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Löwen fehlt am Ende die Cleverness

Dru Joyce hatte großen Anteil an der Aufholjagd im dritten Viertel, konnte in den Schlussminuten aber nicht restlos überzeugen. Foto: T.A.
Braunschweig: Volkswagenhalle |

Basketball-Bundesliga: Braunschweig verliert in eigener Halle mit 64:71 gegen Alba Berlin.

Von Christoph Matthies, 01.03.2015.


Braunschweig. Mit 64:71 (27:41) unterlagen die Basketball-Löwen am Sonntagabend in der Volkswagenhalle den Gästen von Alba Berlin. Eine ärgerliche Niederlage, denn ein Sieg gegen den Tabellenzweiten der Basketball-Bundesliga wäre nach starkem dritten Viertel durchaus möglich gewesen.

Ohne drei Leistungsträger und Topspieler der BBL (Jamel McLean, Cliff Hammonds und Alex Renfroe) traten die Berliner in der Volkswagenhalle an, und auch Trainer Sasa Obradovic fehlte aufgrund einer Sperre. Eine massive Schwächung, sollte man meinen, und doch präsentierte sich Alba zu Beginn der Partie so, als hätte man nie mit einer anderen Formation gespielt. Nach fünf Minuten führte die Mannschaft, die an diesem Abend von Co-Trainer Milenko Bogicevic betreut wurde, nach einem sicher verwandelten Halbdistanzwurf von Leon Radosevic mit 10:4.

Überhaupt Radosevic: Der 2,07 Meter große Kroate traf nicht nur seine Sprungwürfe, sondern machte auch sonst ganz viel richtig. Beeindruckend seine Defensivaktion gegen Immanuel McElroy im zweiten Viertel: Der Löwen-Routinier wollte einen Fastbreak per einfachem Korbleger abschließen, als Radosevic angeflogen kam und den Ball mit Schmackes gegen das Brett hämmerte. Im Gegenzug sah der bewegliche Center auf der anderen Seite die Lücke in der Löwen-Verteidigung und zog beherzt zur Korbanlage, die er mit einem krachenden Dunking auf ihre Standfestigkeit prüfte. Sechs Minuten vor der Halbzeitpause stand es 27:17, Radosevic hatte zwölf Punkte (am Ende 17) und die Braunschweiger Defense präsentierte sich besonders unter dem Korb extrem löchrig. „Es ist mir unerklärlich, wie man mit so wenig Energie in so ein Spiel starten kann“, äußerte Raoul Korner hinterher seine Unzufriedenheit über die pomadige erste Halbzeit.

Nach zwanzig Minuten liefen die Hausherren somit bereits einem 14-Punkte-Rückstand hinterher, besonders der Dreier wollte nicht fallen (2/13). In anderen Spielen gegen die oft übermächtigen Berliner wäre der Drops in diesem Moment vielleicht schon gelutscht gewesen, doch diese Braunschweiger Mannschaft hatte noch viel vor. Zumal die Berliner, die am Freitagabend in der Euroleague noch beim FC Barcelona in die Verlängerung mussten, in der zweiten Halbzeit bestimmt schwere Beine bekommen würden.

Tatsächlich kamen die Löwen mit einem ganz anderen Antrieb aus der Kabine, auch die Distanzwürfe fielen jetzt. Nach und nach arbeiteten sie sich an die Gäste heran, rund zweieinhalb Minuten vor Ende des dritten Viertels glich Dru Joyce per Dreier erstmals seit den Anfangsminuten aus – klar, dass nun auch die 4272 Zuschauer in der VW-Halle wieder voll da waren. Den bis dahin höchsten Wert auf dem Dezibelmessgerät erreichte die Kulisse, als Cornelius Adler Sekunden vor der Viertelpause einen Dreier zum 55:51 einnetzte. 28 Punkte hatte das Team von Trainer Raoul Korner in den zehn Minuten nach der Pause erzielt – mehr als in der gesamten ersten Halbzeit.

Die Berliner wirkten nun müde, das Fehlen von drei Stammspielern und die monatelange Doppelbelastung im Europapokal schienen ihren Tribut zu fordern. Doch der achtmalige Deutsche Meister mobilisierte seinen letzten Kräfte und lieferte den Löwen ein Schlussviertel auf Augenhöhe. Und mehr, denn während die Berliner ihre Erfahrung ausspielten und die Nerven behielten, suchte Braunschweig zu oft zu schnell den Abschluss. Gerade Playmaker Dru Joyce, der nur zwei seiner elf Dreierversuche traf und schon oft gezeigt hatte, wie wertvoll er in der Crunchtime sein kann, traf diesmal nicht immer die besten Entscheidungen. Auch an der Freiwurflinie ließen die Löwen im Schlussabschnitt einiges liegen, so dass Nils Giffey 29 Sekunden vor Schluss aus der Halbdistanz gar eine 67:64-Führung für die Gäste herstellte. Ein Löwen-Dreier hätte also den Ausgleich bedeutet. Die Albatrosse allerdings verteidigten den Perimeter geschickt, Joyce disponierte um und fand Derrick Allen scheinbar frei am Brett, doch von hinten kam Alex King und blockte den Korbleger. Der anschließende Fastbreak-Layup von Berlins Akeem Vargas zum 69:64 sorgte für die Entscheidung.

Da die Konkurrenten um die Playoff-Plätze am 24. Spieltag fast ausnahmslos gewinnen konnten, stehen die Löwen nach der Niederlage gegen Berlin auf Tabellenplatz elf. Von Rang acht trennt die Braunschweiger allerdings nur ein Sieg.

Für die Löwen punketen: Joyce 12, Abromaitis 10, Lockett 10, Allen 10, Visser 6, McElroy 6, Adler 5, Simon 5.
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