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Joachim Bäse: „Es muss eine Einheit auf dem Platz stehen“

Meisterkapitän mit der Meisterschale von 1967: Joachim Bäse. Foto: Susanne Hübner

Fußball: Der Kapitän der Meistermannschaft von 1967 spricht im NB-Interview über die Feierlichkeiten zur Meisterschaft und seine Karriere.

Von Elmar von Cramon, 06.06.2017.

Braunschweig. Joachim Bäse war als Kapitän der erste Eintracht-Spieler, der am 3. Juni 1967 die Meisterschale in die Höhe recken durfte. Seinen Spitznamen „Ackermann“ hatte der 1,87-Meter-Hüne für seine Einsatzfreudigkeit bereits zu seiner Zeit beim FC Wenden erhalten, aus dessen Jugend er 1959 zu den Blau-Gelben gewechselt war. Dort wurde er auch vom Offensivspieler zum Libero umgeschult und war auf dieser Position für seine gefährlichen Vorstöße bekannt. Nach 234 Bundesligapartien und einem A-Länderspiel wechselte er 1973 zu seinem Stammverein zurück. Die NB sprach mit dem 77-Jährigen über die Feierlichkeiten zur Meisterschaft, seine Karriere und die abgelaufene Saison der Löwen.

?Wie haben Sie die Gala anlässlich des 50-jährigen Meisterschaftsjubiläums erlebt?

!Das war eine einmalige Veranstaltung, die hervorragend organisiert gewesen ist. Wir haben uns alle sehr gefreut, dabei gewesen zu sein. Besonders schön haben mir die musikalischen Darbietungen gefallen. Außerdem hat man auf der Feier ja viele alte Bekannte und Weggefährten getroffen, die man teilweile seit Jahren nicht gesehen hatte.

?Auch die Tage vor der Feier waren bestimmt ereignisreich für Sie?

!Das stimmt. Schon vor der Feier kam Peter Kaack zusammen mit seiner Frau bei meiner Lebensgefährtin und mir zu Besuch. Gemeinsam haben wir uns dann über die alten Zeiten unterhalten und uns auf den Empfang im Rathaus und die Feier eingestimmt.

?Der Verein hat ja bereits die ganze Spielzeit über einiges auf die Beine gestellt. Zu Saisonbeginn haben die Meisterspieler das neue Trikot präsentiert, außerdem waren sie in einem Videoclip mit Sänger Axel Bosse zu sehen. Der Höhepunkt neben der Feier war bestimmt ihr Auftritt beim letzten Saisonspiel gegen den KSC, als sie im voll besetzten Stadion die Meisterschale in die Höhe gereckt haben ...

!Mit meinen Kameraden auf dem Platz zu stehen und die Meisterschale in die Höhe zu recken, war natürlich das Highlight. Ich hatte zwar kein blau-gelbes Hemd an, sondern ein weißes, das hat, denke ich, aber nichts ausgemacht. Die Choreographie haben die Fans sehr gut gemacht, das hat mir und meinen Kameraden sehr gut gefallen.

?Wie haben Sie die spannende Endphase der Saison erlebt, in der Eintracht nur hauchdünn am Aufstieg vorbeigeschrammt ist?

!Natürlich ist man im ersten Moment traurig. Eintracht hat ein wenig Pech gehabt. Es hätte auch umgekehrt kommen können, dass am Ende nicht Wolfsburg, sondern Eintracht jubelt. Schon davor gab es ja viele spannende Begegnungen. Die beiden Spiele gegen Hannover waren ja, wie schon zu meiner Zeit, brisante Duelle. Nun wird man in der neuen Saison sicherlich einen neuen Anlauf nehmen und hat ja auch schon einige neue Spieler verpflichtet. Ich würde mir für die neue Spielzeit etwas mehr Kopfballstärke wünschen.

?Eintracht hat in dieser Spielzeit gegen besser besetzte Teams mit Teamgeist dagegengehalten. Diese Tugend wurde auch von ihrer Meistermannschaft in herausragender Manier gelebt. Hat das damals den Ausschlag zum Gewinn der Meisterschaft gegeben?

!Ich denke schon. Die Kameradschaft war sehr wichtig, keiner war neidisch auf den anderen. Außerdem waren wir eine Truppe, die sich sehr gut kannte, das hat sich besonders positiv auf die Hintermannschaft ausgewirkt. Hat einer dem anderen etwas zugerufen, wusste jeder sofort, was er zu machen hatte. Das war gewissermaßen unser A und O, außerdem hatten wir mit Helmuth Johannsen einen Trainer, der uns ein perfektes System spielen gelassen hat. Sehr wichtig war auch, dass sich unsere Frauen unterein-ander gut verstanden haben. Sie haben uns zu Hause und oft auch auswärts unterstützt. Dieser Zusammenhalt und diese Kameradschaft von allen hat letztlich den Unterschied ausgemacht.

?Eintracht wurde nie wieder so erfolgreich wie damals und verschwand lange aus dem Profifußball. Hätten Sie damit gerechnet, dass die Mannschaft noch mal in die Bundesliga zurückkehrt?

!Von uns hat sicherlich keiner mehr damit gerechnet. Klar will jeder so gut spielen, wie er kann, aber bei Eintracht ist es zwischenzeitlich wirklich nicht gut gelaufen. Torsten Lieberknecht und Marc Arnold haben sehr gute Arbeit gemacht. Auch hier sieht man, dass es wichtig ist, neben Ahnung vom Fußball auch die Fähigkeit mitzubringen, im Team zusammenzuarbeiten.


?Was sagen Sie zum Zwangsabstieg von 1860 München, die Mannschaft, die ein Jahr vor Ihnen den Meistertitel gewann?

!Es ist schon schlimm, wenn man liest, was dort jetzt passiert. Ein Verein, der bei der Bundesligagründung mit dabei war, geht so in die Brüche. Für die Fans stelle ich mir das furchtbar vor. Eintracht hat ja zum Glück noch rechtzeitig die Kurve bekommen.

?Wie sehen Sie die Chancen auf eine Bundesligarückkehr in den kommenden Jahren?

!Sicherlich wird es durch die verlorene Relegation nicht einfacher, weil man gleich als einer der Favoriten gehandelt wird. Es muss eine Einheit auf dem Platz stehen. Wenn die Mannschaft von Beginn an eine richtige „Truppe“ ist, die zusammenhält. Anderswo, wie zum Beispiel in Wolfsburg, wird natürlich viel Geld für neue Spieler ausgegeben. Bringen die dann nicht die gewünschte Leistung, kommt schnell eins zum anderen und der Ärger ist groß. Zu meiner Zeit gab es ja noch nicht so viel Geld.

?Ihrer Verpflichtung ging eine schöne Anekdote voraus. Ihre Oma soll sich persönlich in die Gehaltsverhandlungen eingeschaltet haben?

!Ja, das stimmt. Damals kam Präsident Balduin Fricke persönlich ins Restaurant meines Vaters. Ich saß mit meinem Vater, meinem Onkel und Herrn Fricke am Tisch, als meine Oma fragte, ob sie sich „mal dazusetzen“ dürfe. Als Herr Fricke dann das Angebot machte, sagte sie in Braunschweiger Platt „Aber Herr Fricke, künn se denn nich ’n betken mehr Geld för den Sohn geben“. Leider hat er sich aber nicht dazu überreden lassen und meinte nur: „Das können wir jetzt nicht machen, wenn er gut ist, müssen wir ein bisschen mehr bezahlen“ (lacht).
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