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Immer den Schnipseln auf der Spur

Gut gelaunt brechen wir in den diensttäglichen Hash auf. An meiner linken Seite Klaus Gerlich (gelbes Shirt), der sich an die Redaktion wandte, um seinen Sport vorzustellen. Fotos: Ammerpohl
 
Klaus Gerlich hatte im Vorfeld einige Toilettenpapier-Schnipsel entlang der Strecke zu befestigen.

Neue nB-Serie: Betreiben Sie eine ungewöhnliche Sportart, dann fordern Sie uns! – Heute: Hash-Laufen.

Von Andreas Konrad, 15.10.2016.

Braunschweig. „On“ schallt es durch den dunklen Wald. Dann wieder: „On“, „OnOn“. Und sofort folgt das Kommando: „OnOn links, geradeaus und rechts zurück!“ Wie Wassertropfen dem Ablauf entgegenfließen, nachdem der Stöpsel gezogen wurde, bewegen sich direkt gleißend helle Lichtpunkte dem Waldweg links der Kreuzung entgegen.

Klaus Gerlich hat hier heute das Kommando. Als er sich vor einigen Tagen bei uns in der Redaktion meldete, um Werbung für seinen Sport zu machen, sagte er, es ginge um eine Art Schnitzeljagd für Erwachsene, man würde sich jeden Dienstag um 20 Uhr in der Region Braunschweig, Gifhorn, Peine, Wolfsburg treffen. „Ich werde da sein“, sagte ich spontan dem nächsten Treffen zu und Gerlich gab mir noch auf den Weg: „Den genauen Ort erfahren Sie per E-mail und bringen Sie eine Stirnlampe mit.“ Hört sich ja richtig konspirativ an, dachte ich und widmete mich wieder dem Redaktionsalltag.

Dann am Sonntag die E-Mail. „Treffpunkt Restaurant ‚Holzwurm‘ im Polizeistadion Braunschweig.“ Heimspiel. Erleichtert nehme ich zur Kenntnis, dass ich, sollte ich bei der Schnitzeljagd verloren gehen, aus den Wäldern rund um das Polizeistadion zumindest nach Hause finden würde, schließlich habe ich sie im Lauf der letzten Jahre auch schon das eine oder andere Mal mit dem Rad oder zu Fuß durchquert. Jetzt noch schnell eine Stirnlampe organisiert und die Jagd kann beginnen.

So stehe ich also am Dienstagabend im Polizeistadion und warte auf meinen ersten „Hash-Lauf“. Klaus ist bereits vor Ort, unter Sportlern wird sich schnell geduzt, und auch die anderen Mitstreiter treffen ein, größtenteils mit vertrauter Begrüßung, schließlich bestehen die „Braunschweig Hash House Harriers“ bereits seit gut eineinhalb Jahren und sind seitdem ständig gewachsen. Neben mir sind aber auch zwei oder drei andere Neulinge dabei. Klaus, der den Hash „gelegt“ hat, wie es heißt, sagt, dass dieser heute elf Kilometer lang sei und erklärt kurz die Regeln. Meist an Bäumen entlang des Weges finden sich Kreidemarkierungen, die im Kern drei verschiedene Informationen preisgeben. „M“ heißt „Master“ und bedeutet den Läufern anzuhalten, weil ein gefährlicher Übergang folgt (Straße, Einsenbahn o.ä.), „CB“ heißt „Check Back“ und fordert die Läufer auf, umzukehren und sich hinter dem letzten der Gruppe wieder einzusortieren. Und eine Ziffer schließlich bedeutet, dass von diesem Punkt aus x verschiedene Richtungen für den weiteren Weg möglich sind.

Stirnlampe angeknipst und los geht es. Gleich nach wenigen Metern im Prinzenpark eine erste „3“ an einem Baum. Sofort verteilen sich die Läufer, die den Baum erreicht haben, von dort in drei Himmelsrichtungen entlang der möglichen Wege. Hier gilt es nun, an Büschen in Hüfthöhe befestigte Toilettenpapier-Schnipsel zu finden. Wird nach etwa 50 Metern ein Schnipsel gefunden, ruft der Läufer laut „On“ und hofft darauf, etwa 30 Meter weiter einen zweiten Schnipsel zu finden, denn nur dort geht der Weg weiter. Wird der zweite Schnipsel gefunden, heißt es „OnOn“ und Klaus weist an der Gabelung wartend mit der Wiederholung von „OnOn“ und der korrekten Richtungsangabe den falsch abgebogenen Läufern den richtigen Weg.

Ich liege gleich an der ersten Kreuzung falsch und muss die Beine in die Hand nehmen, um wieder zu den richtig abgebogenen Läufern aufzuschließen. Und so bewegt sich die Gruppe, bestehend aus 20 Läufern, vom Polizeistadion in Richtung Kloster Riddaghausen, über die Teiche in die Buchhorst und zurück. Es fällt mir anfangs schwer, im Schein der Stirnlampe die Markierungen zu erkennen, das ist aber auch zunächst nicht so wichtig. Das Verhalten der schnellsten Läufer kündigt die Zeichen an. Entweder schwärmen sie in unterschiedliche Richtungen aus oder kommen dir beim „Check Back“ entgegen. So ist es möglich, dass Läufer unterschiedlichster Leistungsniveaus gemeinsam laufen können, angefangen bei dem, der die elf Kilometer gemütlich durchläuft, bis hin zu dem, der stets nach vorne prescht und durch falsches Abbiegen oder „Check Backs“ am Abend 15 Kilometer in hohem Tempo auf der Uhr hat. Ich liege mit knapp 13 Kilometern irgendwo dazwischen und finde es interessant durch die ständige Durchmischung der Gruppe immer wieder mit anderen Hashern ins Gespräch zu kommen. So erfahre ich von einem Zwischenfall in Groß Schwülper – nach mehreren Einbrüchen dort hatte sich eine Art Bürgerwehr gebildet, die etwas empfindlich auf eine Nachts mit Strinlampen umherlaufende Gruppe reagierte.
Und ich erfahre, dass ein Teil der Gruppe Anfang Dezember den „Cheshire Hash House Harriers“ in der Nähe von Manchester einen Besuch abstattet und dort an deren Charity-Lauf „Tatton Yule Yomp“ teilnimmt. Die „Cheshire Hash House Harriers“ sind verantwortlich für die Existenz der Braunschweiger Hasher. Mitbegründer Roy Sauer war beruflich drei Jahre in England und brachte den Lauf von dort mit.

Eine sehr gute Idee, wie ich finde. Hashen macht wirklich Spaß und ist für alle, die gerne laufen, eine echte Trainings-Bereicherung!


INFOBOX

Hash-Läufe lehnen sich an eine „moderne Schnitzeljagd für Erwachsene“ an und gehen in ihrem Ursprung auf eine Erfindung britischer Offiziere während der Kolonialzeit in Malaysia zurück. Derzeit gibt es weltumspannend circa 2000 Gruppen von „Hash House Harriers“. Bei allen steht der Spaß im Vordergrund.

Der erste Lauf der „Braunschweig Hash House Harriers“ fand am 21. April 2015 statt. Gestartet wurde mit Stirnlampen in Wendeburg von den Wendezeller Stuben. Mittlerweile umfasst der Verteiler der Gruppe über 50 Läufer. Die Länge der Läufe beträgt immer circa zehn Kilometer. Die Laufgeschwindigkeit ist individuell. Die Gruppe läuft jeden Dienstag um 20 Uhr in der Region, der genaue Ort wird per E-Mail-Verteiler bekanntgegeben. Treffpunkt ist immer ein Lokal, in dem man sich im Anschluss noch auf ein Getränk zusammensetzen kann.

Kontakt: klaus.gerlich@arcor.de; Internet: http://braunschweighash.jimdo.com.
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1 Kommentar
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Martin Bergien aus Meine | 15.10.2016 | 11:39  
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