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„Du musst kämpfen für Dein Glück“

Der Nigerianer Kingsley Onuegbu ist Publikumsliebling bei den Eintracht-Fans – ein persönliches Gespräch.

Von Ingeborg Obi-Preuß, 22.11.2009.

Braunschweig. „Ich spiele Fußball, seit ich laufen kann“, Kingsley Onuegbu erzählt von den Anfängen einer Karriere, die gerade richtig durchstartet. Drei Tore im Drittliga-Punktspiel gegen Sandhausen – der 23-Jährige strahlt, wenn er davon erzählt. „Jetzt jedes Wochenende punkten, uns oben halten und dann erfolgreich in die Rückrunde starten“ – das ist der Plan.

1,91 Meter groß, 94 Kilo schwer, smartes Lächeln, ein Mann wie aus dem Bilderbuch. Aber vor allem: ein Stürmer wie aus dem Bilderbuch. Und nur das ist Kingsley Onuegbu wirklich wichtig. Er gilt als robust, schnell und technisch versiert – seine Formkurve zeigt gerade steil nach oben. Und er tut fast alles, damit das so bleibt. Denn der Fußball ist die Basis für seine Zukunft in Europa.
„Ja, ich kannte Braunschweig schon vor meiner Verpflichtung bei der Eintracht“, erzählt er. Schließlich habe er auch in seiner Zeit beim SC Idar-Oberstein regelmäßig den Kicker gelesen, und genauso regelmäßig habe er über die Braunschweiger Zuschauerzahlen gestaunt: „15 000 Menschen bei einem normalen Heimspiel“, ist er noch immer tief beeindruckt von „dieser ganz besonderen Stadt mit ihren ganz besonderen Fans.“
„Eine besondere Stadt“
Seit 2008 nun wohnt der Mann aus dem westafrikanischen Nigeria in dieser „besonderen Stadt“, spielt bei „seiner Eintracht“, fühlt sich aufgenommen, angenommen, schwärmt vom kameradschaftlichen Umgang im Team, vom fairen Trainer, von freundlichen Fans. Und doch, ganz am Anfang gab es eine unschöne Begebenheit, die nagt: Junge Männer warfen dem Spieler Eier durch das offene Fenster seiner Wohnung in der Innenstadt und beschimpften ihn mit ausländerfeindlichen Sprüchen. „Ich will das vergessen“, sagt Kingsley Onuegbu, „aber es ist mir noch nicht ganz gelungen.“
Das kommt noch. Willenskraft und Stärke hat er trainiert. Tugenden, die nötig waren, um es aus dem nigerianischen Kaduna bis ins heimelige Braunschweig zu schaffen. „Hier bekommen die meisten Kinder alles, was sie brauchen“, hat er beobachtet, „das ist in meiner Heimat anders. Mit 13, 14 Jahren musst Du sehen, wie Du alleine klarkommst, Du musst kämpfen für Dein Glück.“
Und das tut er. Mit 19 Jahren ergreift der junge Afrikaner seine Chance – ein Freund aus Frankreich lädt ihn ein, bald geht es weiter nach Deutschland. In Köln trifft er andere Freunde, lernt Deutsch. Spielt Fußball – und wird entdeckt. Der Zufall schickt ihm Torsten Lieberknecht über den Weg, die Weichen für Braunschweig sind gestellt. Der Erfolg gibt ihm Recht, bestätigt ihn in seinem Ehrgeiz. Seine Torgefährlichkeit lässt aufhorchen – auch Trainer höherer Ligen. Zukunftsträume? „Ich konzentriere mich auf das Jetzt“, wehrt der Fußballprofi Fragen zu möglichen Wechselplänen ab, „ich will meine Leistung halten, mich verbessern.“
Diesem Streben nach guter Leistung ordnet er vieles unter. Beispielsweise die Weihnachtsferien. „Eigentlich fliege ich über die Feiertage nach Hause zu meiner Mutter und meinem Bruder“, erzählt er. Aber der extreme Klimawechsel zwischen fast 40 Grad im nigerianischen Dezember und der Winterkälte hier hält ihn dieses Jahr zurück. „Ich will einfach keine Erkältung riskieren“, begründet er, „die Rückrunde fängt schon früh im Januar an, und sie ist einfach wahnsinnig wichtig für mich.“
Im Vorwärtsgang
Fußball ist sein Leben, gliedert seinen Tag. Morgens Training, nachmittags Training. Meistens. Wenn Zeit ist, zieht es die Jungs in die Stadt. „Wir gehen essen, sitzen im Tandurino oder im Dolce Vita und schauen uns schöne Frauen an.“ Sagt es und grinst breit mit diesen blitzend weißen Zähnen.
Sein Glück bei den Frauen ist bislang nicht von Dauer, von der Mutter seiner fast zweijährigen Tochter lebt er getrennt, die Freundschaft zu einer Frau aus der Nähe von Braunschweig ging gerade in die Brüche. Der „King“ ist solo.
Aber Alleinsein sei kein Problem für ihn. „Ich bin gern für mich“, sagt er. Dann spielt er Playstation, surft durchs Netz. Sich selbst beschreibt der Profifußballer als ruhig, wirkt dabei aber eher wie das berühmte stille Wasser, das mitunter mächtig tief sein kann. Ein Mann im Vorwärtsgang, sicher, ernsthaft, selbstbewusst. So tritt er auf. So will er wahrgenommen werden. „Ich habe keine Angst – vor gar nichts“, bestätigt er. Und ein klein wenig klingt es, als sagt er das auch zu sich selbst.
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