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Dicke Luft und ein entnervter Präsident

Rund 1000 Anhänger der Braunschweiger Eintracht waren der Einladung zur Fanversammlung im Stadion gefolgt. Foto: Nizar Fahem
 
Bastian Thies. Fotos: Fahem

Fußball-Zweitligist Eintracht Braunschweig hatte zur großen Fanversammlung eingeladen.

Von Jonas Dräger, 30.09.2017.

Braunschweig. Dicke Luft bei Eintracht Braunschweig, Anhänger und Verein haben sich entzweit. Das demonstrative Schweigen in Block 9 war nicht mehr zu „überhören“, weshalb Eintracht Braunschweig zur großen Fanversammlung eingeladen hatte.

Rund 1000 Fans kamen in den Business-Bereich des Stadions, um ihrer schlechten Stimmung Luft zu machen.

Dort übernahm Robin Koppelmann für den Fanrat das Wort und referierte über die Missstände aus Sicht der Anhänger. Die Themen reichten vom fehlenden „Eintracht-Gefühl“ bis zur mangelhaften Unterstützung bei Polizeieinsätzen und dem fragwürdigen Umgang mit Spruchbändern.

Für den Verein waren Präsident Sebastian Ebel und Geschäftsführer Soeren Oliver Voigt auf dem Podium. Und Ebel musste bei den Ausführungen und einigen Stimmen der Fans schwer schlucken. „Ich bin erschreckt, dass Ihr glaubt zu wissen, was wir für Euch tun“, sagte er fast resignierend.

Als Soeren Oliver Voigt klarstellte, man würde mit den Ultras wieder im Dialog stehen, er aber nicht detailliert darüber berichten wollte, kochte die Fanseele, die der Führungsriege ohnehin mangelnde Transparenz unterstellt. Viele der Eintracht-Anhänger argumentierten und schrien sich den Frust von der Seele. Die Veranstaltung drohte sogar zu kippen.

Voigt und Ebel versuchten, die Situation zu beruhigen. Sie erklärten, wie oft sich der Verein bei Strafen und Stadionverboten schon mit dem Verband gestritten habe, dies aber selten öffentlich kommuniziere.

Kommunikation war dann das entscheidende Stichwort. „Ist es nicht förderlich, Euren Einsatz für uns über die Webseite und die sozialen Netzwerke zu verbreiten“, fragte Koppelmann nach und erhielt tosenden Applaus.

Dieser Ausführung von Koppelmann stimmten Präsident und Geschäftsführer zu. „Wir haben jetzt einen klaren Auftrag, werden uns damit auseinandersetzen und kommunikativer werden“, versprach Voigt den Anhängern abschließend.
Ob damit die Stimmung zurück ins Stadion kehrt, ist allerdings ungewiss. Richtig zufrieden waren viele Zuhörer nicht und diskutierten in der Pause unterein-ander intensiv.

Es war dann im Anschluss Torsten Lieberknechts Aufgabe, für positive Emotionen zu sorgen. Der Eintracht-Trainer hatte mit Teilen der Mannschaft von Beginn an aufmerksam die Diskussion verfolgt.

Umfrage: Was haben Sie von Eintracht erwartet?

Bastian Thies: „Es ist zumindest ein Anfang, aber es sind sehr kontroverse Themen und auch zu viele, um sie an einem Abend zu klären. Ich würde mir besonders wieder bessere Stimmung bei Eintracht wünschen.“

Kevin Bollmann: „Ich finde es gut, dass über die Ultras und Eintracht mehr geredet wird. Aber was mich störte, war, dass sie bei vielen Fragen ausgewichen sind und viel um den heißen Brei herumgeredet haben.“

Laura Uliczka: „Im Prinzip war es ganz gut, nur stellt sich mir die Frage, was es bringen soll? Es wurden meistens nur Fragen beantwortet, wo sie wissen, dass sie darauf antworten sollen, oder wollen. Sie sind zu viel ausgewichen.“

Heinrich Bäustmann: „Es waren sehr gute und angenehme Fragen und ich fand es sehr gut, dass sich Eintrachts Verantwortliche der Diskussion gestellt haben. So etwas sollte es häufiger geben, nicht nur ein Mal im Jahr.“
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