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Hochmut kommt vor dem Pardauz

Die Eintracht-Anhänger bejubeln ausgelassen das 2:0 durch Domi Kumbela. Foto: André Pause

Das Auswärtsspiel in Wolfsburg: Dieser „Schnupperkurs“ hat uns Spaß gemacht

Von André Pause, 06.10.2013.

Braunschweig. Petrus scheint gallig zu sein an diesem Sonnabend. Den ganzen Tag kotzt er sich aus, Pardon: regnet es. Für Kumpel Sebastian, der uns zwei beiden die Eintrittskarten für die Fußball-Bundesliga-Partie unserer Eintracht beim Nachbarn mit der dicken Marie geordert hat, ein unverrückbar gutes Zeichen: „Fritz-Walter-Wetter, das hilft uns“, erzählt er im gut gefüllten Sonderzug, der bereits um 12.30 Uhr in Wolfsburg ist. Na ja, denke ich. Wär ja zu schön.

Etwa eine Stunde werden alle Eintracht-Fans im und am Bahnhof eingepfercht. „So behandelt man keine Gäste“, schießt es mir durch den Kopf – bereits zum zweiten Mal. Für die erste Zornesröte in meinem Gesicht haben zuvor die Ticketpreise für den Braunschweiger Anhang gesorgt. Die prozentuale Errechnung der Kartenteuerung von 19 auf 35 Euro überlasse ich dem Gastgeber, auf dass er sich dafür für immer in die Ecke stellen und schämen möge.
Für einen Lichtblick vor der sterilen Arena mit seinen auf Wolfsburg Payment und Kartenzahlung im weitesten Sinne spezialisierten Bierbuden sorgt Lotte. Die proppere Frau vertickt aus dem Korb ihres Fahrrades Braunschweiger Pils gegen Bares, ein Angebot, das viele nicht ausschlagen können.
Das Aufflackern von Erträglichkeit währt jedoch nur kurz. Die Wolfsburger Kurve legt sich ein einziges Mal in 90 Minuten in die selbige: „Wir begrüßen die Fußballvorstadt der Region zum Schnupperkurs Bundesliga“. Uiuiui! Das war’s dann auch schon. Während sich ob des Spielverlaufs die Laune bei den Grün-Weißen von Minute zu Minute verschlechtert, wird die Stimmung in der Gästekurve zusehends gelöster. Dem ersten Tor durch Karim Bellarabi folgen höhnische Gesänge Richtung Werksklub-Support: „Und das soll euer Derby sein?“. Das 2:0 veranlasst einen großen Teil der VfL-Getreuen schließlich zur Stadionflucht. Hochmut kommt vor dem Pardauz.
Kurz nach Spielende ist das Stadion zur Hälfte leer. Die andere Hälfte feiert die Eintracht und Trainer Torsten Lieberknecht. Eines steht mal fest: So macht der Schnupperkurs Spaß.
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