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Mission wider das Fußball-Kauderwelsch

Wie Konrad Koch seinen Landsleuten nicht nur die Regeln, sondern auch die Sprache des Fußballs näherbrachte.

Von Christoph Matthies, 24.04.2011.

Braunschweig. Es dürfte sich mittlerweile herumgesprochen haben, dass das erste Regelwerk des deutschen Fußballs aus der Löwenstadt stammt. Doch auch die Fachtermini, die wir heute verwenden, wurden maßgeblich vom Lehrer Konrad Koch geprägt.

„Blutgrätsche“, „Bananenflanke“, „Kabinettstückchen“ – diese und viele andere wunderbare Metaphern waren noch unbekannt, als Konrad Koch, Lehrer am Martino-Katharineum, den Fußball einst nach Deutschland importierte. Am Mittwochabend erläuterte Dr. Armin Burkhardt, Professor an der Universität Magdeburg und Verfasser eines Fußballwörterbuchs, im Haus der Wissenschaft den Einfluss des Braunschweiger Pädagogen auf den reichen Sprachschatz des deutschen Fußballs.
So fortschrittlich Konrad Koch bei der Gestaltung seines Sportunterrichts auch war: In sprachlicher Hinsicht war der klassische Philologe erzkonservativ. Gemäß den patriotischen Anwandlungen seiner Zeit machte sich Koch bereits in seinem Regelwerk von 1875 daran, die Fachbegriffe aus dem Mutterland des Fußballs einzudeutschen. So wurde aus „off side“ das Abseits, aus dem „Forward“ der Stürmer und der „Pe-nalty“ zum Strafstoß. Während viele dieser von Koch eingeführten Wortkreationen bis heute erhalten geblieben sind, erscheinen andere doch mehr wie ein amüsantes Relikt ihrer Zeit. Der „Spielkaiser“ etwa, der den englischen „Captain“ ersetzen sollte, war merklich vom Geist der nur wenige Jahre zurückliegenden Reichsgründung umweht.
Nicht zuletzt die bis ins 20. Jahrhundert gängige Verwendung angelsächsischer Begriffe gab den Kritikern der modernen Sportart immer wieder Munition. So wurde der Fußball schon mal als „englische Krankheit“ bezeichnet, an niederste nationalistische Instinkte appelliert. Insofern war Kochs Eindeutschung des bis dahin herrschenden „Kauderwelschs“ in der Fußballsprache, so fragwürdig seine Motive auch gewesen sein mögen, ein wichtiger Beitrag, um die Akzeptanz der „Fußlümmelei“ im Deutschen Reich zu erhöhen.
Und heute? Erfreuen wir uns an „Bananenflanken“ und „Kabinettstückchen“ – Ausdrücken, die sicherlich auch Konrad Koch gefallen hätten.
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