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Eintracht-Fans misstrauen Kodex

Kritische Stimmen bei der Versammlung – Fanprojekt kritisiert Umschichtung.

Von Robin Koppelmann, 22.07.2012.


Braunschweig. Damit hätte Rainer Ottinger, Eintracht Braunschweigs 1. Vizepräsident, wohl nicht gerechnet: Bei der unlängst abgehaltenen Fanversammlung musste sich der Funktionär ungewohnt vielen kritischen Fragen stellen.

Der Grund: Eintracht hatte am vergangenen Dienstag den Sicherheitskodex des Deutschen Fußball Bundes (DFB) bedenkenlos mitunterzeichnet.
In dem Papier ist fixiert, wie sich Fußballfans in der kommenden Spielzeit zu verhalten haben: Pyrotechnik und Gewalt werden klar verurteilt, die Vereine sollen bei Verstößen mit harten Strafen von bis zu zehn Jahren Stadionverbot reagieren können – und müssen umgekehrt damit rechnen, vom Verband mit deftigen Sanktionen bei Verstößen belegt zu werden. Auch das Stehplatzverbot ist nicht endgültig vom Tisch, dies haben die Klubs mit ihrer Unterschrift verbindlich zugesagt.
Bei den Fans stößt das auf Misstrauen, denn eigentlich hatte Ottinger zugesichert, dass Verein und Anhänger ihre Probleme weiterhin gemeinsam lösen wollen – was nun schwierig wird, wie Fanprojektleiter Karsten König erklärt: „Durch diesen Kodex ist die Messlatte für die Vereine enorm hoch gelegt. Bei Verfehlungen stehen sie unter Zugzwang und müssen handeln.“
Im Extremfall wäre der Spielraum für konstruktive Gespräche also stark verengt – und auch die angekündigte Aufstockung der Gelder für die Fanprojekte sieht König kritisch: „Ich halte es für einen Skandal, in einer Pressemitteilung von einer dringend nötigen Mittelerhöhung für Fanprojekte zu sprechen und in der Realität gibt es die überhaupt nicht, sondern nur eine Umschichtung.“ Gemeint ist der Umstand, dass der DFB nunmehr fünfzig Prozent der Gelder stellen und damit eine entsprechende Machtfülle besitzen wird.
Rainer Ottinger kündigte an, dass sich „der Verein mit den Fanvertretern erneut beraten möchte.“ Dabei dachte er wohl auch an seine Kollegen von Union Berlin: Denn diese waren dem Gipfel von Beginn an ferngeblieben und haben den Kodex nicht unterzeichnet.
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