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„Die Standards sind ein großes Problem“

Eintrachts sportlicher Leiter Marc Arnold. Foto: Susanne Hübner

2. Fußball-Bundesliga: Eintrachts sportlicher Leiter Marc Arnold spricht im nB-Interview über die Entwicklung der Mannschaft.

Von Elmar von Cramon, 24.03.2016.

Braunschweig. Eintrachts sportlicher Leiter Marc Arnold spricht im nB-Interview über die sportliche Entwicklung der Mannschaft, die Nachwuchsförderung, die Schwächen bei Standards, die geringe Trefferquote und Vertragsverlängerungen.

?Herr Arnold, wie sehen Sie die Entwicklung der Mannschaft seit der Winterpause?

!Unser Weg ging in den vergangenen sieben bis acht Jahren fast durchgängig in eine positive Richtung. Irgendwann kommt man wie im vergangenen Sommer an einen Punkt, an dem eine Veränderung notwendig ist. Der große Umbruch hatte vor allem altersbedingte Gründe. Wir haben deshalb auf junge Spieler, eigene Nachwuchskräfte und den einen oder anderen erfahrenen Profi von außen gesetzt. Die durch den Umbruch verloren gegangene Hierarchie muss sich aber erst wieder neu entwickeln. Die Hinrunde verlief gut, vielleicht aber zu schnell zu gut. Dadurch hatten wir die Hoffnung, nach der Winterpause schon weiter zu sein, als wir es nach heutigem Stand letztlich sind.Aber klar ist auch, dass wir mit der Punkteausbeute nach der Winterpause nicht zufrieden sein können.

?Häufig veränderte Aufstellungen sorgten zuletzt für Kritik. Wie sehen Sie diesen Punkt?

!Es gibt für jede Herangehensweise Argumente. Neben taktischen Erwägungen und Verletzungen spielt für unseren Trainer die Trainingsleistung eine große Rolle. Insgesamt darf man nicht außer Acht lassen, dass unsere erfolgreiche Hinrunde auf genau diese Art und Weise zustande kam.

?Auffällig sind die Schwächen bei Standards sowie die geringe Trefferquote der Stürmer. Wie kann man darauf reagieren?

!Im Sturm werden wir im Sommer reagieren, was uns nach dem kurzfristigen Weggang von Emil Berggreen im Winter nicht möglich war. Die Standards sind in dieser Spielzeit ein großes Problem, was wir in dieser Form noch nie hatten. Mittlerweile ist es, wie gegen Union Berlin, vielleicht sogar ein Stück weit zur Kopfsache geworden. Es ist aus meiner Sicht auch nicht zwingend ein Problem der Körpergröße, denn ein Deniz Dogan oder ein Matthias Henn waren im Schnitt auch nicht größer als ein Saulo Decarli oder Joseph Baffo. Es gilt immer wieder, auf die Zuteilung zu achten und sich in den Gegenspieler zu „verbeißen“. Daran müssen wir arbeiten.

?Brauchen neue Spieler in Braunschweig länger, um in die Fußstapfen jener Spieler zu treten, die den erfolgreichen Weg der vergangenen Jahre geprägt haben?


!Das ist bei jedem Spieler anders: Joseph Baffo wurde sofort Stammspieler, auch Phil Ofosu-Ayeh oder Max Sauer standen vor ihren Verletzungen häufig auf dem Platz. Von Adam Matuschyk und Patrick Schönfeld erwarten wir, in eine Führungsrolle hineinzuwachsen. Das wird sicherlich noch kommen, denn die beiden bringen dazu alle Voraussetzungen mit. Entwicklungsprozesse einzelner Spieler werden immer dazugehören, als positives Beispiel fällt mir Salim Khelifi ein, bei dem es einige Zeit gedauert hat, bis er auf seinem heutigen Leistungsniveau angekommen ist.

?Kommt Ihnen die erfolgreiche Nachwuchsförderung mit Akteuren wie Max Sauer, Gerrit Holtmann oder zuletzt Phillipp Tietz in der Gesamtbetrachtung zu schlecht weg?

!Natürlich sind die Fans stolz darauf, eigene Talente in der Zweitligamannschaft zu sehen, müssen aber auch damit rechnen, dass es bei den jungen Spielern zu Leistungsschwankungen kommt. Insgesamt gesehen wird es sicherlich honoriert, auch wenn für den einen oder anderen nur die nackten Ergebnisse zählen, egal wer für Eintracht auf dem Platz steht.

?Torsten Lieberknecht wünschte sich im Winter, dass mit Ken Reichel und Jan Hochscheidt verlängert wird, auch mit Marc Pfitzner wird verhandelt. Wie ist der aktuelle Stand im Bezug auf diese Personalien?

!Wir befinden uns nach wie vor in Gesprächen, wollen die Konzentration kurzfristig aber auf Training und Spiele richten, sodass es hierzu noch keinen neuen Stand gibt.


?Mannschaften wie Paderborn, Düsseldorf oder Kaiserslautern stehen trotz Aufstiegshoffnungen im Abstiegskampf. Ist eine Mittelfeldplatzierung vor diesem Hintergrund etwas, mit dem man sich in dieser Spielzeit zufrieden geben sollte?

!In Kaiserslautern herrschte nach zwei vierten Plätzen große Enttäuschung, der FSV Frankfurt holte am letzten Spieltag den Klassenerhalt und wird von seinen Fans trotz der schwachen Saison gefeiert. Das zeigt, wie sehr die Bewertung auseinandergeht. Unsere eigene Messlatte haben wir immer höher gelegt, dürfen aber auch nicht vergessen, wo wir hergekommen sind. Wir spielen seit fünf Jahren oberhalb der dritten Liga. Wir haben sicherlich die Voraussetzungen dafür und es hat sich vieles, positiv entwickelt. Aber um jedes Jahr ganz vorne mitzuspielen, müssen viele Rädchen perfekt ineinandergreifen.
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