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„Ich würde gern noch eine Saison dranhängen“

Konzentriert: Eintrachts Deniz Dogan. Foto: Hübner

Fußball: Im Interview mit der NB blickt der 37-jährige Deniz Dogan auf die abgelaufene Spielzeit bei den Blau-Gelben zurück.

Von Elmar von Cramon, 09.06.2017.

Braunschweig. Vor genau zehn Jahren wechselte Deniz Dogan vom VfB Lübeck zu Eintracht und schaffte mit den Löwen den Weg von der 3. in die 1. Liga. Seit 2015 tritt er für die U23 des Vereins an, wo er in der abgelaufenen Spielzeit in allen Partien zum Einsatz kam. Parallel dazu absolviert der 37-Jährige seine Trainerausbildung und ist seit kurzem Inhaber der A-Lizenz. Für die NB blickt er auf die abgelaufene Spielzeit bei den Blau-Gelben zurück.

?Wie haben Sie die abgelaufene Saison der ersten und zweiten Mannschaft erlebt?

!Von den Verantwortlichen wurde eine super Arbeit geleistet, auch weil die neuen Spieler allesamt eingeschlagen haben. Es stand immer eine sehr homogene Truppe auf dem Platz, die offensiv mit schnellen Spielern besetzt war und defensiv in den meisten Spielen sicher stand. Ich selbst freue mich über eine so gute Saison und habe zu den Spielern nach wie vor guten Kontakt.
In der zweiten Mannschaft sind wir nach dem Umbruch schlecht gestartet. Es hat etwas gedauert, bis wir in die Spur gefunden haben. Die Rückrunde war dann aber sehr gut, sodass wir uns am Ende über den Klassenerhalt freuen konnten.

?Wie haben Sie das Relegationsduell gegen den VfL Wolfsburg gesehen?

!Insgesamt war es ein Duell auf Augenhöhe. Torsten Lieberknecht hatte eine sehr gute taktische Marschroute gewählt, die die Mannschaft auch sehr gut umgesetzt hat. Vor dem unberechtigten Elfmeter hätten wir selbst in Führung gehen können. Geht die Partie 0:0 aus, hätte man in Braunschweig noch bessere Karten gehabt. Im Rückspiel hatten wir in der ersten Halbzeit ebenfalls die besseren Torchancen, auch hat man den Wolfsburgern die Nervosität angemerkt. Mit dem Gegentor war klar, dass es sehr schwer werden würde, trotzdem hat die Mannschaft auch danach weitergekämpft und den Zuschauern ein gutes Spiel geboten.

?Beim überraschenden Bundesligaaufstieg 2013 war vor allem der Teamgeist ausschlaggebend. Auch in dieser Saison konnte Eintracht den vermeintlich besser besetzten Teams damit erfolgreich Paroli bieten. Welche Rolle kommt dem mannschaftlichen Zusammenhalt im Profisport zu?

!Alle Mannschaften, die am Ende oben stehen, müssen einen guten Teamgeist gehabt haben. Auch im unteren Tabellenbereich der 2. Liga findet man ja Vereine mit sehr guten Einzelspielern, bei denen es aber wohl in anderer Hinsicht nicht optimal gelaufen ist. Bei einer neu zusammengestellten Mannschaft kann der „Findungsprozess“ allerdings auch mal länger dauern. Manchmal muss man zwischendurch Korrekturen vornehmen, sodass es im Extremfall sogar eine ganze Saison in Anspruch nimmt.
Wir hatten bei unserem Aufstieg eine im Kern seit Jahren eingespielte Mannschaft, in der jeder wusste, wie der andere tickt. Die Marschroute war klar, sodass wir die richtigen Komponenten beisammen hatten. Auch Darmstadt 98 hat dies vor zwei Jahren sehr gut geschafft: Die Mannschaft hatte zwar keine überragenden Einzelspieler, ist innerhalb kurzer Zeit aber als Team gereift. Gelingt so was, ist viel möglich, und wenn alle in dieselbe Richtung denken, kommt am Ende meist etwas Gutes raus.

?In den vergangenen Jahren hat die erste Mannschaft in der Rückrunde oft den Kontakt nach ganz oben abreißen lassen. Was gab aus Ihrer Sicht den Ausschlag dafür, dass man in diese Spielzeit genau wie in der Aufstiegssaison 2013/14 bis zum Schluss oben geblieben ist?

!Im Aufstiegsjahr hatten wir nach einer sensationellen Hinrunde ein Punktepolster. In der Rückrunde haben wir die Siege zwar nicht mehr so souverän wie davor eingefahren, unsere Punkte aber geholt und den Aufstiegsplatz so verteidigt. In dieser Saison ging es enorm eng zu, sodass das Team vom Gejagten zum Jäger und umgekehrt wurde. Das führt dazu, dass Trainer und Spieler mehr wagen, weil sie dranbleiben wollen. Insgesamt hat die Mannschaft sehr gute Arbeit abgeliefert.

?Wie beurteilen Sie die Aussichten der Zweitligamannschaft für die kommende Spielzeit?

!Eine Garantie für einen Platz unter den ersten dreien gibt es trotz der Relegationsteilnahme nicht. In finanzieller Hinsicht herrschen bei einigen Zweitligaklubs noch mal andere Voraussetzungen, die die Verantwortlichen bei Eintracht durch gute Arbeit auszugleichen versuchen. Von ihrer Leistungsfähigkeit her ist die Mannschaft sicherlich im oberen Drittel anzusiedeln.

?Als spielender Co-Trainer haben Sie inzwischen einen noch besseren Einblick in die Verzahnung zwischen Nachwuchs- und Profibereich. Was gab den Ausschlag, dass mit Gerrit Holtmann, Max Sauer, Niko Kijewski oder Phillip Tietz zuletzt hoffnungsvolle Talente entwickelt wurden und die A-Jugend den DFB-Pokal gewonnen hat?

!Die Kommunikation ist sehr gut, es erfolgt ein reger Austausch. Wir alle wissen, wie Torsten Lieberknecht tickt und worauf er bei den Spielern wert legt. In der Anfangszeit im Herrenbereich brauchen sie Zeit und vor allem Spielpraxis, die sie in der U23 sehr gut sammeln und sich so weiterentwickeln können. Torsten und Marc sind oft bei den Spielen der Nachwuchsteams, das registrieren auch die Spieler. Sie wissen, dass sie bei entsprechenden Leistungen die Chance bekommen, Profi zu werden. In Bezug auf Nachwuchsspieler, egal ob aus der U23 oder aus dem Nachwuchsleistungszentrum, ist aber wichtig im Hinterkopf zu behalten, dass nicht immer alles von heute auf morgen passiert.

?Wie hat sich Ihre eigene Sichtweise verändert, seitdem Sie selbst Trainer sind?

!Wenn ich auf dem Platz stehe, bin ich in erster Linie Spieler, das hat sich im Vergleich zu früher nicht verändert. Dennoch profitiere ich auch als Spieler von meinen Trainerlehrgängen, weil sich einem nun bestimmte Trainerentscheidungen noch schneller erschließen. Der Horizont erweitert sich und man kann die taktische Marschroute auf dem Platz noch besser umsetzen oder seinen Mitspielern helfen. Auch in Bezug auf Videoanalysen habe ich gelernt schneller zu erfassen, wo ein Spieler Dinge falsch oder richtig macht und kann ihm dies danach näher bringen. Solange ich Spieler bin, halte ich mich mit meiner Co-Trainerrolle aber noch bewusst zurück und leite zum Beispiel nicht das Abschlusstraining vor dem Spiel.

?Wie sehen Ihre eigenen Zukunftspläne nach dem Erwerb der A-Lizenz aus?

!Wir sind in Gesprächen, ich bin fit und würde gern noch eine Saison dranhängen, die dann aber meine letzte als Spieler ist. Danach würde ich gern meinen Fußball-Lehrer machen, Verantwortung übernehmen und meine Erfahrung weitergeben.
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