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„In der 2. Liga herrscht ein hoher taktischer Anspruch“

Enttaeuscht Trainer Torsten Lieberknecht (Eintracht Braunschweig)

In Teil eins des NB-Interviews zieht Eintracht-Trainer Torsten Lieberknecht eine Bilanz der abgelaufenen Hinrunde.

Von Elmar von Cramon, 22.12.2017.

Braunschweig. Ein wechselhaftes Jahr liegt hinter Eintrachts Zweitligafußballern. Im ersten Teil des NB-Interviews zieht Trainer Torsten Lieberknecht eine Bilanz der abgelaufenen Hinrunde, in der seine Mannschaft aus verschiedenen Gründen ins untere Tabellenmittelfeld abrutschte. Im zweiten Teil schaut der 43-Jährige auf die anstehende Wintervorbereitung, spricht über Neuzugänge und die Eintracht-Fans.

?Wie haben Sie das Jahr 2017 in sportlicher Hinsicht erlebt?

!Spannt man den Bogen vom Düsseldorf-Spiel zum Gesamtjahr, würde man sagen, dass der Pfostentreffer von Ken Reichel in der ersten Jahreshälfte sicherlich im Netz gelandet wäre. In der jetzigen Situation springt er dem gegnerischen Torwart in den Rücken und der Nachschuss landet über dem Tor. Natürlich ist es nicht immer nur fehlendes Glück, trotzdem ist diese Situation in gewisser Hinsicht eine Art Spiegelbild der hinter uns liegenden Halbserie. Nach einer herausragenden Saison mit 66 Punkten muss man als Relegationsverlierer natürlich mit dem „Worst Case“ umgehen: Du spielst länger, steigst nicht auf und hast eine kürzere Vorbereitung. Ich sehe trotzdem keinen Zusammenhang zwischen der verlorenen Relegation und der aktuellen Situation. Wir haben den Auftakt in die Saison – bis auf das Ausscheiden im DFB-Pokal – gut hinbekommen. Leider haben wir in der Folge zu oft Unentschieden gespielt, was die Bewertung der Partien erschwert hat. Man war nie ganz unzufrieden, weitergebracht haben uns diese Ergebnisse aber nicht. Sicherlich hätte man das eine oder andere Spiel verlieren, viel öfter aber auch gewinnen können. Einige Male haben wir die Qualität vermissen lassen, Duelle früher zu unseren Gunsten zu entscheiden. Es ist ganz schwierig, das entscheidende Mosaiksteinchen zu finden, weil vieles zur aktuellen Situation beigetragen hat.

?Die vielen Sperren und Langzeitverletzten waren sicherlich zwei gravierende Faktoren...

!...beides hat ebenfalls dazu beigetragen, dass es eine unrunde Halbserie war. Wir hatten ungewöhnlich viele Sperren und in Regensburg sogar ein Spiel dabei, das wir mit acht Mann beenden mussten. Die Langzeitverletzten haben wir zwar thematisiert, aber nie als Ausrede herangezogen. Doch selbst unser etatmäßiger Torwarttrainer Alex Kunze war mit einem Achillessehnenriss betroffen, sodass wir während der Saison auch noch gezwungen waren, einen neuen Torwarttrainer zu finden und zu integrieren.

?Mit Mirko Boland und Domi Kumbela fielen erfahrene Akteure aus, die den Verein seit Jahren kennen. Inwiefern machte sich ihr Verlust auch außerhalb des Platzes bemerkbar?

!Das sind Jungs, die ihren Wert nicht nur in sportlicher Hinsicht unter Beweis gestellt haben, sondern auch in der Kabine extrem wichtig sind. Sie dienen den jungen Akteuren wie Ahmet Canbaz oder Eros Dacaj, die wir integriert haben, als Anker. Wenn solche Spieler wegbrechen, muss sich kurzfristig eine neue Hierarchie bilden und plötzlich sind Andere in der Verantwortung, für die das Neuland ist. Ich finde, das haben die Jungs ordentlich hinbekommen.

?Welche Rolle spielte die Ausgeglichenheit der Liga?

!Es war abzusehen, dass es so ausgeglichen zugehen wird. Das hat sich dann auch in den meist knappen Ergebnissen widergespiegelt. In der 2. Liga herrscht ein hoher taktischer Anspruch und alle Trainer bereiten ihre Mannschaft bestmöglich auf den Gegner vor. Auch die Kaderqualität ist weitestgehend ausgeglichen. Schlüsselspieler wie Mikael Ishak in Nürnberg oder Marvin Ducksch in Kiel haben für ihre Teams in entscheidenden Momenten den Unterschied ausgemacht. Bei uns sind solche Akteure wie zum Beispiel Christoffer Nyman oder Domi Kumbela lange verletzt ausgefallen. Beide haben in der vergangenen Spielzeit zusammen 25 Tore erzielt und hätten uns sicher helfen können, im einen oder anderen engen Spiel den entscheidenden Punch zu setzen. Das ist uns im Gegensatz zur Vorsaison nicht oft geglückt, genauso wenig ist es uns zu selten gelungen, ein Spiel mit einer über 90 Minuten konstant guten Defensivleistung erfolgreich abzuschließen.

?Wie werden Sie Weihnachten verbringen und was wünschen Sie sich für das neue Jahr?

!Ich werde mit meiner Familie zusammen ganz normale Weihnachten verbringen und versuchen, ein paar Tage abzuschalten. Für 2018 wünsche ich mir, dass alle gesund bleiben und schließe damit jeden ein, der sich angesprochen fühlt.
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