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„Mit vollem Eifer für Eintracht“

Trainer Torsten Lieberknecht (Eintracht Braunschweig) während der Spieltagspressekonferenz vor der letzten Heimpartie dieser Saison an der Hamburger Straße. Foto: Susanne Hübner

2. Fußball-Bundesliga: Drittbeste Platzierung der letzten 30 Jahre – Trainer Lieberknecht im nB-Interview.

Von Elmar von Cramon, 26.05.2015.

Braunschweig. „Ich freue mich wahnsinnig darauf, in der Vorbereitung mit frischen Gesichtern wieder eine Mannschaft aufzubauen, die mit vollem Eifer für Eintracht super gerne Fußball spielt“, ist Torsten Lieberknecht nach dem letzten Saisonspiel gegen Union Berlin voller Tatendrang.

Das 0:2 gegen die Hauptstädter hatte seine Mannschaft zwar noch vom fünften auf den sechsten Tabellenplatz abrutschen lassen, dennoch dürfte die drittbeste Platzierung der letzten 30 Jahre positiv nachhallen: Nach dem Bundesligaabstieg begann die Saison unruhig, doch erst am vorletzten Spieltag mussten die Blau-Gelben im Aufstiegsrennen die Segel streichen.
Zuvor konnte sich Lieberknecht über das Erreichen des DFB-Pokalachtelfinales freuen und wurde außerdem dienstältester Eintracht-Coach seit Helmuth Johannsen.
Im nB-Interview blickt der 41-Jährige auf die abgelaufene Saison zurück und gibt einen Ausblick auf seine Ziele in der kommenden Spielzeit.

?Herr Lieberknecht, wie fällt Ihr Saisonfazit aus?

!Hinter uns liegt eine erfolgreiche Saison, weil in allen Punkten das erreicht wurde, was wir uns vorgenommen haben. Wir haben eine stabile Saison gespielt, den Umbruch eingeleitet und damit begonnen, junge Spieler aus dem eigenen Nachwuchs zu integrieren. Außerdem haben wir im DFB-Pokal seit über zehn Jahren wieder das Achtelfinale erreicht und schließen mit der drittbesten Platzierung seit dem Bundesligaabstieg 1985 ab. Zwar hatten wir uns nah an die Aufstiegsplätze herangekämpft, letztlich lügt die Tabelle aber auch nicht; wir waren gut, aber nicht gut genug, um das ganz große Ziel zu erreichen.

?Sie sprachen häufig von einer „unruhigen Saison“, was war damit gemeint?

!Es war von Anfang an klar, dass ein Umbruch eingeleitet werden muss. Die Konstellation, so in eine Saison zu gehen, führt zwangsläufig dazu, dass auch Spieler sich Gedanken machen wie „Bin ich vom Umbruch betroffen?“ oder „Ich bin ausgeliehen, wie sieht meine Zukunft aus?“ Andere Spieler kamen erst im Winter dazu und mancher hat bereits während der Saison seinen Abschied bekanntgegeben, so dass eine „unruhige“ Einheit entstand. Eine Saison so zu bestreiten, ist eine besondere Herausforderung, so dass ich umso zufriedener bin, wie sich das Team charakterlich und spieltechnisch entwickelt hat.

?Hat diese besondere Konstellation auch für Sie als Coach neue Erkenntnisse zutage gefördert?

!Sicherlich, insbesondere was die Entwicklung einer neuen Hierarchie innerhalb der Mannschaft angeht. Konstellationen wie in der abgelaufenen Spielzeit haben gezeigt, dass es für die Kontinuität besser ist, wenn die Spieler nicht in eine ungewisse Zukunft blicken. Wir wollen deshalb auch wieder dahin kommen, eine Mannschaft zu haben, die „fest“ zum Verein gehört und eine stabile Einheit darstellt.

?Spieler, die für den erfolgreichen Weg der vergangenen Jahre stehen, wurden beim Heimspiel gegen Karlsruhe verabschiedet. Schwingt dabei auch eine Portion Wehmut mit?

!Das gehört zum Fußball dazu. Trotzdem ist unser Weg eine außergewöhnliche Geschichte und noch außergewöhnlicher ist, dass auch in der kommenden Saison immer noch Spieler, die den Weg aus der dritten in die erste Liga mitgegangen sind, im Kader stehen. Man sieht daran, dass wir in den vergangenen Jahren vieles richtig gemacht haben. Nun müssen die verbliebenen Spieler noch mehr Verantwortung übernehmen und zusammen mit den neuen Gesichtern, die wir präsentieren werden, eine neue, erfolgreiche Eintracht-Generation aufbauen.

?Wie viele Neuzugänge möchten Sie neben Adam Matuschyk und Phil Ofosu-Ayeh verpflichten, und welches Anforderungsprofil sollen die Spieler besitzen?

!Wir brauchen Typen, die eine hohe Identifikation besitzen und das Feuer mitbringen, gemeinsam mit uns etwas zu erreichen. Wir sind uns einig, auf speziellen Positionen wie im Sturm und auf der rechten Außenverteidigerposition Spieler dazuzuholen. Was ich außerdem sagen kann, ist, dass der Kader im kommenden Jahr kleiner sein wird als zuvor. Wir werden 15 bis 16 Spieler im Team haben, die die ersten beiden Ligen kennen und außerdem fünf Nachwuchskräfte fest integrieren. Insgesamt soll der Kader 22 bis 23 Akteure umfassen, wobei die Tür für die anderen Jungs aus der U19 und U23 ausdrücklich geöffnet bleibt. Wir wollen damit unseren eingeschlagenen Weg, auf den eigenen Nachwuchs zu setzen, unterstreichen.

?Was macht diesen Weg besonders erfolgversprechend?

!In den vergangenen Jahren hat man gesehen, dass die Mannschaft, die im Kern lange zusammen war, auch erfolgreich gewesen ist. Die Kontinuität war dabei entscheidend für den Erfolg. Besonders wichtig war aus meiner Sicht außerdem, dass die Spieler wussten, dass sie bei Erfolgen auch weiterhin Teil des Ganzen sind und dabeibleiben. Natürlich birgt dieser Weg auch Risiken, dennoch möchte ich das Risiko nicht scheuen, weil ich bei vielen Spielern das entsprechende Potenzial sehe.
Wir wollen die Spieler allerdings sukzessive aufbauen und nicht verheizen, schon weil die Umstellung im Training etwas sein kann, womit die Spieler zu kämpfen haben. Außerdem wollen wir eine U19 oder U23, die erfolgreich spielt, nicht Woche für Woche auseinanderreißen.

?Sie haben Meistertrainer Helmuth Johannsen als dienstältesten Eintracht-Coach seit Einführung der Bundesliga abgelöst. Was bedeutet Ihnen dieser Meilenstein?

!Neben der Bestätigung meiner eigenen Arbeit ist das vor allem eine Auszeichnung für den gesamten Verein und alle, die dazugehören. Dazu gehören die Spieler, Trainer- und Funktionsteam, die sportliche Führung, die Führung des gesamten Vereins und nicht zuletzt auch die Fans, die unseren Weg mitgegangen sind und dafür gesorgt haben, dass wir hier kontinuierlich etwas aufbauen konnten.

?Wie haben sie die Spielzeit insgesamt erlebt?

!Man hat gesehen, dass es keine Übermannschaft gab. Das spielstärkste Team war für mich eindeutig der 1. FC Kaiserslautern, den Aufstieg des FC Ingolstadt fand ich aufgrund der finanziellen Möglichkeiten dort nicht überraschend. Die Darmstädter haben eine tolle Mentalität bewiesen und genauso wie Karlsruhe durch Kontinuität eine Mannschaft entwickelt, mit der sie erfolgreichen Fußball spielen konnten. Insgesamt war es in dieser Saison eine sehr enge Liga mit Mannschaften, die einen eigenen Stil entwickelt haben und den Fans eine sehr spannungsgeladene Spielzeit geboten haben.
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