Anzeige

Fünf Titel in Folge? Schwer, aber machbar

Football: Die Braunschweig Lions eröffnen am Sonntag (15 Uhr) im Eintracht-Stadion gegen die Stuttgart Scorpions die GFL-Saison 2009

Von Daniel Beutler, 22.04.2009

Braunschweig. In den vergangenen vier Jahren waren die Braunschweig Lions das Maß aller Dinge in der German Football League. Vier Meistertitel in Folge sprechen eine deutliche Sprache. Doch es bahnt sich eine Verschiebung der Kräfteverhältnisse an, die schon in der abgelaufenen Saison erkennbar war.

Vor allem in der GFL-Nordgruppe findet ein „Wettrüsten“ statt. Dabei stechen besonders die Kiel Baltic Hurricanes und die Berlin Adler heraus, die wieder enorm in ihre Kader investiert haben (siehe Seite 19). Bereits vergangene Saison konnten sie den Lions das Leben schwerer machen als in den Jahren zuvor. Das wird sich in dieser Spielzeit fortsetzen. Dem gegenüber steht das Konzept der Lions, das vorsieht, junge und talentierte Spieler in die Löwenstadt zu holen. Die aktuelle Situation, und auch jene aus dem Jahr 2008, die mit dem dogmatischen Wort „Umbruch“ versehen sind, sind Zeugnis und Anlass für die neue Ausrichtung. Sie wurde mit dem neuen Headcoach Javier Cook 2008 zwangsläufig eingeleitet. Über 35 Spieler verließen das Team seit Ende 2007, die meisten, weil sie ihre Karriere beendeten. Normal sind sechs bis sieben Abgänge pro Saison.
Zu wenig wurde von den Coaches vor Cook auf den Nachwuchs gesetzt. Kent Anderson und Gary Spielbuehler wollten den schnellen Erfolg – um und vor allem für jeden Preis. So versuchen Kiel und Berlin jetzt auch an den Titel zu kommen. Schließlich haben die Lions mit dieser Taktik sieben Deutsche Meisterschaften gewonnen. Es funktioniert also. Zumindest solange, bis die mangelnde Perspektivarbeit für die kommenden Jahre nicht mehr kleinzuhalten ist. Die
47 Spieler im Team von 2007 waren im Durchschnitt 27,66 Jahre alt. Mittlerweile ist der Schnitt auf 26,06 Jahre bei 68 Spielern gesunken. Dabei erreichen die
26 Neuverpflichtungen dieser Saison im Schnitt 25,08 Jahre.
Es geht also weg von der Philosophie, sich den Erfolg mit gestandenen, aber alten Spielern „kaufen“ zu wollen. Stattdessen wird für den Erfolg gearbeitet, indem junge Spieler geholt und hier ausgebildet werden. Dass dabei Einschnitte hinzunehmen sind, ist den Verantwortlichen bewusst. Aber die Rückkehr an die unbestrittene Spitze der GFL ist fest eingeplant. „Wir sind uns sicher, dass wir junge Spieler geholt haben, die in zwei, drei Jahren zu den Top-Leuten der GFL gehören“, sagt Lions-Sportdirektor Dirk Miehe. Dabei setzen die Braunschweiger auf eine langfristige Bindung an den Verein. Den jungen Spielern wird geholfen, in der Löwenstadt sesshaft zu werden. Das soll den Kader auf lange Zeit zusammenhalten.
Die aktuelle Saison liegt noch am Anfang des neuen Weges der Lions. Und bedenkt man das Aufrüsten der Konkurrenten, besonders im Norden, darf man von dem jungen Team nicht zu viel erwarten. „Natürlich gehen wir in jedes Spiel, um zu gewinnen“, sagt der Cheftrainer, „aber wir müssen erst noch sehen, was wir in der Lage sind zu leisten.“ Ob die fünfte Deutsche Meisterschaft in Folge möglich ist, bleibt abzuwarten. Das Team ist jedenfalls gut aufgestellt.
Der Angriff ist auf vielen Positionen so besetzt wie 2008, und das Funktionieren hängt zunächst hauptsächlich von der Offensive Line ab. Hier stellt sich die Frage, wie die neu zusammengestellte Truppe es schafft, Quarterback Dennis Zimmermann zu beschützen, beziehungsweise für Läufe vorzublocken. Gelingt dies gut, hat Zimmermann mit Ryan Voss, Dominic Hanselmann und Christian Bollmann drei Top-Receiver der GFL als Anspielstation. Runningback Jabari Johnson zeigt bereits seit der Saison 2007 gute Leistungen im Löwentrikot, und sein agiler Laufstil könnte Schwächen im Vorblocken der Offensive Line kompensieren.
In der Verteidigung macht sich der Umbruch am stärksten bemerkbar. Fast die komplette Pass- und Laufverteidigung brach weg. Die Defense Line bleibt aber in ihrem Kern bestehen, das lässt hoffen. Sollten die Defense Ends Patrick Finke und Christian von Einem an die Leistungen des Vorjahres anknüpfen, ist kein gegnerischer Quarterback sicher. Zudem wurde mit Defense Coordinator Dogan Özdincer ein Fachmann verpflichtet. Je nachdem, wie schnell die Defense sein System umsetzten kann, sollte auch sie gut für die Saison gewappnet sein. In Berlin formte Özdincer vergangene Saison die beste Verteidigung der Liga. So düster sieht es also nicht aus. Die Chancen, dass die Lions auch dieses Jahr wieder das Maß aller Dinge sind, stehen vielleicht schlechter als die Jahre zuvor. Aber unmöglich ist es nicht.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.