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„Fast wie Autoscooter fahren“

Paralympische Herausforderungen beim Projekttag „Neue Sporterfahrung“ an der Gaußschule.

Von Christoph Matthies, 10.11.2010.

Braunschweig. Am Dienstag hatten Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Gaußschule die Gelegenheit, an einem Sportunterricht der besonderen Art teilzunehmen.

„Es macht mehr Spaß als normaler Basketball“, schildert die 13-jährige Joanna dem verblüfften Journalisten ihre Eindrücke der vergangenen eineinhalb Stunden. „Es war cool. Ich hätte nicht gedacht, dass es so leicht ist. Fast wie Autoscooter fahren“, bestätigt die gleichaltrige Marie das begeisterte Lob der Mitschülerin.
Der Grund für den Enthusiasmus der Schülerinnen ist ein so außergewöhnliches wie begrüßenswertes Projekt, das am Dienstag an der Gaußschule am Braunschweiger Löwenwall stattfand. Sechs Klassen der Stufen sieben bis neun versuchten sich je eine Doppelstunde lang an zwei Sportarten, die eigentlich nicht auf dem Lehrplan stehen – aus dem Programm der „Paralympics“, der Olympischen Spiele für Menschen mit Körperbehinderung, allerdings nicht mehr wegzudenken sind.
Unter Anweisung von fachkundigen Trainern und auf Initiative der Deutschen Telekom schnupperten die Schülerinnen und Schüler unter dem Motto „Neue Sporterfahrung“ entweder in den Rollstuhlbasketball oder in das weniger bekannte, von blinden und sehbehinderten Athleten betriebene Teamspiel Goalball hinein. „Wir wollen dabei helfen, Hemmungen gegenüber Behinderten abzubauen, Fairness und Respekt zu fördern“, erläutert Projektleiter Timo Beier, der seit Oktober 2009 mehrere hundert Schulen in ganz Deutschland besucht, die Intention des originellen Sportunterrichts.
Jens Löffelsend, Sportlehrer an der Gaußschule, zeigt sich von der Idee der „Neuen Sporterfahrung“ begeistert. Als Vorsitzender der SG Braunschweig eigentlich ein Basketballverrückter, hat es Löffelsend besonders der Goalball angetan, ein Ballsport, bei dem das Gehör eine entscheidende Rolle spielt. „Ich kann mir das auch gut im normalen Sportunterricht vorstellen“. Schulleiterin Christine Lenck-Ackermann ist von der integrativen Wirkung des Projekts überzeugt. „Schön finde ich, dass Berührungsängste hautnah abgebaut werden, unsere Schüler sich auf Augenhöhe mit behinderten Sportlern befinden“, schildert die Rektorin ihre Eindrücke vom Rollstuhlbasketball.
Klingt ja alles gut, aber „besser als ‚normaler‘ Basketball“? Das muss der skeptische Journalist dann doch einmal ausprobieren und setzt sich in einen der 20 zur Verfügung stehenden Sportrollstühle. Und tatsächlich sind die Gefährte leichtgängig, wendig und machen viel Spaß. Wie Autoscooter fahren eben.
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