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Lieberknecht: „Ein sehr schöner Tag für mich“

Sucht die Nähe zu den Fans: Eintracht-Trainer Torsten Lieberknecht. Foto: Susanne Hübner

2. Fußball-Bundesliga: Der Trainer von Eintracht Braunschweig verlängert seinen Vertrag auf der Fanversammlung des Vereins bis 2020.

Von Elmar von Cramon, 07.10.2016.

Braunschweig. Fußball-Zweitligist Eintracht Braunschweig hat eine wichtige Weichenstellung für die Zukunft vorgenommen. Auf der Fanversammlung am vergangenen Mittwoch verlängerte Torsten Lieberknecht seinen am Saisonende auslaufenden Vertrag um drei weitere Jahre bis zum 30. Juni 2020. Im Anschluss an die Vertragsunterzeichnung gab es für den 43-Jährigen Standing Ovations, was seine enorm hohe Wertschätzung beim blau-gelben Anhang symbolisiert. Die nB sprach mit dem Fußball-Lehrer über seine weitere Zukunft an der Hamburger Straße.

?Herr Lieberknecht, was bedeutet Ihnen die Vertragsverlängerung?

!Es war ein sehr schöner Tag für mich, insbesondere weil der Verein sich etwas hat einfallen lassen und unsere Fans an der Vertragsunterzeichnung teilhaben ließ. Ich freue mich, dass das Präsidium, der Aufsichtsrat, die Geschäftsführung und die sportliche Leitung weiterhin ihr Vertrauen in mich setzen. Es ist auch ein Zeichen für Kontinuität, aus der wir in der Vergangenheit immer Kraft schöpfen konnten und auch weiterhin werden.

?Gab es einen bestimmten Moment ab dem klar war, dass Sie bleiben?

!Dieser Moment war von Anfang an da. Ich hatte ja immer den Wunsch geäußert, zu bleiben, zuvor gab es allerdings Gespräche über die zukünftige Ausrichtung. Wie zielstrebig möchte der Klub in die Zukunft steuern. Die Rückmeldungen haben mir sehr gut gefallen, auch vor dem Hintergrund, dass sich die Erwartungshaltung geändert hat und wir dieser gerecht werden wollen. Die Vereinsführung ist im Sommer mit der Anhebung der Kaderqualität in Vorleistung gegangen.

?Was war neben einer verbesserten Kaderqualität für Sie außerdem von Belang?

!Wir sind auf einem guten Weg und ich weiß, dass es Grenzen gibt, die ich respektiere. Es gibt aber in Sachen Infrastruktur gewisse Dinge, bei denen wir Luft nach oben haben. Beispielsweise bei der Frage, wie wir das Team um unsere Mannschaft herum erweitern können, das heißt, weitere Manpower hinzuzubekommen.

?Sie betonen die Notwendigkeit Dinge zu verändern, um Stillstand in bestimmten Bereichen zu vermeiden. Wie entstehen diese Veränderungsprozesse bei Ihnen?

!Oft wird die Gefahr von Abnutzung eher von außen hereingetragen. Dennoch muss man sich dessen bewusst sein, offen und kreativ sein und sich selbst hinterfragen. Manche Sachen werden über einen längeren Zeitraum geplant, andere spontan aus dem Bauch entschieden. Letztlich gilt es, über den Tellerrand hinaus zu schauen. Ich versuche, ständig neue Ideen und Impulse einzubringen und in Zusammenarbeit mit dem Verein umzusetzen. Neben der sportlichen Aufstellung der Mannschaft haben wir sowohl das Spielsystem als auch Abläufe in der Vorbereitung verändert. Man muss ständig neue Reize setzen, ohne Dinge zu überreizen. Das geht nur, wenn man eine Sache lebt. Ich lebe und fühle sowohl meinen Trainerberuf als auch den Verein.

?Wie haben Sie sich aus Ihrer Sicht im Laufe ihrer Trainerkarriere entwickelt?

!Man muss sich mit den aktuellen Trends auseinandersetzen, ohne auf jeden Zug aufzuspringen. Extrem wichtig ist mir, klar und authentisch zu bleiben. Außerdem ist es von großer Bedeutung, jederzeit das Gefühl für mannschaftliche Entwicklungen und solche, die den Verein betreffen, zu haben. Das bedeutet vor allem, Nähe zur Mannschaft, dem Verein und der Stadt zu besitzen.

?Sie haben bis 2020 unterschrieben. Wie wird sich der Profifußball aus Ihrer Sicht in den nächsten Jahren entwickeln und welche Fragen beschäftigen Sie persönlich, wenn es um die Zukunft des Fußballs geht?

!Ich denke, man sollte darauf achten, dass die Schere im Fußball nicht weiter auseinandergeht. Das betrifft nicht nur die ganz Großen, sondern auch den „Mittelstand“ des Fußballs. Auch dort entwickeln sich bestimmte Dinge bereits auseinander.
Ein Thema ist für mich zum Beispiel wie kleinere Vereine oder auch Traditionsclubs wie Waldhof Mannheim oder Rot-Weiss Essen eine Chance bekommen können, in den Profibereich zu kommen. Diese Frage ist eng mit der Notwendigkeit von Relegationsspielen verknüpft, die ich mittlerweile ablehne, weil die Arbeit einer ganzen Saison oft mit einem einzigen Tor zum Scheitern gebracht wird.
Daneben sind es allgemeine Fragen den Fußball betreffend. Wird die Verlängerung irgendwann mal abgeschafft? Muss man sich über die Spieldauer unterhalten, wenn die Nettospielzeit in manchen Partien nur 50 Minuten betragen hat? Gleiches gilt für die Beurteilung der Nachspielzeit, um die es oft Diskussionen gibt.

?Ihre Mannschaft hat nach acht Spieltagen, wie in der Aufstiegssaison 2012/2013, die Tabellenführung inne. Wie sehen Sie denn Ihr Team im Vergleich zu damals aufgestellt?

!Auch wenn ich mich über die momentan sehr gute Bilanz freue und stolz auf die herausragende Leistung bin, hat uns immer vor allem Bodenständigkeit weitergeholfen. Das heißt erstmal, die „kleinen“ Spieltagsziele zu erreichen und aktuell die Partie gegen den 1. FC Kaiserslautern zu gewinnen. Trotzdem wissen wir: Sollte es einmal wieder so weit kommen, dass wir uns mit diesem Thema beschäftigen müssen, bringen wir durch unsere Bundesligasaison sicherlich einen größeren Erfahrungsschatz als damals mit.

?Welcher Moment war für Sie das Highlight im bisherigen Saisonverlauf?

!Beim FC St. Pauli nach 25 Jahren wieder zu gewinnen war ein sehr schöner Moment. Ich würde mir wünschen, dass wir die Art und Weise, wie wir diese Partie bestritten haben, für die Zukunft verinnerlichen.
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