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„Es geht um gemeinsamen Spaß und Bewegung“

Die Niedersachsen-Meister des Polizeisportvereins sind der einzige Indiaca-Verein Braunschweigs – und einer von fünf in Niedersachsen.

Von Jens Radulovic, 28.07.2010.

Braunschweig. Ein Freitagabend während der Fußball-WM: Ganz Braunschweig sieht gebannt auf die Bildschirme. Ganz Braunschweig? Nein. Eine kleine Schar motivierter Indiaca-Spieler zieht es trotz der Wärme vor, in einer kleinen Halle ihrem Sport nachzugehen. Und ich bin dabei.

Am Anfang dieser Unternehmung stand bei mir die Frage: Was ist eigentlich Indiaca? Die Antwort aus dem Internet: Indiaca ist im Prinzip Volleyball, gespielt mit einem „Indiaca“ genannten kissenähnlichen
Spielgerät mit vier Federn.
„Im Gegensatz zum Volleyball wird man hier von keinem festen Ball getroffen und bleibt komplett verletzungsfrei“, sagt Kassenwart Hagen Gädke-Lütjens.
Nach dem Umziehen und Warmlaufen schreiten wir unter der Anleitung von Trainer Andreas Wächter zur ersten Übung: Wir stellen uns paarweise gegenüber auf. Ein Spieler bleibt auf seiner Linie stehen und schlägt abwechselnd lange und kurze Pässe, der andere muss diese erlaufen und zurückschlagen. Nach wenigen Schlagversuchen widerlege ich auf meine ganz eigene Art die Behauptung von Hagen, Indiaca sei ein verletzungsfreier Sport: Ich verfehle beim Schmetterversuch das kleine Spielgerät, und es landet knapp neben meinem Auge im Gesicht. „Mir hat es auch schon einmal die nagelneue Brille zerlegt“, erzählt mir Thomas Deppermann. Auch die zweite Übung ist aus dem Volleyball bekannt: Ich schlage die Indiaca aus dem Rückraum zu einem am Netz nahe der Seitenlinie postierten Steller und laufe zum Netz, um den zugespielten Ball zu schmettern. Anschließend stelle ich mich auf der anderen Seite des Netzes auf, um den nächsten Schmetterball zu blocken. „Ich habe mir die Übungen im Internet angelesen“, erzählt Andreas, der erst seit kurzem den Trainerposten übernommen hat, weil sein Vorgänger wegen Umzugs die Trainerposition aufgeben musste.
Jetzt wird gespielt: Jedes Team besteht aus fünf Spielern, drei am Netz, zwei im Rückraum. Während man beim Volleyball meist beide Hände an den Ball bekommen muss, um die nötige Kontrolle zu erhalten, wird die Indiaca einhändig gespielt. Dies und die geringe Geschwindigkeit des Spielgerätes erleichtern die Annahme, die geringe Größe und asymmetrische Form erschweren sie allerdings. So verpasse ich einige sicher geglaubte Pässe und Schmetterbälle. „Ich habe auch erst im November angefangen“, sagt Silvia Boschatzky und macht mir Mut: „Das Schöne an dem Sport ist, dass man unheimlich schnell Fortschritte macht.“ Sie hat recht: Nach einigen Versuchen gelingt es mir, einen Schmetterball am Netz zu blocken. Ein motivierendes Erfolgserlebnis. Trotzdem: Nach jedem Spiel wechseln die Teams durch – und meine Mannschaft verliert jedesmal.
Der PSV bietet als einziger Verein in Braunschweig diesen aus Südamerika stammenden Sport an. Die Braunschweiger sind amtierender Niedersachsen-Meister in der Altersklasse 19 bis 35 Jahre. „In ganz Niedersachsen gibt es fünf Vereine, drei davon in Ostfriesland“, sagt Andreas. Und da keiner von diesen für die Altersklasse gemeldet hatte, relativiert sich der Titel ein wenig. „Vergangenes Jahr sind wir auch bei den Norddeutschen Meisterschaften gewesen, da gab es große Leistungsunterschiede“, sagt Joachim Maresch, Spieler und Trainer der Dienstaggruppe, „Ach ja, das war, wo wir so... dazugelernt haben, sag ich mal“, erinnert sich Andreas.
Vor allem die Freizeitturniere seien ein tolles Erlebnis, mit Aktivitäten am Rande wie gemeinsamem Grillen. „Uns geht es vor allem um den gemeinsamen Spaß und die Bewegung“, sagt Joachim.
Apropos „Gemeinsamkeit“: Gemischte Mannschaften sind bereits im Indiaca-Regelwerk vorgesehen. Eine besondere Form des gemeinsamen Miteinanders haben die PSVler darüber hinaus entwickelt: Die „Unisex“-Umkleide. „Aus Tradition“, begründet Spielerin Hendrikje Lütjens die ungewöhnliche Maßnahme, „früher war in der zweiten Umkleide ein anderer Verein, und als sie frei wurde, haben wir das einfach beibehalten.“
„Wie wäre es mit Tretbootfahren auf der Oker am Sonntag“, fragt Andreas beim anschließenden Umziehen in die Runde. Bei der Indiaca-Gruppe des PSV wird „Gemeinschaft“ groß geschrieben – auch außerhalb des Spielfeldes.
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