Rennwagen, um die Kosten für den Einzelnen erträglich zu halten. Neulich hat ein Teamkollege das Auto gegen die Wand gesetzt, passiert ist ihm nichts, die Sicherheitsstandards sind groß, aber das wird teuer.
Tim Opitz hat versucht, als sein eigener Manager Sponsorengelder einzuwerben. Vergeblich. „Mir fehlen einfach die richtigen Kontakte“, räumt er ein. Familie und Bekanntenkreis unterstützen ihn, aber auch das ist irgendwann ausgereizt. Im Lotto hat auch keiner gewonnen – schade. Nachwuchsförderung für talentierte Fahrer wäre gerade am Anfang so wichtig. Da spricht er nicht nur für sich, sondern auch für die „Kartjungs“, denen es genauso geht wie ihm. Hätte er es beim Scirocco-Cup unter die ersten Drei geschafft, hätte er Chancen, in ein Förderprogramm aufgenommen zu werden. Hätte könnte, würde – die Hürden sind hoch für junge Rennfahrer.
Ist Tim in eine Sackgasse gefahren? Die nächsthöhere Klasse ist finanziell fürs Erste unerreichbar, aber Tim fährt unbeirrt seinen Weg, „will Erfahrung sammeln, auf dem Boden bleiben“. Für eine komplette Rennserie in der ADAC Chevrolet Cruze wird es auch in dieser Saison nicht reichen, da bräuchte er schon an die 13 000 Euro. Aber vielleicht findet er ja doch noch ein Braunschweiger Unternehmen, das für die überregionale Werbung einen fixen Jungen ins Rennen schicken möchte. Kontakt: tim.opitz@hvf-bs.net.
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