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Eine Nachspielzeit ist auf alle Fälle erwünscht

Lesung der „11Freunde“-Gründer Philipp Köster und Jens Kirschneck zum Jubiläum im LOT-Theater vor 200 Fans.

Von Robin Koppelmann, 28.03.2010.

Braunschweig. „11Freunde“ feiert Jubiläum: Das selbsternannte „Magazin für Fußballkultur“ unterhält die Fans in der gesamten Republik seit nunmehr 100 Ausgaben, die so ziemlich alles thematisierten, was den Fußball und seine Randerscheinungen so faszinierend macht. Und passend zum Geburtstag begaben sich die einstigen Gründer und heutigen Chefredakteure Philipp Köster und Jens Kirschneck auf Leserreise, die auch im LOT-Theater Station machte.

In, wie sollte es auch anders sein, zwei mal 45 Minuten mit Halbzeit lasen die beiden ausgewiesenen Arminia Bielefeld-Fans Highlightartikel aus dem Archiv der „11Freunde“ und berichteten aus dem oft kuriosen Alltagsleben in der Redaktion.
So wurde bekannt, dass Trainer Ewald Lienen das Team des griechischen Erstligisten Panionios Athen durch seinen Sohn im Rahmen eines Praktikums zusammenstellen ließ, oder Köster berichtete von den Schwierigkeiten, ein Interview mit den Stars der Bundesliga zu ergattern. In Stuttgart wurde er für das Treffen mit Mario Gomez für zwei Stunden quasi in die Abstellkammer verfrachtet, „um dann von Mario zu erfahren, dass er eigentlich gar kein Zeit hätte“.
Und Werder Bremens Trainer Thomas Schaaf beendete sein Interview mit Köster, „indem er sich aus Lustlosigkeit einfach selbst anrief.“
Neben dem Blick hinter die Kulissen, punkteten die beiden Vorleser besonders mit ihren Artikeln: Oft fühlten sich die gut 200 Fußballfans im Saal an eigene Erlebnisse erinnert und so mutierte die Lesung zu einer Selbstinszenierung der Fußballszene. Fast eine Viertelstunde lang philosophierte Köster in einem Anflug von Zynismus über die alltäglichen Probleme auf Auswärtsfahrten: „Der Fußballfan hat eine gute Beziehung zum Bier, aber eine schlechte zu seiner Blase“.
Und Kirschneck klagte über die Winterpause und stellte fest, dass der Afrika-Cup im Januar auch keine wirkliche Alternative darstelle: Zumindest nicht, wenn man die Fernsehübertragungen zu einem kleinen „Sit-In“ in Verbindung mit Alkohol nutze.
Aber auch der Bezug zur Braunschweiger Eintracht wurde nicht vergessen: In Halbzeit zwei kam mit Bernd Gersdorff ein echtes Eintracht-Urgestein hinzu. Gersdorff fügte sich in die Plauderrunde nahtlos ein, auch wenn er die Fragen der beiden Redakteure zumeist als Art Running-Gag vergaß und folglich ignorierte. Der guten Stimmung tat das keinen Abbruch, genau wie das mehrfache Ausfallen des Theater-Beamers. Dies wurde vielmehr als passende Metapher für die Situation Eintrachts verwendet: „Gute Sache, nur leider noch etwas fehlerhaft.“
Immerhin gelang es dann doch noch, Gersdorff anhand von Archivfotos manche Anekdote erzählen zu lassen. Vom Jägermeister-Trikot bis zu Gersdorffs Schnauzbart war alles dabei und die Frage nach seiner Lieblingsstation als Profifußballer beantwortete der heutige Pressesprecher der Salzgitter-AG auch brav mit „Eintracht Braunschweig“.
Insgesamt durften die Besucher zufrieden nach Hause gehen, die Mischung aus Satire und zum Teil bitterer Wahrheit in Sachen Fußball-Leben traf genau den Nerv der Zuschauer. Und vielleicht kommt es sogar zu einer Nachspielzeit – die Planungen laufen.
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