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„Die Löwen sollen beißen“

Oliver Heine, sportlicher Leiter im Nachwuchsleistungszentrum der Eintracht. Foto: Hübner

Fußball: Oliver Heine will die Spielphilosophie im NLZ konkretisieren.

Von Jonas Dräger, 12.08.2016.

Braunschweig. An diesem Wochenende starten Eintrachts Nachwuchsteams aus dem Kennel in die neue Saison. Die nB sprach zum Start mit dem sportlichen Leiter Oliver Heine über das Nachwuchsleistungszentrum.

Herr Heine, sie waren Jugendtrainer bei Union Berlin und Hertha BSC. Wie kam es zum Wechsel nach Braunschweig?

!Heine: Der Wunsch nach Veränderungen war bei mir nach acht Jahren gegeben und die sportliche Leitung eines Leistungszentrums zudem eine reizvolle Aufgabe. Bis dato war das in Braunschweig ein völlig unbeschriebenes Blatt, aber die Gespräche mit Marc Arnold und Soeren Oliver Voigt waren sehr interessant und es war eine Vision zu spüren.

?Was hat sich seit ihrem Beginn in Braunschweig alles verändert?

Heine: Der größte sichtbare Schritt war der Wechsel von der Kälberwiese in den Sportpark Kennel, der uns aufgrund der Geländegröße natürlich auch zahlreiche Entwicklungsmöglichkeiten bietet.
Wir haben einen neuen Hauptplatz, zwei neue Kunstrasenplätze erhalten, dazu hauptamtliches Personal eingestellt. Nach und nach hat sich dann auch der Erfolg bei den Jugendteams eingestellt.

?Gibt es schon konkrete Pläne für Investitionen auf dem Gelände?

!Heine: aktuell nein. Jeder einzelne Schritt nach vorne hilft uns. Wir haben jetzt sehr gute Trainingsbedingungen, obwohl es auch da noch Themen gibt, die man angehen kann. Vor allem was die in die Jahre gekommenen Gebäude betrifft, ist auf jeden Fall noch Luft nach oben. Für die Jungs haben wir mittlerweile einen Kraftraum, aber Rehatraining ist dort nicht nur sehr begrenzt möglich. Es gibt also einige Themen und uns wird sicher nicht langweilig (lacht).

?Wie kommen die Pläne bei der Vereinsführung an?

!Heine: Die Notwendigkeit ist auch der Geschäftsführung bekannt und wir stehen im regelmäßigen Austausch. Aber uns ist natürlich auch bewusst, dass es finanzierbar sein muss.

?Blicken wir auf die vergangene Saison. Sind sie mit der Entwicklung im Nachwuchsbereich zufrieden?

!Heine: Also aus sportlicher Sicht war es ein Jahr, in dem wir unsere Ziele erreicht haben. U23, U19 und U17 haben die Klasse gehalten mit unterschiedlichen Saisonverläufen. Positives Highlight war sicherlich der Pokalsieg der U19. Die U15 ging unter schwierigen Voraussetzungen an den Start. Die Mannschaft war sowohl für Landesliga als auch für Regionalliga zusammengestellt und hat in der Rückrunde durch eine deutlich bessere Punktausbeute den Klassenerhalt gesichert.

?Wäre der Abstieg einer Jugendmannschaft eine Katastrophe?

!Heine: Eine Katastrophe wäre es nicht. Für die Ansprüche, die wir haben, auf hohem Niveau auszubilden, wäre es nicht die Idealsituation. Es gibt immer wieder Beispiele, wo Jugendmannschaften aus den Bundesligen absteigen. Unser Ziel ist es daher immer, den Klassenerhalt so schnell wie möglich zu schaffen.

?Die U18 wurde zur neuen Saison abgemeldet. Gab es dafür spezielle Gründe?

!Heine: Für uns gab es zwei Möglichkeiten der Talentförderung: Die U18 zu behalten und sie in die Regionalliga zu führen oder sich etwas früher
auf bestimmte Spieler zu fokussieren und sie im Hinblick auf die U19 und U23 speziell zu fördern. Die zweite Variante haben wir für die effektivere gehalten.

?Ab der U12 kann man bei Eintracht kicken? Ist das noch ein Hobby oder wird da schon richtig hingesehen?

!Heine: Wir schauen immer genau hin, wen wir in unser Leistungszentrum holen. Die Spieler investieren sehr viel, machen eine duale Ausbildung mit Schule und Fußball unter hohen Leistungsanforderungen. Die gezielte Förderung beginnt bei uns ab der U12 mit aller Konsequenz und Leidenschaft.

?Wie kommen die Spieler zur Eintracht? Eigene Scouts hat das NLZ noch nicht?

!Heine: Wir haben durch unsere Trainer ein breit gestreutes Netzwerk, durch das wir Informationen bekommen, denen wir nachgehen können. Insgesamt ist es aber so, dass die Trainer selber viel scouten und ich an den Wochenenden unterwegs bin und mir Spiele angucke. Die Notwendigkeit eines Chefscouts im Nachwuchsbereich ist aber da und das Thema in Planung.

?Stimmt es, dass Spieler ab der U15 mit einem Vertrag ausgestattet werden dürfen?

!Heine: Man kann Spieler ab der U15 mit Verträgen für die B-Jugend (U17) ausstatten. Das machen wir auch punktuell. Wir sind aber kein Verein, der jeden Spieler mit einem Vertrag ausstatten kann sondern müssen hier eine sehr enge Auswahl treffen.

?Wie sieht so ein Tagesplan eines Jugendspielers aus?

!Heine: Die Jungs gehen morgens regulär zur Schule. Wir haben beispielsweise eine Kooperation mit der IGS Wilhelm Bracke, die viele unserer Spieler besuchen, und bei der Trainingseinheiten am Vormittag in den Stundenplan integriert sind. Bei Ganztagsschulen kommen die Spieler erst am späten Nachmittag zu uns,
andere sind bereits früher hier, essen dann gemeinsam im NLZ zu Mittag und machen ihre Hausaufgaben. Anschließend ist Training.

?Wie kontrolliert man so junge Menschen und hält sie bei Laune?

!Heine: Es geht nicht um Kontrolle, wir wollen unsere Spieler begleiten. Wir haben nicht nur Fußballtrainer sondern auch gut ausgebildete Pädagogen, Sportpsychologen und seit kurzem auch einen Internatsleiter, als wichtige Bezugsperson für die Spieler , die ohne Eltern hier sind. Darüber hinaus bieten wir Workshops zu Medienkompetenz und anderen Themen außerhalb des Fußballs an, um die Jungs ganzheitlich zu betreuen.

?Gibt es neben dem Klassenerhalt spezielle Vorgaben für die neue Spielzeit?

!Heine: Es gibt in dieser Saison erstmalig eine Konkretisierung der Spielphilosophie. Davor hatten wir immer eine Darstellung der Spielphilosophie.
Torsten Lieberknechts Wunsch war es, immer flexibel spielen zu können. Das heißt, in diesem Jahr wird Leidenschaft nach wie vor auch ein Thema sein, das wollen wir aber bündeln in bestimmten taktischen Abläufen.
Im Spiel gegen den Ball wollen wir kompakt verteidigen. In dieser Kampfzone – sagen wir es mal so martialisch – da müssen die Löwen zubeißen. Wir wollen unbequem sein, der Gegner soll die Lust verlieren, durch diese Zone zu spielen. Auch wollen wir den Ballbesitz erhöhen. Das wird nicht gegen jeden gelingen, aber gegen bestimmte Mannschaften wollen wir uns mehr mit spielerischen Mitteln durchsetzen.

?Wie findet der Austausch mit Torsten Lieberknecht und Marc Arnold statt?

!Heine: Das ist ein sehr befruchtender, regelmäßiger Austausch, den ich sehr schätze. Torsten fallen bestimmte Schwerpunkte bei Spielern, die aus dem NLZ
kommen, auf. Das können wir wieder gut mitnehmen und wissen wo wir eventuell ein Stück mehr drauf achten müssen. Wir wollen für unsere Spieler so geringe Anpassungsschwierigkeiten wie möglich erreichen. Egal ob Profikader oder U23.

?Einige Spieler haben den Sprung in den Profikader geschafft. Ist das Ansehen gestiegen?

!Heine: Ich hatte zu keinem Zeitpunkt seitdem ich hier bin das Gefühl, dass das NLZ nicht wichtig ist. Dadurch, dass mehrere Spieler jetzt durchgekommen sind entwickelt sich ein gewisses Vertrauen welches wir uns täglich neu erarbeiten müssen.

?Gehört Eintracht vom Etat her zu den kleineren Teams in den Bundesligen?

!Heine: Das ist schwer zu sagen. Da ist auch der ein oder andere Verein dabei, der kein Leistungszentrum hat. JfV Nordwest oder Tennis Borussia Berlin beispielsweise. Auf der anderen Seite haben wir Vereine wie RB Leipzig, VfL Wolfsburg, Werder Bremen und auch Hertha, die finanziell nochmal in einer ganz anderen Liga spielen. Aber wir sind, gerade als eines der wenigen NLZs
eines Zweitligisten das alle seine Leistungsmannschaften in den höchsten Ligen hat. Das ist nicht alltäglich.
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