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„Ich wünsche mir etwas mehr Fairness“

Eintracht-Braunschweig-Anhängerin Iris Beer liebt den Fußball – und mag es gar nicht, wenn Fans aggressiv werden.

Von Marc Wichert, 16.11.2011.

Braunschweig. Eigentlich macht Iris Beer nicht viel Aufhebens um ihre Leidenschaft für den Fußball. Dabei hat sie viel zu erzählen – von Absätzen in Block 9 und Applaus für die Gegner.

Keine blau-gelbe Flagge, kein blau-gelber Zaun, überhaupt nichts Blau-Gelbes: dem Haus von Iris Beer erkennt der Besucher nicht an, dass hier ein Eintracht-Fan lebt. Dann aber doch – Iris Beer im typischen Fan-Look mit Mannschafts-Trikot, Armschmuck blau-gelb und Schal, selbstgestrickt und ein halbes Menschenleben alt.
Wann ist man eigentlich ein wahrer Fan? Iris Beer ist zurückhaltend. „Na ja, so richtig kann ich das gar nicht sagen.“ Sie zuckt mit den Schultern.
Eine Bekannte schlug die 51-Jährige für die Serie „Wahre Fans“ der neuen Braunschweiger vor. Am Telefon erst Zögern, schließlich doch die Zusage für ein Treffen. Bei ihr Zuhause – Und so wenig Blau-Gelb von außen, so viel Eintracht-Fan steckt im Innern von Haus und Herz.
Iris Beer besitzt zum Beispiel die lebenslange Dauerkarte. Ein Blick auf die Rückseite zeigt: es ist die Nummer 1. „Ich wollte gar nicht die Erste haben. Mir war nur wichtig, überhaupt eine zu bekommen“, sagt Beer. Nachdem sie in der Zeitung vom Verkaufsstart gelesen hatte, fuhr sie nach kurzer Überlegung zum Stadion. Weil sie zu früh war, hat sie sich noch mal ins Auto gesetzt, bis andere „Lebenslange“ vor ihr in der Reihe standen. Die hätten aber nicht genug Bargeld dabeigehabt, sagt sie. So wurde Iris Beer erste Goldkarten-Besitzerin. Mit keinem Bargeld dieser Welt zu bezahlen und um einiges wertvoller dürften ihre Eintracht-Alben sein. Auf dem Tisch in ihrem Wohnzimmer liegen sie ausgebreitet, vier blau-gelbe Jahreschroniken. „Die hat mein Vater gemacht. Das erste Album ist aus dem Meisterschaftsjahr 67“, sagt Iris Beer. Die Alben hat sie wie die Liebe zum Fußball von ihrem Vater Walter Palm geerbt. Der ist in diesem Jahr gestorben – am Wochenende der Aufstiegsfeier. „Da war ich natürlich im Krankenhaus“, sagt sie. Aber zumindest habe er die Rückkehr in die 2. Bundesliga noch mitbekommen.
Beim Durchblättern der Wälzer im A-3-Format fällt die Liebe zum Detail auf. Da sind etwa die einzelnen Zeitungsausschnitte allesamt mit Filzstift blau-gelb umrahmt. Spielberichte wechseln sich ab mit Bundesligatabellen und selbst gedichteten Versen über die Eintracht. Die Rangfolge des „Sport-Reports“ in der Ausgabe vom Montag, den 21. Oktober 1968 gibt an: „1. Bayern, 2. Gladbach, 3. Braunschweig“! Was für Zeiten für Braunschweiger Fußball-Fans...
Ihr Vater war es auch, der sie Anfang der 70er-Jahre mit ins Stadion nahm. Es war das Abstiegsspiel gegen Düsseldorf, erinnert sich Iris Beer heute noch. Von da an war sie immer dabei, Block 9, oft in hochhakigen Stiefeln – damit sie etwas sehen konnte. Fußball spielte schon immer eine wichtige Rolle im Leben der zweifachen Mutter. Der Sport im Ganzen. Sie geht zum Badminton, ist beim Kinderturnen und Walken Übungsleiterin.
Als kleines Mädchen hat sie Fußball gespielt. „Mit zwei Jahren habe ich angefangen“, sagt sie. Jetzt schaut sie nur noch zu, nicht nur bei der Eintracht. „Fußball gefällt mir einfach.“
Was ihr gar nicht gefällt, ist das Aggressive, ob gegenüber den gegnerischen Fans, dem Schiedsrichter oder dem Trainer. „Jeder hat doch das Recht, von einer Mannschaft Fan zu sein.“ Immer wieder betont sie das. Sagt auch, jeder könne doch mal Fehler machen, da muss man als Fan nicht gleich rufen: „Trainer raus“, oder dem Schiri Gewalt androhen.
Iris Beer jedenfalls respektiert jeden Gegner. „Und ich klatsche auch, wenn die Spielernamen der anderen Mannschaft aufgerufen werden“, sagt sie. Jeder habe das Recht, Fan von wem auch immer zu sein.
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