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Der Traum vom friedlichen Sport

So soll es sein: Eintrachtfans jubeln ihren Spielern zu, ein Fußballfest, das die Menschen verbindet und begeistert. (Foto: Hübner)
 
Schwieriges Thema in der Diskussion: Fanbeauftragter Erik Lieberknecht, Dietmar Schilff (GdP), Uwe Schmiedt, Leiter PK Nord, Hans-Michael Steinhof (GdP), Eintrachtpräsident Sebastian Ebel und Moderatorin Miriam Herzberg (von links). (Foto: Ingeborg Obi-Preuß)
Braunschweig: Polizeisinspektion |

Gibt es ein Rezept gegen die Gewalt rund um Fußballspiele? Das fragte sich die Gewerkschaft der Polizei und hatte zur Fachtagung eingeladen

Von Ingeborg Obi-Preuß, 20. Juni 2017. Braunschweig. Die Identitätsfeststellung der „Böllerwerfer“ beim Relegationsspiel Eintracht Braunschweig gegen den VfL Wolfsburg könne eine Überraschung bringen: „Vielleicht waren es gar keine Ultras“, gab Eintrachtpräsident Sebastian Ebel zu bedenken. Während der Fachtagung „Friedlicher Fußball“ der Gewerkschaft der Polizei sprach der Präsident von Missverständnissen, wer oder was denn die sogenannten „Ultras“ überhaupt seien. „Der überwiegende Teil dieser Fans unterstützt uns großartig“, betonte Ebel, „wir müssen sie unbedingt vom Generalverdacht freisprechen.“ In allen Berufsgruppen gebe es Menschen, die kriminell würden, „die dürfen sich nicht in der Masse verstecken können, die müssen wir isolieren“, stellte er klar. Böllerwürfe und jede Form von Gewalt sei nicht tolerierbar.
Acht Vertreter verschiedener Gruppen und Positionen – vom Fanforscher bis zu szenekundigen Beamten – hatten in den Räumen der Polizeiinspektion über die Zukunft des Fußballs diskutiert.
Einblicke gab die Tagung in den seit Jahren immer weiter ausgebauten Dialog mit den Fans: Projekte, Gespräche, Internetforen, persönliche Briefe, Arbeitsgruppen, Forschung – vonseiten des Vereins, der Stadt und der Polizei gibt es ein ausgeprägtes Netzwerk. Dennoch muss hier noch mehr getan werden, da waren sich alle einig.
Ein kleiner Film zu Beginn machte das Thema fühlbar: gewaltbereite Chaoten, in dichte Rauchschwaden gehüllt, marschieren von Trommeln begleitet durch die Stadt. Sie skandieren „Krieg dem DFB“. Sogenannte Dynamo-Fans. Die Zahlen, die Jörg Kremer als Vorsitzender der GdP-Bezirksgruppe Braunschweig dazu vorstellte, waren ebenso bedrückend wie der Film. 106 verletzte Personen in der vergangenen Saison (40 Prozent Anstieg), mehr als 216 000 Arbeitsstunden für die Polizei (73 Prozent Anstieg).
Die Beamten haben es vor allem satt, sich für ihre Arbeit in Schichten und an Wochenenden auch noch anpöbeln zu lassen. Uwe Schmiedt, Leiter Polizeikommissariat Nord, forderte eine bessere Videoüberwachung im Stadion, um Straftäter schneller überführen zu können. Außerdem appellierte er: „Hört mit den verunglimpfenden Bannern auf.“
Auch „unnötige Provokationen“ von Organisationsseite müssten dringend abgestellt werden. „Wir waren total genervt davon, dass die Verbände das Spiel gegen Wolfsburg auf den Himmelfahrtstag gelegt hatten“, nannte Dietmar Schilff, GdP-Vorsitzender Niedersachsen, ein Beispiel. Allein durch den Alkoholkonsum an so einem Tag sei das Gewaltpotenzial hoch.
Auch das Verbot von „Eintrachtfarben“ außerhalb des Gästeblocks passe zu diesem Thema, pflichtete ihm Sebastian Ebel bei, er selbst sei aufgefordert worden, seinen Fanschal abzulegen. „So etwas kann durchaus provozieren“, erklärte er. (Er hat sein Schal übrigens weiter getragen).
Jonas Gabler (Fanforschung) erklärte, dass die „emotionale Aufladung“ rund um das Thema Fußball historisch gewachsen sei, der frühe Dialog mit den „Ultras“ sei versäumt worden, eine Stigmatisierung habe eine Art „Widerstands-Mentalität“ wachsen lassen. Jetzt würde eine „härte Gangart“ der Polizei nur zu einer weiteren Radikalisierung führen. „Ein Patentrezept kann ich auch nicht bieten“, fügte er an.
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