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Die Eintracht-Garage im Wolfsburger Fußball-Exil

Pastor Siegfried Helmut Neumeier ist leidenschaftlicher Fan von Eintracht Braunschweig – Sogar sein Auto parkt „blau-gelb“.

Von Marc Wichert, 30.10.2011.

Parsau. Von Liebe spricht Siegfried Helmut Neumeier nicht, eher von einer Passion. Auch sonst sieht der Pfarrer und leidenschaftliche Eintracht-Fan viele Ähnlichkeiten zwischen Kirche, Glauben und Fußball. Ein Besuch im Landkreis Gifhorn.

Eigentlich befindet sich der Pastor tief in Feindesland. Und eigentlich müsste er Fan des VfL Wolfsburg sein – wie fast alle seine Nachbarn und Gemeindemitglieder „Grün-Weiße“ sind. Siegfried Helmut Neumeier aber war, ist und bleibt Anhänger von Eintracht Braunschweig, und das seit bald 40 Jahren. Und Feind ist man sich hier glücklicherweise nicht, wie er später erzählt. Man lebe in Eintracht.
Fährt man in sein Dorf weit nördlich von Wolfsburg, fällt zunächst eine Borussia-Dortmund-Flagge auf, die an einer Stange im Garten eines unbekannten Fans weht. Das Domizil des Pfarrers der evangelischen Kirche ist in dem 1800-Einwohner-Dorf nicht zu verfehlen.
Eine leicht verblasste blau-gelbe Flagge, ebenfalls hoch oben am Ende einer Fahnenstange, weist den Weg. Und dann ist da noch das Garagentor, von dem Siegfried Neumeier im Telefongespräch gesprochen hat, und das anzeigt, welcher Elf der Garagenbesitzer die Daumen drückt: ein auf die Spitze gestelltes blau-gelbes Quadrat mit rotem Löwen, das Wappen von Eintracht Braunschweig.
Der Pastor führt nach freundlicher Begrüßung in den Besprechungsraum, der – wie könnte es anders sein – mit Fanartikeln in Blau-Gelb geschmückt ist. Auf der Fensterbank stehen drei der bislang erschienenen Eintracht-Dosen von Wolters – leergetrunken. „Die vierte Edition habe ich auch schon bestellt“, sagt Neumeier. Und dann erzählt er bei Gebäck und Kaffee von seiner Eintracht-Passion.
Im Stadion war er das erste Mal während seiner Konfirmandenzeit – es war für ihn die große weite Welt. Von da an war er infiziert. Wenn er von den goldenen Erstliga-Zeiten der Eintracht unter Trainerlegende Branko Zebec spricht, lächelt er und kommt ins Schwärmen. Es scheint, als reise er gedanklich zurück in die Zeit, als die Eintracht mit der Meisterschaft von 67 im Rücken im oberen Tabellendrittel mitmischte und im Uefa-Cup gar bis in die dritte Runde kam.
Seitdem ist er fußballbegeistert, schrieb sein theologisches Staatsexamen über das Thema „Faszination Fußball – Das Verhältnis von Sport und Kirche als Problem von Seelsorge“ und ist mittlerweile Besitzer der lebenslangen Dauerkarte, „als einer der ersten zehn Käufer“, wie er stolz hinzufügt.
Für den Platz neben sich hat er eine zweite Dauerkarte dazu gekauft, um Freunde zu den Spielen mitnehmen zu können– zum nächsten Heimspiel habe er einen Pfarrerkollegen eingeladen. „Andere haben ihr Zweitauto, Zweithaus oder ihre Zweitfrau“, sagt er nicht ganz ernst gemeint mit einem Lächeln. Der Pastor spielt gern mit Worten: Den Umbau des Stadions an der Hamburger Straße etwa finde er gut, er habe überlegt, gemeinsam mit Pfarrerkollegen eine „Theo-Loge“ zu kaufen. Na ja, wieder nicht ganz ernst gemeint, aber er habe zumindest mit seinen zwei Karten seine eigene Mini-Loge. Wie passt die Leidenschaft für den Fußball zu seinem Beruf als Pastor? „Zwischen Glaube und Fußball gibt es viele Ähnlichkeiten“, sagt Neumeier. Man halte zu jemandem, an guten wie an schlechten Tagen.
Auch oder gerade, wenn man im fußballerischen Exil lebt.
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